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	<title>Studien &#8211; Vermögensperspektiven</title>
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	<description>Journal für die Diskussion der gesellschaftlichen Aspekte von Vermögen.</description>
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	<title>Studien &#8211; Vermögensperspektiven</title>
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		<title>Rentenvermögen reduzieren Vermögensungleichheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. Nicolai Hammersen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Nov 2023 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a><br />
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<a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven - Journal für die Diskussion der gesellschaftlichen Aspekte von Vermögen.</a></p>
<p>Dass Rentenvermögen oder (exakter) Vermögen aus Anwartschaften an die Alterssicherungssysteme — wir haben sie in diesem Journal bisher Altersvorsorgevermögen genannt — die Vermögensungleichheit reduzieren, ist an sich nicht neu. Auch wir haben verschiedentlich darauf hingewiesen (siehe hier, hier und hier). [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/rentenvermoegen-reduzieren-vermoegensungleichheit/">Rentenvermögen reduzieren Vermögensungleichheit</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a> und wurde geschrieben von <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/author/nicolaihammersen/">Dr. Nicolai Hammersen</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a><br />
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<a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven - Journal für die Diskussion der gesellschaftlichen Aspekte von Vermögen.</a></p>

<p class="wp-block-paragraph">Dass Rentenvermögen oder (exakter) Vermögen aus Anwartschaften an die Alterssicherungssysteme — wir haben sie in diesem Journal bisher Altersvorsorgevermögen genannt — die Vermögensungleichheit reduzieren, ist an sich nicht neu. Auch wir haben verschiedentlich darauf hingewiesen (siehe <a href="https://vermoegensperspektiven.de/rentenansprueche-reduzieren-vermoegensungleichheit/">hier</a>, <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-weniger-ungleich/">hier</a> und <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-schief-dargestellt/">hier</a>). Neu ist, dass diese Erkenntnis nun auch in weiten Teilen der Medien zur Kenntnis genommen wird. Der Anlass: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat in seinem <a href="https://www.diw.de/de/diw_01.c.884915.de/publikationen/wochenberichte/2023_45_1/rentenvermoegen_macht_grossteil_des_vermoegens_der_aermeren_bevoelkerungshaelfte_in_deutschland_aus.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wochenbericht 45/2023</a> im November die Ergebnisse einer aktuellen Studie veröffentlicht. Diese Studie berücksichtigt auf Basis von SOEP-Daten (SOEP = <a href="https://www.diw.de/de/diw_01.c.412809.de/sozio-oekonomisches_panel__soep.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sozio-oekonomisches Panel</a>) bei der Vermögensbetrachtung auch das Rentenvermögen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der medialen Berichterstattung dazu heißt es unisono, das DIW habe bei einer Untersuchung „erstmals” die Altersvorsorgeansprüche berücksichtigt. So schreiben es die <a href="https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vermoegensverteilung-ungleichheit-reichtum-rentenanspruch-1.6299789" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Süddeutsche Zeitung</a>, <a href="https://www.welt.de/wirtschaft/article248418686/Vermoegen-Aermere-Haushalte-mit-deutlich-hoeherem-Anteil-an-Vermoegen-als-bisher-gedacht.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Welt</a>, <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ungleichheit-aermere-haushalte-haben-etwas-mehr-vermoegen-als-bislang-gedacht-a-8ae13dba-91b2-4b78-888e-364beb0ad33e" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Spiegel</a>, <a href="https://www.zeit.de/wirtschaft/2023-11/deutsches-institut-fuer-wirtschaftsforschung-rente-vermoegen-armut-ungleichheit" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Zeit</a>, die <a href="https://www.wiwo.de/politik/konjunktur/rente-bericht-aermere-haushalte-mit-hoeherem-anteil-am-vermoegen-als-bislang-gedacht/29488536.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wirtschaftswoche</a> und <a href="https://www.n-tv.de/ticker/Rente-macht-Grossteil-des-Vermoegens-der-aermeren-Bevoelkerungshaelfte-in-Deutschland-aus-article24516992.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">NTV</a>. Da bereits mehrere Studien in der Vergangenheit — auch vom DIW — untersucht haben, wie sich Ansprüche an der Alterssicherungssysteme auf die Vermögensverteilung auswirken (s. dazu unten), ist es wohl eher so, dass die Medien anlässlich des aktuellen DIW-Wochenberichts „erstmals” davon Kenntnis nehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rentenansprüche machten ein Drittel des Vermögens aller Haushalte in Deutschland aus und seien damit nach dem Immobilienvermögen der wichtigste Baustein im erweiterten Vermögensportfolio der Haushalte, schreibt das DIW in seiner <a href="https://www.diw.de/de/diw_01.c.884879.de/rentenansprueche_haben_grosse_bedeutung_fuer_vermoegenssituation_aermerer_haushalte.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Pressemitteilung zur Studie</a>. Diese Rentenansprüche setzten sich aus der gesetzlichen und betrieblichen Altersvorsorge sowie Pensionen zusammen und seien damit nur ein vermögensähnlicher Wert. Für die ärmere Hälfte der Bevölkerung spielten diese vermögensähnlichen Ansprüche eine deutlich größere Rolle als für die reichere: Rund 70 Prozent des Vermögens der ärmeren Hälfte besteht aus diesen Rentenansprüchen. Je weiter man in der Vermögenspyramide nach oben blickt, desto geringer wird der Anteil der Rentenansprüche am erweiterten Vermögensportfolio.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Üblicherweise werden diese Versicherungsansprüche nicht in der Vermögensverteilung berücksichtigt, da sie kein beleihbares oder veräußerbares Geld- oder Sachvermögen darstellen; für viele sind sie aber ein wichtiger Baustein ihrer Altersvorsorge”, argumentiert das DIW für die Einbeziehung der Rentenansprüche bei einer erweiterten Vermögensbetrachtung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Einbeziehung der Rentenvermögen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Studienautoren merken dazu an, es werde kritisch diskutiert, ob Rentenansprüche an eine gesetzliche Rentenversicherung analog zur privaten Altersvorsorge in die Vermögensberechnung einbezogen werden sollten. So gebe es Stimmen, die einwendeten, die Einbeziehung des Rentenvermögens setze die Einbeziehung aller versprochenen künftigen staatlichen Transfers voraus (so etwa Emmanuel Saez und Gabriel Zucman). In ihrer Untersuchung <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0165176523003245" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Accounting for pension wealth, the missing rich and under-coverage: A comprehensive wealth distribution for Germany”</a>, die dem DIW-Wochenbericht zugrundeliegt, schreiben Charlotte Bartels, Timm Bönke, Rick Glaubitz, Markus M. Grabka und Carsten Schröder, auch wenn das Rentenvermögen als Ersatz für marktfähiges Vermögen dienen könne, seien seine Funktionen und seine Verwendungsfreiheit begrenzt. Rentenvermögen sei nicht übertragbar und unterscheide sich daher erheblich von marktfähigen Vermögenswerten wie Finanzanlagen oder Immobilien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bartels et al. betrachten die Einbeziehung des Rentenvermögens gleichwohl als ersten Schritt zu einem umfassenden Vermögenskonzept, das auch andere künftige Sozialversicherungsansprüche wie den Geldwert der Pflegeversicherung einbeziehen würde. Künftige Rentenansprüche stellten jedoch die unmittelbarste Ergänzung zum Standardvermögen dar, da sie nach Erreichen des Rentenalters fließen würden; damit seien sie ein Pendant zu der im Nettovermögen enthaltenen privaten Altersvorsorge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die bessere Vergleichbarkeit spielt für Bartels et al. eine Rolle: Die Hinzufügung des Nettogegenwartswertes des Rentenvermögens zum marktfähigen Vermögen, um das „erweiterte Vermögen” zu berechnen, sei ein wichtiger Schritt, um die Vermögensverteilung zwischen Gruppen mit unterschiedlichem Rentenversicherungsschutz — gesetzlich Abgesicherte (Angestellte oder Beamte) und diejenigen ohne Versicherungspflicht (Selbständige) — vergleichbarer zu machen. Auch ließen sich Vermögensunterschiede zwischen Ländern mit unterschiedlichen institutionellen Rahmenbedingungen hinsichtlich der Altersvorsorgesysteme besser erklären.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Rentenvermögen macht Großteil der Vermögen der unteren Hälfte aus</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das DIW hat in seiner aktuellen Studie die Vermögensverteilung anhand der Vermögensportfolios für vier Gruppen untersucht, die sich als Standard etabliert haben: die unteren 50 Prozent, die Mittelschicht (von der Mitte der Vermögensverteilung bis zu den oberen 90 Prozent, 50. bis 90. Perzentil), die Oberschicht (die obersten zehn Prozent ohne das oberste Prozent, 90. bis 99. Perzentil) und die Top-Vermögenden (das oberste Prozent).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="577" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/12/Portfolios-nach-Vermoegensgruppen-2017-1024x577.jpg" alt="Rentenvermögen dominanter Faktor bei unteren 50 Prozent" class="wp-image-2670" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/12/Portfolios-nach-Vermoegensgruppen-2017-1024x577.jpg 1024w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/12/Portfolios-nach-Vermoegensgruppen-2017-300x169.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/12/Portfolios-nach-Vermoegensgruppen-2017-768x432.jpg 768w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/12/Portfolios-nach-Vermoegensgruppen-2017.jpg 1293w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In der unteren Hälfte der Vermögensverteilung macht der Rentenvermögen 70 Prozent des erweiterten Vermögens aus. Auch für die Mittelschicht spielt das Rentenvermögen mit rund 45 Prozent die wichtigste Rolle, allerdings rangieren bereits hier Immobilien auf Rang zwei. Das Immobilienvermögen spielt für die Oberschicht gar die wichtigste Rolle im Vermögensportfolio, während Finanz- und Rentenvermögen mit 26, 27 Prozent in etwa gleichauf liegen. Für das oberste Prozent spielen Rentenvermögen mit kaum drei Prozent keine große Rolle mehr. Mit deutlichem Abstand vor allen anderen Vermögensgruppen sind Betriebsvermögen die dominierende Vermögenskomponente. Immobilien und Finanzvermögen folgen auf den Plätzen zwei und drei.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Rentenvermögen verändern die Vermögensverteilung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Werden die Rentenansprüche bei der Vermögensbetrachtung berücksichtigt, sinkt die Vermögensungleichheit. In der DIW-Studie heißt es dazu: „Das Hinzufügen des Rentenvermögens erhöht den Anteil des Vermögens am Gesamtvermögen in der unteren Hälfte der Verteilung erheblich. Da das Rentenvermögen den dominanten Teil im Vermögensportfolio der ärmeren 50 Prozent der Haushalte darstellt, steigt ihr Vermögensanteil im Jahr 2017 von zwei Prozent, wenn nur das Nettovermögen berücksichtigt wird, auf neun Prozent, wenn auch ihr Rentenvermögen einbezogen wird. Im Gegensatz dazu sinkt der Vermögensanteil der Top-Vermögenden von 30 auf 20 Prozent, wenn das Rentenvermögen berücksichtigt wird. (…) Damit <strong>senkt die Einbeziehung des Rentenvermögens auch die gemessene Vermögensungleichheit</strong>.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Anteile der Bevölkerung am Gesamtvermögen ohne und mit Rentenvermögen zeigt die folgende Abbildung:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="512" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/12/Vermoegensverteilung-ohne-und-mit-Rentenvermoegen-1024x512.jpg" alt="Vermögensverteilung ohne und mit Rentenvermögen" class="wp-image-2673" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/12/Vermoegensverteilung-ohne-und-mit-Rentenvermoegen-1024x512.jpg 1024w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/12/Vermoegensverteilung-ohne-und-mit-Rentenvermoegen-300x150.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/12/Vermoegensverteilung-ohne-und-mit-Rentenvermoegen-768x384.jpg 768w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/12/Vermoegensverteilung-ohne-und-mit-Rentenvermoegen-1536x768.jpg 1536w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/12/Vermoegensverteilung-ohne-und-mit-Rentenvermoegen-2048x1024.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Dass sich die Vermögensungleichheit reduziert, wenn Rentenansprüche in das Haushaltsvermögen eingerechnet werden, ist schon länger bekannt. Nur wird in der Regel nicht darauf hingewiesen. Dabei liegt der Gedanke nicht fern, dass es für manche durchaus inopportun wäre, darauf hinweisen zu müssen, dass die Vermögensungleichheit eben nicht so hoch ist wie gewöhnlich dargestellt. Ausdrücklich soll damit die vorhandene Vermögensungleichheit nicht relativiert oder kleingeredet werden. Wenn wir aber über Vermögensungleichheit reden, müssen wir uns zunächst einen realistischen Blick auf die tatsächlichen Verhältnisse verschaffen. Politische Interessen, die Vermögensungleichheit möglichst hoch aussehen zu lassen, um weitere Umverteilungsmaßnahmen zu fordern, sind hier fehl am Platz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im folgenden fassen wir die bislang vorliegenden Erkenntnisse dazu zusammen, wie sich die Berücksichtigung der Rentenvermögen auf die Vermögensverteilung auswirkt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Frick/Grabka 2010</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Im <a href="https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.345838.de/10-3-1.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">DIW-Wochenbericht 3/2010 „Alterssicherungsvermögen dämpft Ungleichheit — aber große Vermögenskonzentration bleibt bestehen”</a> schreiben Joachim Frick und Markus Grabka, die erweiterte Messung des Gesamtvermögens unter Einbeziehung der Anwartschaften an Alterssicherungssysteme zeige „eine deutlich geringere Vermögensungleichheit als herkömmliche Analysen, die sich allein auf Geld- und Sachvermögen beziehen”. Durch die Berücksichtigung der Altersversorgungsansprüche sinke der Gini-Koeffizient auf 0,64, was einem Rückgang um gut 20 Prozent entspreche. Die Autoren konstatieren eine „<strong>massive Dämpfung der Ungleichheit durch Alterssicherungsvermögen</strong>”.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2013 haben Frick und Grabka ihre Erkenntnisse in dem Beitrag „Public pension entitlements and the distribution of wealth” für die von J. Gornick und M. Jäntti herausgegebene Publikation „Income Inequality: Economic Disparities and the Middle Class in Affluent Countries” (Stanford University Press) erneut ausgebreitet.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Bönke et al. 2016 (2019)</h4>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-weniger-ungleich/">Timm Bönke et al.</a> haben 2016 (spätere Veröffentlichung 2019) die wohl erste Analyse für Deutschland vorgelegt, die das Rentenvermögen in einer Analyse der Vermögensungleichheiten für die gesamte deutsche Bevölkerung im Ruhestand und im Nicht-Ruhestand berücksichtigt (<a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/roiw.12371" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The joint distribution of net worth and pension wealth in Germany</a>, SOEPpapers 853-2016). Zur Vermögensverteilung kommen die Autoren zu folgendem Ergebnis: „Consistent with previous studies for Germany, the distribution of net worth is very unequal. Here the Gini coefficient is 0.785. The inclusion of pension wealth leads to a <strong>marked reduction of the Gini coefficient of roughly 25%</strong> to 0.594 for augmented wealth.”</p>



<h4 class="wp-block-heading">Bönke et al. 2017 (2020)</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang 2017 (spätere Veröffentlichung 2020) legten <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-weniger-ungleich/">Timm Bönke et al. eine Folgeuntersuchung</a> vor (<a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/sjoe.12364" target="_blank" rel="noreferrer noopener">A Head-to-Head Comparison of Augmented Wealth in Germany and the United States</a>, SOEPpapers 899-2017), die Zahlen zum Vermögen nicht (wie 2016/2019) auf individueller Ebene, sondern auf Haushaltsebene bereitstellt. Dort heißt es: „The addition of <strong>pension wealth also reduces measured wealth inequalities</strong>: In the United States, the Gini coefficient drops from 0.892 for net worth to 0.701 for augmented wealth; in Germany from 0.765 to 0.511.” Das entspricht einem Rückgang um gut 33 Prozent.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Peichl et al. 2018</h4>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-weniger-ungleich/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Andreas Peichl et al.</a>, ifo Zentrum für Makroökonomik und Befragungen, schreiben in ihrer 2018 vorgelegten Untersuchung „<a href="https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/pwp-2018-0028/html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ökonomische Ungleichheit in Deutschland – ein Überblick</a>”, es zeige sich, „dass durch die Berücksichtigung von Rentenansprüchen die Ungleichheit der Nettovermögen (Gini von 0,73) spürbar sinkt (auf 0,53)”. Die Berücksichtigung der Rentenansprüche führe „zu einer <strong>erheblichen Reduktion der gemessenen Vermögensungleichheit in Deutschland</strong>“, so das Fazit.</p>



<h4 class="wp-block-heading">vbw 2021</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://vermoegensperspektiven.de/rentenansprueche-reduzieren-vermoegensungleichheit/">Studie der vbw</a> – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. „<a href="https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Gutachten/PDF/Gutachten_Gerechtes-Deutschland.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gerechtes Deutschland – Die Rolle der Vermögen</a>“, die im Auftrag der vbw vom Institut der deutschen Wirtschaft, Köln, erstellt wurde, kommt 2021 zu dem Ergebnis: In Deutschland sinkt der Gini-Koeffizient durch die Erweiterung um die Vermögensäquivalente aus der Altersvorsorge im Jahr 2017 um 22 Prozent von knapp 0,8 auf rund 0,6. Die Vermögensungleichheit in Deutschland werde durch Anwartschaften aus gesetzlichen, privaten und betrieblichen Altersvorsorgesystemen somit um 22 Prozent reduziert.</p>



<h4 class="wp-block-heading">DIW-Wochenbericht 50/2021</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Im <a href="https://www.diw.de/de/diw_01.c.831678.de/publikationen/wochenberichte/2021_50_1/grunderbe_und_vermoegensteuern_koennen_die_vermoegensungleichheit_verringern.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">DIW-Wochenbericht 50/2021</a> beschäftigt sich Stefan Bach mit der Frage, inwiefern ein Grunderbe und Vermögensteuern die Vermögensungleichheit verringern können. Sein einleitender Satz „Die Nettovermögen der privaten Haushalte sind in Deutschland besonders ungleich verteilt” ist mit folgender Fußnote versehen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Nettovermögen in konventioneller Abgrenzung bestehen aus Immobilien, Finanzvermögen und Versicherungsguthaben, Unternehmen und Unternehmensbeteiligungen, abzüglich Schulden. Dabei werden bestimmte Vermögenskomponenten ausgeschlossen, insbesondere das ‚Sozialvermögen’ in Form von Ansprüchen an die sozialen Sicherungssysteme, also vor allem die quantitativ bedeutsamen Anwartschaften an die Alterssicherungssysteme der Gesetzlichen Rentenversicherung, der Beamtenversorgung oder der betrieblichen Altersversorgung. Berücksichtigt man diese Vermögen durch Kapitalisierung der Versorgungsansprüche, <strong>reduziert sich die Vermögensungleichheit in Deutschland massiv</strong> – der Gini-Koeffizient sinkt um 24 Prozent.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit mehr als zehn Jahren gibt es immer wieder Hinweise darauf, dass die Rentenvermögen die Vermögensverteilung deutlich verändern: „massive Dämpfung der Ungleichheit”, „marked reduction of the Gini coefficient”, „erhebliche Reduktion der gemessenen Vermögensungleichheit”, „reduziert sich die Vermögensungleichheit in Deutschland massiv”. Es wäre wünschenswert, wenn sich diese Erkenntnisse auf breiter Front durchsetzten und bei der Beschreibung der Vermögensverteilung und Vermögensungleichheit in Deutschland die Rentenvermögen grundsätzlich berücksichtigt würden.</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/rentenvermoegen-reduzieren-vermoegensungleichheit/">Rentenvermögen reduzieren Vermögensungleichheit</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a> und wurde geschrieben von <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/author/nicolaihammersen/">Dr. Nicolai Hammersen</a>.</p>
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		<title>Vermögen der privaten Haushalte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. Nicolai Hammersen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Oct 2023 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Studien]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Bundesbank]]></category>
		<category><![CDATA[PHF]]></category>
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<a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven - Journal für die Diskussion der gesellschaftlichen Aspekte von Vermögen.</a></p>
<p>Laut der jüngsten Bundesbank-Studie „Private Haushalte und ihre Finanzen” (PHF) sind die Vermögen der privaten Haushalte in Deutschland in der Dekade von 2010/11 (erste Befragung) bis 2021 (letzte Befragung) deutlich angestiegen. Insbesondere bei Haushalten mit geringem Vermögen habe es relativ [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegen-der-privaten-haushalte/">Vermögen der privaten Haushalte</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a> und wurde geschrieben von <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/author/nicolaihammersen/">Dr. Nicolai Hammersen</a>.</p>
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<a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven - Journal für die Diskussion der gesellschaftlichen Aspekte von Vermögen.</a></p>

<p class="wp-block-paragraph">Laut der jüngsten <a href="https://www.bundesbank.de/resource/blob/908138/5fa52fcaa9ad19972391d3c8c1bb82ce/mL/2023-04-vermoegensbefragung-data.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bundesbank-Studie „Private Haushalte und ihre Finanzen” (PHF)</a> sind die Vermögen der privaten Haushalte in Deutschland in der Dekade von 2010/11 (erste Befragung) bis 2021 (letzte Befragung) deutlich angestiegen. Insbesondere bei Haushalten mit geringem Vermögen habe es relativ zum bisher vorhandenen Vermögen starke Zuwächse gegeben, heißt es im Monatsbericht der Bundesbank. Die Ungleichheit hinsichtlich des Nettovermögens habe sich auch deshalb zwischen 2017 und 2021 leicht reduziert. Der Rückgang der Ungleichheit habe sich schon zwischen 2014 und 2017 angedeutet. Im europäischen Vergleich bleibe das Nettovermögen aber immer noch ungleich verteilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Struktur des Vermögens und der Verschuldung entlang der Vermögensverteilung habe sich kaum verändert. Nach wie vor seien Immobilien- und Unternehmensbesitz stark mit hohen Vermögen korreliert. Dagegen bestehe das Vermögen der vermögensärmeren Haushalte primär aus Guthaben auf Sparkonten und anderen risikoarmen Anlageformen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Befragung der Bundesbank ermöglicht ein umfassendes Bild zum Vermögen und zur Verschuldung der Haushalte in Deutschland. Die Studie befasst sich mit der finanziellen Struktur, dem Spar- und dem Ausgabeverhalten privater Haushalte. Die Wissenschaftler beschäftigen sich beispielsweise mit folgenden Fragen: Wie viel Geld steht den Haushalten zur Verfügung? Wie legen sie dieses Geld an? Was können sie für Miete, Lebensmittel und Kleidung ausgeben? Wie hoch ist ihre finanzielle Belastung durch Kredite? Die Befragung findet seit dem Jahr 2010 etwa alle drei Jahre statt. Die vierte PHF-Befragung war ursprünglich für 2020 vorgesehen und wurde pandemiebedingt auf 2021 verschoben. Über 4000 Haushalte beteiligten sich an der Befragung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entwicklung der Vermögen der privaten Haushalte</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das durchschnittliche Vermögen der privaten Haushalte wuchs im Zeitraum von 2010/11 bis 2021 von 195.200 auf 316.500 Euro, das ist ein Plus von 62 Prozent. Allein zwischen 2017 und 2021 hätten sich die durchschnittlichen Vermögen um rund 83.600 Euro (plus 36 Prozent) erhöht, schreibt die Bundesbank. Das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mittleres_Vermögen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Medianvermögen</a>, das die Haushalte in eine reichere und eine ärmere Hälfte teilt, sei ebenfalls deutlich gestiegen, und zwar um 50 Prozent von 70.800 Euro Jahr 2017 auf 106.600 Euro im Jahr 2021. Betrachte man den gesamten Untersuchungszeitraum der PHF-Studien sei sogar ein Zuwachs um 107 Prozent von 51.400 auf 106.600 Euro zu verzeichnen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img decoding="async" width="1024" height="577" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/11/Bundesbank_Nettovermoegen-1024x577.jpg" alt="Vermögen der privaten Haushalte: Nettovermögen (Mittelwert und Median)" class="wp-image-2652" style="aspect-ratio:1.7746967071057191;width:910px;height:auto" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/11/Bundesbank_Nettovermoegen-1024x577.jpg 1024w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/11/Bundesbank_Nettovermoegen-300x169.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/11/Bundesbank_Nettovermoegen-768x432.jpg 768w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/11/Bundesbank_Nettovermoegen.jpg 1293w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Verteilung der Vermögen der privaten Haushalte</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den weiteren Aspekten, die die Bundesbank untersucht hat, gehört die Frage, wie Vermögen in Deutschland verteilt sind. Alles in allem sei die Vermögensverteilung etwas gleicher als in der Vergangenheit. Darauf deuteten verschiedene Indikatoren hin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So habe sich das Verhältnis von Mittelwert und Median zwischen 2017 und 2021 von 3,3 auf 3,0 reduziert, seit der ersten PHF-Studie von 3,8 auf 3,0.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein klassisches Verteilungsmaß ist der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gini-Koeffizient" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gini-Koeffizient</a>. Er nimmt Werte zwischen 0 und 1 bzw. zwischen 0 und 100 Prozent, wobei „0” jeweils vollständige Gleichverteilung bedeutet, während „1” bzw. „100 Prozent” maximale Ungleichheit anzeigt, d.h. das Vermögen gehört nur einem Haushalt. Der Gini-Koeffizient für die Vermögensverteilung in Deutschland ist von 2010/11 bis 2021 von 76 auf 73 Prozent zurückgegangen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="577" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/11/Bundesbank_Vermoegensverteilung-1024x577.jpg" alt="Vermögen der privaten Haushalte: Vermögensverteilung" class="wp-image-2654" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/11/Bundesbank_Vermoegensverteilung-1024x577.jpg 1024w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/11/Bundesbank_Vermoegensverteilung-300x169.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/11/Bundesbank_Vermoegensverteilung-768x432.jpg 768w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/11/Bundesbank_Vermoegensverteilung.jpg 1293w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Darstellung der Vermögensverteilung wird häufig auch der Anteil der vermögenderen Haushalte („oberste zehn Prozent”) am Gesamtvermögen hinzugezogen. 2021 besaßen die zehn Prozent vermögendsten Haushalte in Deutschland 56 Prozent des Gesamtvermögens; gegenüber 2017 hat sich dieser Wert kaum verändert (55 Prozent). 2010/11 lag der Anteil der vermögendsten zehn Prozent noch bei 59 Prozent, 2014 bei 60 Prozent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz gleich welchen Indikator man bei der Betrachtung der Vermögensverteilung und der Vermögensungleichheit in Deutschland heranzieht — ein wichtiger Aspekt bleibt regelmäßig außen vor: die Altersvorsorgevermögen. Die Bundesbank schreibt in ihrer PHF-Studie zu diesem Thema:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nicht eingerechnet werden etwaige in der Zukunft liegende Ansprüche auf eine gesetzliche Rente oder Pension. Aufgrund des in Deutschland existierenden Umlageverfahrens handelt es sich nur um Ansprüche, jedoch nicht um angespartes Vermögen. Mit einer Reihe von Annahmen über die Lebenserwartung, die Zinsentwicklung und das Renteneintrittsalter wäre es aber möglich, die künftigen Ansprüche für einzelne Arten von gesetzlicher Altersvorsorge in Vermögen umzurechnen (zu kapitalisieren). Derartige Simulationsrechnungen zeigen, dass die Vermögensungleichheit für das Vermögen inklusive der gesetzlichen Altersvorsorge geringer ist als ohne Einbeziehung.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu ist festzuhalten: Es liegen mehrere Studien aus den Jahren 2016 bis 2021 (<a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-weniger-ungleich/">DIW, Ifo-Institut</a>, <a href="https://vermoegensperspektiven.de/rentenansprueche-reduzieren-vermoegensungleichheit/">Institut der deutschen Wirtschaft</a>) dazu vor, wie sich die Vermögensäquivalente aus den Ansprüchen an die Altersvorsorgesysteme auf die Vermögensverteilung auswirken. Sie alle kommen zu dem gleichen Ergebnis: Die Berücksichtigung der Altersvorsorgevermögen reduziert die Vermögensungleichheit deutlich. <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-schief-dargestellt/">Je nach Studie sinkt der Gini-Koeffizient für die Vermögensverteilung um 22 bis 33 Prozent.</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch der Anteil der vermögendsten zehn Prozent am Nettovermögen sinkt deutlich, werden die Ansprüche an die sozialen Sicherungssysteme durch Kapitalisierung der Versorgungsansprüche berücksichtigt. Unter Berücksichtigung der Pensions- und Rentenansprüche sinkt dieser Anteil auf 32 Prozent. Auch dies zeigt die gleichheitsfördernde Wirkung der Altersvorsorgevermögen auf die Vermögensverteilung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne Berücksichtigung der Altersvorsorgevermögen ist gleichwohl der Bewertung der Bundesbank zuzustimmen, wonach die Vermögensungleichheit im europäischen Vergleich — trotz des leichten Rückgangs (s. Abbildung oben) — relativ hoch ist. So habe das Verhältnis zwischen Mittelwert und Median in Italien, Spanien und Portugal 2020 jeweils bei gut 2 gelegen (in Deutschland bei 3). Auch wiesen die genannten Länder niedrigere Gini-Koeffizienten auf: Italien 68 Prozent und Portugal 66 Prozent. Die deutlich geringeren Gini-Koeffizienten für die Länder Südeuropas (das trifft auch auf Spanien und Griechenland zu) sind auf die signifikant höheren Wohneigentumsquoten zurückzuführen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vermögen der privaten Haushalte bei Wohneigentümern und Mietern</h3>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://vermoegensperspektiven.de/wohneigentumsquote-und-ungleichheit/">Eine höhere Wohneigentumsquote sorgt aber nicht nur für eine ausgeglichenere Vermögensverteilung.</a> Die Bundesbank-Studie zum Vermögen der privaten Haushalte zeigt sehr deutlich, dass neben Unternehmensbesitz auch Immobilienbesitz ein guter Indikator für die Höhe des Vermögens ist. Die folgende Abbildung macht dies deutlich.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="577" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/11/Bundesbank_Vermoegensposition-Mieter-vs-Eigentuemer-1024x577.jpg" alt="Vermögens der privaten Haushalte: Vergleich Wohneigentümer vs Mieter" class="wp-image-2656" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/11/Bundesbank_Vermoegensposition-Mieter-vs-Eigentuemer-1024x577.jpg 1024w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/11/Bundesbank_Vermoegensposition-Mieter-vs-Eigentuemer-300x169.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/11/Bundesbank_Vermoegensposition-Mieter-vs-Eigentuemer-768x432.jpg 768w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/11/Bundesbank_Vermoegensposition-Mieter-vs-Eigentuemer.jpg 1293w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das Nettovermögen der Haushalte mit Wohneigentum liegt — ganz gleich ob ohne oder mit Hypothek — sehr deutlich über dem Vermögen von Mieterhaushalten. Das gilt sowohl für das Durchschnittsvermögen wie für das Medianvermögen. Betrachtet man nur das Finanzvermögen, ergibt sich dasselbe Bild. Auch hier liegen der Mittelwert und der Median bei Wohneigentümern mit und ohne Hypothek deutlich über den Mieterhaushalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einmal mehr sind diese Erkenntnisse ein Beleg dafür, wie wichtig Wohneigentum für die <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensbildung-fuer-jedermann/">Vermögensbildung</a> ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Apropos Vermögensbildung: Positiv zu vermerken ist, dass die Haushalte zwischen 2017 und 2021 vermehrt in Aktien und Fonds investierten. Der Anteil der Haushalte mit Aktienbesitz stieg von elf Prozent im Jahr 2017 auf 15 Prozent im Jahr 2021, der mit Fondsbesitz von 16 auf 21 Prozent. Auch jüngere Haushalte legten vermehrt in Fonds und Aktien an. Die hohen Aktienrenditen im Zeitraum 2017 bis 2021 und die im Zuge der Corona-Pandemie entstandenen zusätzlichen Ersparnisse könnten ein Grund für das verstärkte Interesse an Anlagen am Aktienmarkt sein, so die Bundesbank.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und nun das „Aber”: „Nach wie vor scheinen die Haushalte in Deutschland in der Breite aber eine Präferenz für liquide und eher risikoarme Investitionen zu haben”, schreibt die Bundesbank. Dies zeige der kaum veränderte Anteil an Haushalten mit Sparkonten, die trotz der langen und bis Mitte 2022 andauernden Phase niedriger Zinsen immer noch von 71 Prozent der Haushalte in Deutschland gehalten würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass das ist ein Irrweg ist — und wie man es (auch mit geringeren Beträgen) besser machen kann — zeigt unser Beitrag <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensbildung-fuer-jedermann/">„Vermögensbildung für jedermann”</a>.</p>
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		<title>Persönlichkeitsmerkmale der Reichen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. Nicolai Hammersen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Aug 2023 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Studien]]></category>
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		<category><![CDATA[Persönlichkeitsmerkmale der Reichen]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie der Reichen]]></category>
		<category><![CDATA[Robert H. Frank]]></category>
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<p>Die Fragen, ob und gegebenenfalls wie und warum sich die Persönlichkeitsmerkmale der Reichen von denen anderen Menschen unterscheiden, ist immer mal wieder Gegenstand psychologischer Betrachtungen. Auch in der Literatur hat es sie gegeben. „Let me tell you about the very [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Fragen, ob und gegebenenfalls wie und warum sich die Persönlichkeitsmerkmale der Reichen von denen anderen Menschen unterscheiden, ist immer mal wieder Gegenstand psychologischer Betrachtungen. Auch in der Literatur hat es sie gegeben. „Let me tell you about the very rich. They are different from you and me.” So beginnt die Geschichte „<a href="http://gutenberg.net.au/fsf/THE-RICH-BOY.html" data-type="link" data-id="http://gutenberg.net.au/fsf/THE-RICH-BOY.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The Rich Boy</a>” von F. Scott Fitzgerald aus dem Jahr 1926. Zehn Jahre später sagte Hemingway beim Mittagessen mit seinem und Fitzgeralds Verleger Max Perkins und der Kritikerin Mary Colum: „Ich lerne die Reichen kennen.” Darauf erwiderte Colum: „Der einzige Unterschied zwischen den Reichen und anderen Menschen ist, dass die Reichen mehr Geld haben.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Colums Bemerkung griff Hemingway in einer seiner bekanntesten Geschichten auf, wobei er sich selbst durch Fitzgerald ersetzte. Die Hauptfigur in „<a href="http://xroads.virginia.edu/~DRBR/heming.html" data-type="link" data-id="http://xroads.virginia.edu/~DRBR/heming.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The Snows of Kilimanjaro</a>” (1938) erinnert sich an „den armen Scott Fitzgerald und seine romantische Ehrfurcht vor [den Reichen] und wie er einmal eine Geschichte begonnen hatte, die mit den Worten begann: ‚Die sehr Reichen sind anders als du und ich.’ Und wie jemand zu Scott gesagt hatte, ja, sie haben mehr Geld.” (New York Times, 13.11.1988)</p>



<p class="wp-block-paragraph">War es das schon? Unterscheiden sich die sehr Reichen von allen anderen allein dadurch, dass sie per definitionem viel mehr Geld haben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">So viel können wir vorwegnehmen: Es ist nicht allein „mehr Geld”, das die Reichen von anderen unterscheidet. Laut der im vergangenen Jahr von Forschern des <a href="https://www.diw.de/de/diw_01.c.412809.de/sozio-oekonomisches_panel__soep.html" target="_blank" rel="noopener">Sozio-oekonomischen Panels (SOEP</a><a href="https://www.diw.de/de/diw_01.c.412809.de/sozio-oekonomisches_panel__soep.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">)</a> am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und der Universität Münster vorgelegten Studie „<a href="https://www.nature.com/articles/s41599-022-01099-3" target="_blank" rel="noopener">The personality traits of self-made and inherited millionaire</a><a href="https://www.nature.com/articles/s41599-022-01099-3" target="_blank" rel="noreferrer noopener">s</a>” sind Millionäre risikotoleranter, emotional stabiler, offener, extrovertierter und gewissenhafter als die Allgemeinbevölkerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Umstrittener als die Frage, wie sich die Persönlichkeitsmerkmale der Reichen von anderen unterscheiden, sei die Frage, warum dies der Fall sein könnte, so die Studienautoren. Über die Untersuchung der Persönlichkeitsmerkmale hinaus fragen sie danach, ob die besondere Persönlichkeit der Reichen eine Folge ihres Reichtums ist, oder ein Faktor, der zu ihrem Reichtum beiträgt. Derzeit sei nicht bekannt, ob das Erben von Geld und das Aufwachsen in Reichtum zur Entwicklung eines prototypischen „reichen” Persönlichkeitsprofils führe, oder ob ein bestimmtes Persönlichkeitsprofil den wirtschaftlichen Erfolg aus eigener Kraft fördere.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der von <a href="https://www.uni-muenster.de/PsyIFP/AEBack/members/mitja-back.html" target="_blank" rel="noopener">Mitja D. Bac</a><a href="https://www.uni-muenster.de/PsyIFP/AEBack/members/mitja-back.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">k</a> (Universität Münster) und <a href="https://www.wiwiss.fu-berlin.de/fachbereich/vwl/schroeder/index.html" target="_blank" rel="noopener">Carsten Schröde</a><a href="https://www.wiwiss.fu-berlin.de/fachbereich/vwl/schroeder/index.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">r</a> (FU Berlin, DIW) geleiteten Studie ist das „reiche” Persönlichkeitsprofil bei Personen, die ihren Reichtum durch eigene Anstrengungen erworben hatten („Selbstmacher”), stärker ausgeprägt als bei Personen, die in den Reichtum hineingeboren worden waren („<a href="https://vermoegensperspektiven.de/erben-und-erbschaftsteuer-teil-1/">Erben</a>”). Die Studienergebnisse deuten also auf eine einzigartige Konfiguration von Persönlichkeitsmerkmalen hin, die zum wirtschaftlichen Erfolg von Selfmade-Millionären beitragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Demnach sind spezifische Persönlichkeitsmerkmale der Reichen eher keine Folge ihres Reichtums, sondern vielmehr ein Faktor, der ihren Reichtum begünstigt. Genauer gesagt: Ein bestimmtes Persönlichkeitsprofil fördert den wirtschaftlichen Erfolg aus eigener Kraft. Ein Vermögen zu erben und in Reichtum aufzuwachsen führt dagegen nicht zwangsläufig zur Entwicklung eines prototypischen „reichen” Persönlichkeitsprofils.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Persönlichkeitsmerkmale der Reichen: Wer und was wurde untersucht?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Studienautoren haben zwei große Stichproben verwendet: die Allgemeinbevölkerung (N = 23.721) und reiche Personen mit einem individuellen Nettovermögen von mindestens einer Million Euro; dies umfasst die obersten 1,6 Prozent der Vermögensverteilung in Deutschland (N = 1.125). Innerhalb dieser Stichprobe haben 190 Personen ein Nettovermögen von mindestens fünf Millionen Euro und 61 von mindestens zehn Millionen Euro. Die reichsten fünf Befragten haben ein Nettovermögen zwischen 100 und 131 Millionen Euro.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Studie will zwei Fragen beantworten: Zum einen geht es darum, wie sich die Allgemeinbevölkerung und die Reichen in ihren Persönlichkeitsprofilen unterscheiden; zum anderen wird untersucht, worauf diese Unterschiede zurückzuführen sind. Dazu werden zwei mögliche Erklärungen betrachtet:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale der Reichen sind darauf zurückzuführen, dass die Personen bereits in den Reichtum hineingeboren wurden. In vermögenden Umständen aufzuwachsen prägt also die eigene Persönlichkeit, sie ist eine Folge des (vorhandenen) Reichtums.</li>



<li>Die Persönlichkeitsmerkmale der Reichen begünstigen ihren wirtschaftlichen Erfolg und tragen dazu bei, ein Vermögen aus eigener Kraft aufzubauen. In diesem Fall ist die eigene Persönlichkeit eine Ursache für selbst geschaffenen Reichtum.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Konstruktion eines prototypischen Persönlichkeitsprofils der Reichen haben Back/Schröder et al. zunächst auf die <a href="https://doi.org/10.1037/0003-066X.52.5.509" target="_blank" rel="noopener">Big Five-Persönlichkeitsmerkmale (Fünf-Faktoren-Modell, FFM) von Paul T. Costa und Robert R. McCra</a><a href="https://doi.org/10.1037/0003-066X.52.5.509" target="_blank" rel="noreferrer noopener">e</a> zurückgegriffen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><em>Neurotizismus</em>, die Tendenz, besorgt/nervös zu sein; Neigung, ängstlich oder pessimistisch zu sein und sich häufig Sorgen zu machen, was schief gehen könnte.</li>



<li><em>Extraversion</em>, die Tendenz, aktiv/gesellig zu sein; redselig, unternehmungslustig, energiegeladen, mutig.</li>



<li><em>Offenheit </em>für Erfahrungen, die Tendenz, erfinderisch/neugierig/fantasievoll zu sein; die Fähigkeit, Erfahrungen zu machen, sowie Kreativität und Erfindungsreichtum.</li>



<li><em>Verträglichkeit </em>(agreeableness), die Tendenz, freundlich/mitfühlend zu sein; die Neigung, anderen zu vertrauen und mit ihnen zusammenzuarbeiten.</li>



<li><em>Gewissenhaftigkeit </em>(conscientiousness), die Tendenz, organisiert und beständig/ausdauernd, pflichtbewusst und gründlich zu sein. Mit dem Begriff Gewissenhaftigkeit werden aber auch Fleiß, Disziplin, Ehrgeiz und Ausdauer assoziiert.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Rainer Zitelmann hat in seinem Buch „<a href="https://psychologie-der-superreichen.de" target="_blank" rel="noopener">Psychologie der Superreiche</a><a href="https://psychologie-der-superreichen.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">n</a>” (München 2017) ergänzend angemerkt, es gebe immer wieder Hinweise darauf, „<em>Risikobereitschaft</em>” müsse als sechster Basisfaktor für die Persönlichkeit berücksichtigt werden. So hält es auch die hier besprochene Studie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Konstruktion des prototypischen Persönlichkeitsprofils der Reichen in Bezug auf die Big Five und die Risikobereitschaft werde durch frühere Forschungsergebnisse untermauert, schreiben die Autoren. Danach wiesen wohlhabende Personen höhere Werte bei Extraversion, Gewissenhaftigkeit, Offenheit und Narzissmus sowie niedrigere Werte bei Neurotizismus und Verträglichkeit auf. Auch gebe es Hinweise darauf, dass Risikobereitschaft mit Wohlstand und Haushaltseinkommen zusammenhänge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus sei Narzissmus eine der Eigenschaften, die bei wohlhabenden Personen etwas stärker ausgeprägt sei, verbunden mit einer erhöhten Risikobereitschaft. Schließlich besitze eine beträchtliche Anzahl wohlhabender Personen Unternehmen, und Unternehmertum werde mit einem Persönlichkeitsprofil assoziiert, das hohe Werte „‚in Extraversion, Gewissenhaftigkeit und Offenheit’” und niedrige Werte von „‚Verträglichkeit und Neurotizismus’” aufweise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es könne also davon ausgegangen werden, dass das prototypische Profil reicher Personen aus den höchstmöglichen Werten für Extraversion, Offenheit, Gewissenhaftigkeit und Risikobereitschaft sowie aus den niedrigstmöglichen Werten für Neurotizismus und Verträglichkeit bestehe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Persönlichkeitsmerkmale der Reichen: Was sind die Ergebnisse?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ergebnisse zu den beiden forschungsleitenden Fragen lassen sich wie folgt zusammenfassen:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>(1) Wie unterscheiden sich die Allgemeinbevölkerung und die Reichen in ihren Persönlichkeitsprofilen?</em><br>Der Vergleich von Personen aus der reichen und der nicht reichen Bevölkerung in Bezug auf jede der sechs Persönlichkeitseigenschaften (Big Five und Risikobereitschaft) zeige: Die Reichen seien wesentlich risikotoleranter, offener, extravertierter und gewissenhafter als die Allgemeinbevölkerung, aber weniger neurotisch und weniger verträglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>(2) Sind diese Unterschiede darauf zurückzuführen, dass die Personen in den Reichtum hineingeboren wurden oder den Reichtum selbst erworben haben?</em><br>Zunächst einmal hätten bei den Reichen alle Untergruppen dem durchschnittlichen Profil der Reichen entsprochen, allerdings in unterschiedlichem Maße. Selfmade-Millionäre und Millionäre, die ihr Vermögen geerbt haben, unterschieden sich in ihrem Persönlichkeitsprofil: Selfmades zeigten die höchsten Werte für Risikotoleranz, Offenheit, Extraversion und Gewissenhaftigkeit und die niedrigsten für Neurotizismus. Erben wiesen die niedrigsten Werte für Risikotoleranz, Offenheit, Extraversion und Gewissenhaftigkeit und die höchsten für Neurotizismus auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allem Anschein nach gibt es auch einen Zusammenhang zwischen Risikobereitschaft und der Höhe des Vermögens. Je reicher die Selfmade-Millionäre waren, desto mehr ähnelten sie dem prototypischen Profil, ein Ergebnis, das insbesondere durch ihre höhere Risikotoleranz bedingt sei, so die Studie. Mit anderen Worten: Je mehr die Personen eine risikotolerante Selfmade-Persönlichkeit hatten, desto höher war ihr Vermögen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass das Persönlichkeitsprofil reicher Selfmademen in erster Linie für die Persönlichkeitsunterschiede zwischen Reichen und Nicht-Reichen verantwortlich sei. In jedem der Einzelmerkmale unterschieden sie sich von reichen Erben. Umgekehrt entsprachen die reichen Erben am wenigsten dem prototypischen Profil der Reichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Erkenntnisse aus der Studie legten darüber hinaus die Theorie nahe, dass das Persönlichkeitsprofil von Millionären daraus resultiere, dass Personen mit dem Eigenschaftsprofil von Selfmade-Millionären (insbesondere Personen, bei denen dieses Profil stärker ausgeprägt ist) eine höhere Chance hätten, reich zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Persönlichkeit könne also eine „treibende Kraft bei der Anhäufung von Reichtum” sein — und nicht nur eine Folge davon. Wer dagegen in Reichtum geboren werde, entwickele nicht automatisch ein Persönlichkeitsprofil, wie es für Reiche prototypisch sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun ist es nicht so, dass dieses „reiche” Persönlichkeitsprofil automatisch zu einem großen Vermögen führt. Viele andere Faktoren trügen zur Position eines Individuums in der Vermögensverteilung bei, wie beispielsweise das Anfangskapital, die Bildung und die Fähigkeiten, so die Studie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles sicher weitere Faktoren, die den Erwerb eines Vermögens begünstigen. Ein Faktor wird aber nicht erwähnt: Glück.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Erfolg und Glück</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In einer Besprechung der Untersuchung von Back/Schröder et al. <a href="https://neuroscienceschool.com/2022/05/06/is-wealth-due-to-ones-personality-traits" target="_blank" rel="noopener">schreibt die Psychologin und Neurowissenschaftlerin Irena O’Brien auf der Webseite „The Neuroscience School</a><a href="https://neuroscienceschool.com/2022/05/06/is-wealth-due-to-ones-personality-traits" target="_blank" rel="noreferrer noopener">”</a> unter Bezugnahme auf einen <a href="https://thecorrespondent.com/651/successful-people-rarely-admit-how-lucky-they-were-heres-why-they-should/787166057601-bb83c6b9" target="_blank" rel="noopener">Beitrag von Michiel de Hoo</a><a href="https://thecorrespondent.com/651/successful-people-rarely-admit-how-lucky-they-were-heres-why-they-should/787166057601-bb83c6b9" target="_blank" rel="noreferrer noopener">g</a>: „Self-made men and women are largely a myth. The best candidate only wins in a small number of cases. In a hyper-competitive economy, chance determines who wins more often than not, and more so than in the past.” Und weiter: „There is more to creating wealth than personality traits. I think we can all agree that success is the sum of talent, hard work, and luck.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn viele talentierte, hart arbeitende Menschen um den Erfolg konkurrieren müssten, sei der Qualitätsunterschied zwischen den Besten der Besten nur minimal; ein hochqualifizierter Teilnehmer mit ähnlichen Eigenschaften wie die reichen Individuen und mit ein bisschen Pech werde gegen einen etwas weniger qualifizierten Teilnehmer verlieren, der mehr Glück habe, so O’Brien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das lässt sich empirisch belegen. Der Wirtschaftswissenschaftler <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_H._Frank" target="_blank" rel="noopener">Robert H. Fran</a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_H._Frank" target="_blank" rel="noreferrer noopener">k</a> hat 2016 in einer Simulation einen Basisfall mit 100.000 Teilnehmern untersucht, bei dem das Glück nur zwei Prozent der Gesamtleistung ausmacht. Die verbleibenden 98 Prozent entfallen zu gleichen Teilen auf Fähigkeit und Anstrengung. Die Fähigkeits-, Anstrengungs- und Glückswerte jedes Teilnehmers sind unabhängig voneinander gezogene Zufallszahlen, die mit gleicher Wahrscheinlichkeit irgendwo zwischen 0 und 100 liegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der durchschnittliche Glückswert der Gewinner dieser Simulation liegt laut Frank bei 90,23, und 78,1 Prozent der Gewinner (s. folgende Abb.) hatten nicht die höchste Summe aus Talent- und Anstrengungswerten. In den meisten dieser Fälle habe es mehrere andere mit höheren kombinierten Talent- und Anstrengungswerten als der des Gewinners gegeben (vgl. <a href="https://press.princeton.edu/books/hardcover/9780691167404/success-and-luck" target="_blank" rel="noopener">Robert H. Frank: Success and Luck. Good Fortune and the Myth of Meritocracy, Princeton 201</a><a href="https://press.princeton.edu/books/hardcover/9780691167404/success-and-luck" target="_blank" rel="noreferrer noopener">6</a>, S. 65f.).</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/08/Robert-H.-Frank_Abb.-aus-Success-and-Luck-1024x748.png" alt="Persönlichkeitsmerkmale der Reichen: Wer mehr Glück hat, gewinnt." class="wp-image-2571" style="width:901px;height:658px" width="901" height="658" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/08/Robert-H.-Frank_Abb.-aus-Success-and-Luck-1024x748.png 1024w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/08/Robert-H.-Frank_Abb.-aus-Success-and-Luck-300x219.png 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/08/Robert-H.-Frank_Abb.-aus-Success-and-Luck-768x561.png 768w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/08/Robert-H.-Frank_Abb.-aus-Success-and-Luck-1536x1122.png 1536w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/08/Robert-H.-Frank_Abb.-aus-Success-and-Luck.png 1920w" sizes="(max-width: 901px) 100vw, 901px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst wenn also das Glück nur einen winzigen Teil der Gesamtleistung ausmache, werde der Gewinner eines großen Wettbewerbs selten der Teilnehmer mit den höchsten Werten für Fähigkeit und Anstrengung sein, sondern in der Regel einer der glücklichsten, so Frank. Anders ausgedrückt: Der talentierteste und fleißigste aller Teilnehmer werde in der Regel von einem Konkurrenten überflügelt, der fast genauso talentiert und fleißig sei, aber einfach mehr Glück habe (vgl. a.a.O., S. 11, 66, 156)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erhöht man den Anteil des Faktor „Glück” auf (realistischere) zehn Prozent, so dass das Ergebnis zu 90 Prozent auf Fähigkeit und harte Arbeit zurückzuführen ist, schwinden die Chancen der besten Kandidaten, das Rennen zu gewinnen, weiter. Wie die obige Abbildung zeigt, wird in einem Pool von 1.000 / 10.000 / 100.000 Teilnehmern der beste Kandidat, also der mit den höchsten Werten für „Fähigkeit” und „Anstrengung”, in 69 Prozent / 83,1 Prozent / 92,3 Prozent der Fälle NICHT gewinnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Erkenntnis, dass scheinbar triviale Zufallsereignisse oft eine enorme Rolle spielten, bedeute nicht, dass Erfolg im Leben unabhängig von Talent und Anstrengung sei, so Frank. Menschen, die materiellen Erfolg im großen Stil hätten, seien fast immer sowohl hochbegabt als auch extrem fleißig, genau wie es der Humankapitalansatz nahelege. Aber die Simulationen machten auch deutlich, warum so viele extrem talentierte und fleißige Menschen kein nennenswertes Maß an materiellem Erfolg erreichten, wie es der Humankapitalansatz nicht tue. Viele von ihnen hätten einfach weniger Glück als die Gewinner. Auch Zufälle spielten also eine Rolle. Materieller Erfolg sei in vielen Bereichen ohne ein erhebliches Maß an Glück fast unmöglich (vgl. a.a.O., S. 39, 66).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst wenn also ein bestimmtes Persönlichkeitsprofil eine treibende Kraft bei der Anhäufung von Reichtum sein kann — nicht zuletzt muss das „Quäntchen Glück” hinzukommen.</p>
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		<title>Die Oxfam-Obsession</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. Nicolai Hammersen]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Feb 2023 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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<a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven - Journal für die Diskussion der gesellschaftlichen Aspekte von Vermögen.</a></p>
<p>Alle Jahre wieder dasselbe Ritual: Anlässlich des World Economic Forum (WEF) in Davos veröffentlicht die Entwicklungsorganisation Oxfam ihren „Ungleichheitsbericht”. Nach unseren Recherchen geschieht das in dieser Form seit 2014. Vereinfacht lässt sich die Kernbotschaft dieser Berichte mit „Die Reichen werden [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Alle Jahre wieder dasselbe Ritual: Anlässlich des World Economic Forum (WEF) in Davos veröffentlicht die Entwicklungsorganisation Oxfam ihren „Ungleichheitsbericht”. Nach unseren Recherchen geschieht das in dieser Form seit 2014. Vereinfacht lässt sich die Kernbotschaft dieser Berichte mit „Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer” zusammenfassen. Für Oxfam ist die Lösung für diese von ihr diagnostizierte Entwicklung klar: deutlich mehr Umverteilung durch Vermögensteuern, Erbschaftsteuern etc. Die mediale Berichterstattung zu den Oxfam-Berichten folgt Jahr für Jahr auf dem Fuße. Illustriert werden die Artikel üblicherweise mit Bildern großer Yachten, die in irgendeinem Hafen auf ihre „superreichen” Besitzer warten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das „Wörterbuch der Soziologie” von Hartfiel/Hillmann (3. Aufl. 1982) definiert „Ritual” wie folgt: „‚Übung’, ‚Brauchtum’, expressiv betonte Haltung mit großer Regelmäßigkeit des Auftretens in gleicher Situation u. mit gleichem Ablauf. R.e sind zumeist traditionell ‚festgefahren’. Beim Auftreten oder bei der Annäherung entspr. Situationen tendieren die Verhaltenspartner spontan bzw. ohne bes. Entscheidung u. ohne Nachdenken über Funktion u. damit ‚Sinn’ ihres Tuns zum R.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine sehr treffende Beschreibung für das, was alljährlich im Januar mit dem „Ungleichheitsbericht” von Oxfam abläuft. Dabei ist es nicht so, dass es über Ungleichheit und Verteilung nichts zu diskutieren gäbe. Im Gegenteil. Nur zeigt die Art und Weise, wie Oxfam das Thema behandelt, „zunehmend obsessive Züge”, <a href="https://www.nzz.ch/meinung/oxfam-studie-beschaeftigung-mit-reichsten-zeigt-obsessive-zuege-ld.1721461" target="_blank" rel="noreferrer noopener">wie Christoph Eisenring in seinem Kommentar in der <em>NZZ </em>anlässlich der Vorlage des jüngsten Oxfam-Berichts angemerkt hat</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Tour d’Horizon durch die Berichte der letzten zehn Jahre zeigt dies.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Oxfam-Berichte 2014-2023</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Schon <a href="https://www-cdn.oxfam.org/s3fs-public/file_attachments/bp-working-for-few-political-capture-economic-inequality-200114-en_3.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>2014</strong> spricht Oxfam</a> von einer „growing tide of inequality” und „extreme economic inequality” sowie von „extreme levels of wealth concentration”. Zu den Empfehlungen an das WEF gehört unter anderem „(to) support progressive taxation on wealth and income”. Außerdem sei die Eindämmung der „power of the rich to influence political processes and policies that best suit their interests” erforderlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Global wealth is becoming increasing concentrated among a small wealthy elite”, heißt es in dem <a href="https://www-cdn.oxfam.org/s3fs-public/file_attachments/ib-wealth-having-all-wanting-more-190115-en.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Oxfam-Bericht im Januar <strong>2015</strong></a>. Hier taucht auch die Berechnung auf, nach der die 80 reichsten Personen der Welt genauso viel Vermögen besitzen, wie die untere Hälfte der Weltbevölkerung. Auch wenn der 2015er-Bericht von einer „inequality explosion” und „extreme inequality” spricht, ist der Ton (ähnlich wie 2014) insgesamt noch moderat. Für eine gerechte Verteilung der Steuerlast, um gleiche Ausgangsbedingungen zu schaffen, fordert Oxfam: „shifting the tax burden away from labour and consumption and towards wealth, capital and income from these assets; (…) national wealth taxes and exploration of a global wealth tax”. Das ist aber nur eine von insgesamt neun Forderungen zur Bekämpfung der Ungleichheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2016</strong> gibt es erstmals eine deutsche Kurzfassung des umfangreicheren englischen Berichts. Sie trägt den Titel <a href="https://www.oxfam.de/system/files/20170116-oxfam-factsheet-wirtschaftssystem-fuer-alle.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Ein Wirtschaftssystem für die Superreichen. Wie ein unfaires Steuersystem und Steueroasen die soziale Ungleichheit verschärfen”</a>. Die Spirale der wachsenden sozialen Ungleichheit drehe sich weiter, heißt es einleitend, und werde weltweit zu einem „immer größeren Problem”: Mittlerweile besitze ein Prozent der Weltbevölkerung mehr Vermögen als der Rest der Welt zusammen. Nur 62 Menschen besäßen genauso viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Ein wesentlicher Grund für die zunehmende Konzentration und Ungleichverteilung von Vermögen und Einkommen seien die hohen Renditen, die durch Kapitalanlagen erzielt würden und der geringe Lohnzuwachs bei Angestellten und Arbeitern. Oxfam fordert ein Ende der Steueroasen und mehr Steuergerechtigkeit. Hierzu müssten unter anderem „Vermögen, Kapitalgewinne und hohe Einkommen deutlich stärker besteuert werden”.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut dem Oxfam-Bericht von <strong>2017</strong> <a href="https://www.oxfam.de/system/files/20170116-oxfam-factsheet-wirtschaftssystem-fuer-alle.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Ein Wirtschaftssystem für alle. Auswege aus der Ungleichheitskrise”</a> besitzen inzwischen die acht reichsten Personen zusammenen genauso viel Vermögen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung (die Zahl wurde ein Jahr später aufgrund aktuellerer Daten auf 61 korrigiert, 2019 auf 49). Es gebe ein „ungekanntes Maß sozialer Ungleichheit”. Daher brauchten wir ein Wirtschaftsystem, „in dem Menschen wichtiger sind als Profite”, fordert Oxfam. Zu den Ursachen von Ungleicheit gehörten die „falschen” Annahmen, der Markt könne Probleme grundsätzlich besser lösen als der Staat und Wirtschaftswachstum solle das Hauptziel politischen Handelns sein. Diese Fehlannahmen hätten Anreize für eine Unternehmenspolitik mit „verheerenden Auswirkungen” gesetzt, darunter Shareholder-Value-Orientierung und „aggressive Steuervermeidung”. Neben fairen Löhnen und höheren Investitionen in Bildung, Gesundheit und soziale Sicherung fordert Oxfam Steuergerechtigkeit als weiteres Kernelement einer humaneren, soziale Ungleichheit reduzierenden Wirt­ schaftsordnung: „Multinationale Kon­zerne und reiche Einzelpersonen müssen sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen und ihren fairen Beitrag zum Gemeinwohl leisten.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die globale Ungleichheit spitzt sich zu”, schreibt Oxfam im Januar <strong>2018</strong> in seinem Bericht <a href="https://www.oxfam.de/system/files/factsheet_deutsch_-_der_preis_der_profite_-_zeit_die_ungleichheitskrise_zu_beenden.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Der Preis der Profite. Zeit, die Ungleichheitskrise zu beenden”</a>. 82 Prozent des globalen Vermögenswachstums seien 2017 an das reichste Prozent der Weltbevölkerung gegangen, während das Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltb­evölkerung stagniert habe. Das reichste Prozent der Weltbevölkerung besitze über die Hälfte des globalen Vermögens – mehr als die übrigen 99 Prozent zusammengenommen. Mehr und mehr wird die Ungleichheit laut Oxfam zu einem Geschlechterphänomen, denn: Die großen Gewinner seien „vorrangig Männer des globalen Nordens. Die Verliererinnen sind hauptsächlich Frauen, insbesondere im globalen Süden.” Zwar weist Oxfam darauf hin, dass die Einkommensungleichheit global gesehen abnimmt, insgesamt sei sie „jedoch nach wie vor extrem hoch”. Die Vermögensungleichheit habe sich auf globaler Ebene „drastisch verschärft”. Auch die nationale Vermögensungleichheit habe „vielerorts weiter zugenommen” (auch in Deutschland).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die strukturellen Ursachen für die wachsende Ungleichheit seien weltweit ähnlich: „Unser Wirtschaftssystem stellt die Profitinteressen einer kleinen Gruppe über das Wohl der großen Mehrheit.” Das zeige sich insbesondere an der Fixierung auf Aktiengewinne, an Steuervermeidung, einer „überzogenen Sparpolitik” und Privatisierungen sowie in der „Beschränkung der Rechte von Zivilgesellschaft” und Arbeitnehmern. Drei Politikfelder sind für Oxfam „zentral, um die weltweite Einkommens- und Vermögensungleichheit zu verringern: Änderungen in der Steuerpolitik (u.a. Trockenlegung der Steueroasen, Einführung einer Finanztransaktionssteuer), eine gerechte Einkommensp­olitik sowie Investitionen in öffentliche Bildungs- und Gesundheitssysteme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch laut dem Bericht von Januar <strong>2019</strong> <a href="https://www.oxfam.de/system/files/oxfam_factsheet_deutsch_im-oeffentlichen-interesse-ungleichheit-bekaempfen-in-soziale-gerechtigkeit-investieren.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Im öffentlichen Interesse. Ungleichheit bekämpfen, in soziale Gerechtigkeit investieren”</a> „boomt” Ungleichheit. In den zehn Jahren seit dem Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise seien die Vermögen der Reichsten drastisch gestiegen. Die Zahl der Milliardäre habe sich in dieser Zeit fast verdoppelt. „Dramatisch zurückgegangen” sei dagegen das Tempo, in dem „extreme Armut” reduziert worden sei: Es habe sich seit 2013 halbiert. Um Steuern „gerecht und sozial” zu gestalten fordert Oxfam die Bundesregierung und Deutschlands Repräsentanten in den EU-Institutionen auf, die Steuervermeidung zu stoppen, den „ruinösen Wettbewerb um die geringste Unternehmens­besteuerung innerhalb und außerhalb der EU” zu beenden, um so Konzerne „angemessen” zu besteuern, und schließlich „Superreiche stärker in die Verantwortung (zu) nehmen” durch eine „weltweite Vermögenssteuer”. Erbschaft- und Vermögensteuern seien von zentraler Bedeutung, um Chancengleichheit zu fördern sowie „ererbte Macht und Privilegien” zu verringern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Oxfam-Report <a href="https://www.oxfam.de/system/files/2020_oxfam_ungleichheit_studie_deutsch_schatten-der-profite.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Im Schatten der Profite. Wie die systematische Abwertung der Hausarbeit, Pflege und Fürsorge Ungleichheit schafft und vertieft”</a> stellt im Januar <strong>2020</strong> fest: „Die soziale Ungleichheit ist unerträglich hoch. Die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung besitzt gemeinsam nicht einmal ein Prozent des globalen Vermögens.” Einem Prozent der Menschheit gehörten 45 Prozent des globalen Vermögens. An der Spitze der Vermögensverteilung stünden 2.153 Personen, die jeweils über mehr als eine Milliarde US-Dollar Privatvermögen verfügten. Nach Angaben der Weltbank habe 2015 etwa jeder Zehnte von weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag gelebt – insgesamt seien das 736 Millionen Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer Fußnote erläutert Oxfam, die Zahl der Menschen in extremer Armut weltweit sei von 1,9 Milliarden im Jahr 1990 auf 736 Millionen im Jahr 2015 gesunken. Anstatt diesen bemerkenswerten Rückgang um 158 Prozent positiv hervorzuheben, schreibt Oxfam: „Zwar ist diese Zahl (der Menschen in extremer Armut; N.H.) in den vergangenen Jahren gesunken, doch die Geschwindigkeit, in der extreme Armut abnimmt, hat sich zugleich halbiert.” Und zwar seit 2013 von zuvor ca. 1 Prozent pro Jahr auf etwa 0,6 Prozent pro Jahr (was keine Halbierung ist).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für eine „verteilungs- und geschlechtergerechte Steuerpolitik” fordert Oxfam, dass „Vermögende durch progressive Vermögens-, Erbschafts- und Kapitalertragssteuern sowie eine umfassende Finanztransaktionssteuer ihren gerechten Beitrag zum Allgemeinwohl leisten”. Darüber hinaus müsse die Bundesregierung Steuervermeidung stoppen und für eine gerechte Besteuerung von Konzernen weltweit sorgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Januar <strong>2021</strong> erschien der erste Oxfam-Bericht seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Titel: <a href="https://www.oxfam.de/system/files/documents/oxfam_factsheet_ungleichheitsvirus_062021.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Das Ungleichheitsvirus. Wie die Corona-Pandemie Ungleichheit verschärft und warum wir unsere Wirtschaft gerechter gestalten müssen”</a>. Als Folge der Corona-Pande­mie drohe die Ungleichheit erstmals in fast allen Ländern gleichzeitig anzusteigen, bemerkt Oxfam. Diese Krise verschärfe die vorher schon „dramatischen Unterschiede zwischen Arm und Reich”. Bereits neun Monate nach Ausbruch der Pandemie hätten die 1.000 reichsten Milliardäre – „hauptsächlich weiße Männer” – wieder so viel Vermögen wie in der Zeit vor COVID-19. Für die ärmsten Menschen der Welt könnte die Erholung dagegen 14-mal länger dauern, also länger als ein Jahrzehnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie unter einem Brennglas zeigten sich in der Pandemie die „vielfältigen Formen der Unterdrückung und Marginalisierung, denen Menschen unter anderem aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Sexualität, ihres Alters, einer Behinderung sowie im Zuge von Rassismus und Klassismus ausgesetzt sind”. Diese „Diskriminierungen” seien wiederum „in Strukturen von Privilegien und Unterdrückung verwurzelt, die durch Jahrhunderte von Patriarchat, Kolonialismus und strukturellem Rassismus (…) geformt wurden”. Mehr und mehr wird deutlich, dass die Narrative der <a href="https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/APuZ_2019-09-11_online_v2.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Identitätspolitik</a> und der sogenannten <a href="https://www.britannica.com/topic/critical-race-theory" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Critical Race Theory”</a> Eingang in die Argumentation von Oxfam finden. Extreme Ungleichheit sei letztendlich das Produkt eines „nicht funktionierenden Wirtschaftssystems, das seine Wurzeln in neoliberalen Denkansätzen hat und einige wenige Reiche und Mächtige durch Vereinnahmung von Politik und Wirtschaft begünstigt. In den Händen einer weißen, zumeist männlichen Gruppe häufen sich so riesige Profite an, auf Kosten von Menschen in prekären Situationen sowie Frauen, BIPoC (das Kürzel soll für „Black, Indigenous, People of Color” stehen; N.H.) und anderen historisch marginalisierten und unterdrückten Gruppen.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der „unverhältnismäßige Ein­fluss von Großk­onzernen auf politische Entscheidungen” sei einer der Hauptgründe dafür, dass ihre Gewinne und Vermögen weiter stiegen und die gegenwärtigen ungleichen Strukturen fortbestünden. Ein Grundproblem sei, „dass einige wenige Konzerne immer mehr Macht an sich reißen, den Markt sowie die Politik beherrschen und extrem hohe Profite erzielen. Die Folge: Superreiche gewinnen, Menschen in Lohnarbeit verlieren. Die Schere zwischen Arm und Reich wird so immer größer. Eine Hauptursache der sozialen Ungleichheit liegt damit im Marktgeschehen selbst.” Auch der 2021-er Bericht von Oxfam enthält die sattsam bekannten Forderungen nach einer stärken Besteuerung großer Vermögen und einer „umfassenden Finanztransaktionssteuer”, ergänzt um eine „einm­­alige Steuer auf in der Corona-­Krise ent­stehende außergewöhnliche Ge­win­ne von Konzernen”.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.oxfam.de/system/files/documents/oxfam_factsheet_gewaltige_ungleichheit.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Gewaltige Ungleichheit. Warum unser Wirtschaftssystem von struktureller Gewalt geprägt ist und wie wir es gerechter gestalten können”</a>, so betitelte Oxfam seinen Bericht im Januar <strong>2022</strong>. Einmal mehr liegen die Ursachen der „sich verschärfenden Ungleichheitskrise” – „Rekordgewinne” für Konzerne und Milliardäre einerseits und „zunehmende Armut” andererseits – in unserem Wirtschaftssystem, das von „struktureller wirtschaftlicher Gewalt” geprägt sei. Gefordert wird daher ein „grundlegend anderes Wirtschaftssystem”, „in dem wirtschaftliche Entscheidungen demokratisch gefällt werden und dessen handlungsleitendes Prinzip nicht der Profit, sondern das Gemeinwohl ist”. Stattdessen habe das reichste Prozent der Weltbevölkerung seit 1995 fast 20-mal mehr Vermögen angehäuft als die ärmsten 50 Prozent der Menschheit zusammen (zur globalen Ungleichheit siehe auch das <a href="https://www.capital.de/wirtschaft-politik/globale-ungleichheit-die-datenlage-zur-vermoegensverteilung-ist-katastrophal" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><em>Capital-</em>Interview mit Andreas Peichl</a>, Leiter des ifo Zentrums für Makroökonomik und Befragungen und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München, über die Datenlage zur Vermögensverteilung und die selektive Methodik von Oxfam). Als die Corona-Pandemie begann, habe fast die Hälfte der Menschheit – 3,2 Milliarden Menschen – unterhalb der von der Weltbank definierten erweiterten Armutsgrenze von 5,50 Dollar pro Tag gelebt. Heute seien es aufgrund der Pandemie weltweit 163 Millionen Menschen zusätzlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessant ist hier die Erläuterung zur Armutsgrenze in einer Fußnote: Die Weltbank definiere drei Armutsgrenzen: 1,95 Dollar für extreme Armut, 3,20 Dollar und 5,50 Dollar, heißt es dort. „Oxfam verwendet hauptsächlich die Grenze von 5,50 Dollar, weil wir davon überzeugt sind, dass diese das genaueste Bild von Armut vermittelt. Eine ausschließliche Konzentration auf extreme Armut ist nicht hilfreich, da sie Milliarden von Menschen, die tagtäglich mit Armut konfrontiert und die nur einen Schritt vom Elend entfernt sind, übersieht.” Die Verwendung der Armutsgrenze von 5,50 Dollar hat natürlich nicht zuletzt taktische Gründe. Da Oxfam im Januar 2020 (ebenfalls in einer Fußnote) konstatieren musste, die Zahl der Menschen in extremer Armut sei weltweit von 1,9 Milliarden im Jahr 1990 auf 736 Millionen im Jahr 2015 zurückgegangen (s. oben), schadet das der eigenen Argumentation, nach der Armut ständig zunimmt. Da bietet es sich an, die „erweiterte Armutsgrenze” von 5,50 Dollar zu verwenden, da sich so viel mehr Menschen wenn nicht als arm, so doch aber als „mit Armut konfrontiert” oder „nur einen Schritt vom Elend entfernt” bezeichnen lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Kern des Systems „struktureller wirtschaftlicher Gewalt” hat Oxfam die „Doktrin des Shareholder Value” ausgemacht. Für ein gerechteres Wirtschaftssystem, „in dem alle ihren fairen Beitrag leisten und das Gemeinwohl mehr zählt als Profitmaximierung um jeden Preis”, gelte es, „Konzerne und ihre sehr vermögenden Besitzer national und international durch eine progressive Steuerpolitik stärker in die Verantwortung zu nehmen”. Daher solle die Bundesregierung die Vermögensteuer für sehr hohe Vermögen wieder einführen und eine Abgabe auf Vermögen über einer Million Euro prüfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In seinem jüngsten Bericht <a href="https://www.oxfam.de/system/files/documents/oxfam_factsheet_davos-2023_umsteuern.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Umsteuern für soziale Gerechtigkeit”</a>, veröffentlicht im Januar <strong>2023</strong>, konstatiert Oxfam eine „Explosion der sozialen Ungleichheit”, die „immer extremere Ausmaße” annehme. Ein zentraler Baustein für ein Wirtschaftssystem, „in dem das Gemeinwohl aller über dem Profit einiger Weniger steht”, sei die Besteuerung der „reichsten Bevölkerungsteile”, insbesondere des reichsten Prozents, das 45,6 Prozent des weltweiten Vermögens besitze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Zum ersten Mal seit 25 Jahren haben extremer Reichtum und extreme Armut gleichzeitig stark zugenommen”, heißt es in dem Bericht. Nach Angaben der Weltbank seien im Jahr 2020 über 70 Millionen Menschen zusätzlich in die extreme Armut gedrängt worden und müssten mit weniger als 2,15 Dollar pro Tag auskommen (die Weltbank hat die Grenze für extreme Armut von 1,90 Dollar auf 2,15 Dollar erhöht). Was Oxfam weglässt, ist der Zusatz „increasing the global total to over 700 million”, der im <a href="https://openknowledge.worldbank.org/bitstream/handle/10986/37739/9781464818936.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weltbank-Bericht</a> steht (der Anstieg beläuft sich von 648 auf 719 Millionen). Die Weltbank nennt dies einen „historic setback in the fight against global poverty”. Einerseits stimmt das, da erstmals seit 30 Jahren die Anzahl der Menschen, die in extremer Armut leben, durch die Covid-Pandemie wieder angestiegen ist (s. folgende Abb.).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="955" height="569" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/02/Flossbach-von-Storch_Entwicklung-der-extremen-Armut-1990-2020.png" alt="Was Oxfam übersieht oder relativiert: Entwicklung der extremen Armut in der Welt seit 1990" class="wp-image-2180" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/02/Flossbach-von-Storch_Entwicklung-der-extremen-Armut-1990-2020.png 955w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/02/Flossbach-von-Storch_Entwicklung-der-extremen-Armut-1990-2020-300x179.png 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/02/Flossbach-von-Storch_Entwicklung-der-extremen-Armut-1990-2020-768x458.png 768w" sizes="(max-width: 955px) 100vw, 955px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits zeigt die absolute Zahl (719 Millionen) verglichen mit der Zahl von 1990 (1,9 Milliarden) immer noch eine bemerkenswerte Entwicklung (siehe dazu auch unseren <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegen-wachsen-armut-ruecklaeufig/">Beitrag „Vermögen wachsen weltweit, aber auch die Armut geht zurück”</a>). Beides sollte man im Auge haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der „direkten Verringerung von Armut und Ungleichheit” spielt das Steuersystem eine „Schlüsselrolle”, so Oxfam: Eine „progressive Besteuerung” könne mit einer „ambitionierten Ausgestaltung, d.h. z.B. einer sehr hohen Besteuerung des reichsten Prozents einer Gesellschaft”, extreme Vermögensungleichheit „tatsächlich verringern” und die Zahl der Milliardäre reduzieren. Darüber hinaus „(befördert) die Besteuerung großer Vermögen (…) Geschlechtergerechtigkeit und verringert rassistische Ungleichheit”; Steuern für Reiche zu erhöhen sei zudem ein „Beitrag für Klimagerechtigkeit”.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um die „grassierende Armut und Ungleichheit” zu bekämpfen seien „verschiedene sich ergänzende Arten von Einkommens- und Vermögenssteuern” notwendig. Ziel müsse es sein, durch einen „auf den jeweiligen Länderkontext angepassten Mix von Steuern Reichtum so stark zu besteuern, dass Ungleichheit tatsächlich abgebaut wird”. In Deutschland, Europa und weltweit sollten daher Übergewinne besteuert, die Vermögensteuer wieder eingeführt, Ausnahmen bei der Erbschaftsteuer beendet und eine einmalige „Solidaritätsabgabe” auf Milliarden- und Millionenvermögen erhoben werden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">„Growing tide of inequality” (2014), „inequality explosion” und „extreme inequality” (2015), „Spirale der wachsenden sozialen Ungleichheit” (2016), „ungekanntes Maß sozialer Ungleichheit” (2017), „globale Ungleichheit spitzt sich zu” (2018), „Ungleichheit boomt” (2019), „soziale Ungleichheit ist unerträglich hoch” (2020), „dramatische Unterschiede zwischen Arm und Reich” (2021), „gewaltige Ungleichheit” und „sich verschärfende Ungleichheitskrise” (2022), „Explosion der sozialen Ungleichheit” (2023) – seit zehn Jahren der immer gleiche Alarmismus. Seit zehn Jahren die immer gleiche Verantwortungszuschreibung. Und seit zehn Jahren die immer gleichen Vorschläge, wie das Problem zu lösen sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ist es übertrieben, wenn Christoph Eisenring in der NZZ festhält, die Beschäftigung von Oxfam mit den „Superreichen” zeige „zunehmend obsessive Züge”? Keineswegs!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei ist es nicht so, dass es in den Oxfam-Berichten nicht Punkte gibt, die zurecht angesprochen werden (wie beispielsweise die Praxis einiger großer internationaler Unternehmen, sich der Pflicht zu entziehen, Steuern zu zahlen), über die diskutiert werden muss und für die Lösungen gefunden werden müssen. Auch steht völlig außer Frage, dass die fortgesetzte Bekämpfung extremer Armut weltweit zu den wichtigten Aufgaben gehört. Nur ist die, vorsichtig ausgedrückt, kapitalismuskritische Ursachenbeschreibung von Oxfam, nach der ein von „struktureller wirtschaftlicher Gewalt” geprägtes Wirtschaftssystem, die „kurzfristigen Profitinteressen” der „Großkonzerne” und ihrer Eigentümer, „neoliberale Prinzipien der Gewinnmaximierung”, das Vermögen der „Superreichen” sowie „patriarchale Machtstrukturen” und die „Vorherrschaft” der „weißen Männer” die Ursache allen Übels seien, derart einseitig und ideologiebehaftet, dass eine Verständigung in weite Ferne rückt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt: Die Oxfam-Autoren können sich das Wirtschaftsgeschehen offensichtlich nur als Nullsummenspiel vorstellen, bei dem die Summe der Gewinne und Verluste aller Spieler zusammengenommen gleich null ist. Das heißt also, die einen – die Reichen – können nur gewinnen, was die anderen – die Armen – verlieren. Die von Oxfam propagierte Lösung liegt bei dieser Betrachtung natürlich nahe: Nehmt das Geld von den Reichen und gebt es den Armen. Das klingt zwar nach Robin Hood und nach Gerechtigkeit, funktioniert so aber nicht, wie unzählige Beispiele sozialistischer Gesellschaftsversuche gezeigt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Marius Kleinheyer, Senior Research Analyst bei Flossbach von Storch Research Institute, schreibt dazu in seinem <a href="https://www.flossbachvonstorch-researchinstitute.com/de/kommentare/das-politische-geschaeft-mit-der-armut/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Beitrag „Das politische Geschäft mit der Armut”</a>:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Der expliziten Forderung für Umverteilung liegt die implizite Annahme zu Grunde, dass eine gegebene Menge an Wohlstand ‚gerechter’ verteilt werden müsste. Stattdessen hat die Geschichte und die ökonomische Theorie gezeigt, dass es innerhalb von marktwirtschaftlichen Institutionen keine Grenzen des Wohlstandes gibt. Stattdessen kann durch unternehmerisches Handeln und technologische Innovationen immer mehr Wachstum erzeugt werden. Eine wichtige Grundbedingung dafür ist die Möglichkeit der Kapitalakkumulation. Wenn Oxfam das Schicksal der ärmsten Menschen am Herzen liegt, müssen sie zu Anwälten für mehr Marktwirtschaft insbesondere in Afrika werden. Die Herstellung von Gleichheit dadurch, dass alle gleich arm werden, nützt niemandem.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es sind ja gerade die durch die Globalisierung wirkenden marktwirtschaftlichen Prinzipien, die seit 1990 rund 1,2 Milliarden Menschen aus extremer Armut herausgeführt haben (s. dazu auch den Artikel <a href="https://www.welt.de/wirtschaft/article236291245/Die-einen-verdienen-die-anderen-sterben-Oxfams-grosser-Umverteilungs-Irrtum.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Der Irrtum vom ‚Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich‘“</a> von Dorothea Siems in der <em>Welt</em>). Allerdings hat Oxfam, betrachtet man die förmliche Besessenheit, mit der die Organisation den Kapitalismus als Ursache allen Übels bekämpft, offensichtlich „die effektive Armutsbekämpfung aus den Augen verloren”, wie Christoph Eisenring in der <em>NZZ </em>schreibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie kann es weitergehen? Jedenfalls nicht so, wie die Debatte aktuell läuft. <a href="https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/steuerpopulismus-die-debatte-ueber-ungleichheit-ist-vergiftet-18603969.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Johannes Pennekamp weist in der </a><em><a href="https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/steuerpopulismus-die-debatte-ueber-ungleichheit-ist-vergiftet-18603969.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">F.A.Z.</a> </em>mit Blick auf die Diskussion über Ungleichheit auf einen „toxischen Hang zur Einseitigkeit” hin – auf beiden Seiten der Kontrahenten. Oxfam halte niedrige Steuern für ein Übel der Menschheit, die Familienunternehmer wollten keinen Cent zu viel an den Staat zahlen. „Das Problem ist – wenn es um Steuern, Ungleichheit und Umverteilung geht, reden die beiden Interessengruppen kaum miteinander”, so Pennekamp. Es ergebe keinen Sinn, „die immer selben Satzbausteine zu wiederholen, ohne sich mit den Argumenten der Gegenseite zu befassen”. Das möge den eigenen Anhängern, deren Interessen man vertrete, ein wohliges Gefühl im Bauch verursachen – die Debatte bringe man so aber nicht voran.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da ist sicher etwas dran. Allerdings ist es schon ein qualitativer Unterschied, wenn einerseits die Familienunternehmer nicht zuletzt aus der berechtigten Sorge um die Attraktivität des Standortes Deutschland heraus (<a href="https://www.familienunternehmen.de/de/pressebereich/meldungen/2023/2023-01-16/deutschland-ist-der-grosse-verlierer-im-standortwettbewerb" target="_blank" rel="noreferrer noopener">aktuell laut ZEW Platz 18 unter 21 Industrienationen</a>) niedrigere Unternehmenssteuern fordern, während sich andererseits Oxfam in seinem betriebsblinden Kampf gegen den Kapitalismus zu Aussagen versteigt wie „Every billionaire is a policy failure” und fordert, die reichsten 1 Prozent müssten dauerhaft mindestens 60 Prozent ihres gesamten Arbeits- und Kapitaleinkommens an Steuern zahlen und Multimillionäre und Milliardäre noch höhere Steuersätze. Da sind die Antipoden schon sehr weit auseinander.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch wäre es wünschenswert, wenn es gelänge, die Debatte um Ungleichheit und Umverteilung, und wer wie viel Steuern zahlen sollte, zu versachlichen. Dazu müsste wohl vor allem Oxfam aus seinem ideologischen Schützengraben herauskommen und anerkennen, dass es gerade der Kapitalismus ist, der die grundlegenden Mechanismen schafft, um Menschen aus extremer Armut zu befreien. Gelingt Oxfam das nicht, womit nach den Einlassungen der vergangenen zehn Jahre leider zu rechnen ist, wird es auch in den kommenden Jahren zu dem üblichen, „traditionell festgefahrenen” Ritual kommen. Geholfen ist damit niemandem, am wenigsten den Ärmsten weltweit.</p>
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		<title>Vermögensteuern verringern Vermögensbasis</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. Nicolai Hammersen]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Oct 2022 15:50:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Studien]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Vermögensteuer]]></category>
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<p>Die Forderung nach der Wiedereinführung &#8211; genauer gesagt: dem Wiederaufleben &#8211; der Vermögensteuer in Deutschland ist seit einiger Zeit weit verbreitet. Dazu nur einige Beispiele: Nach Ansicht der SPD (und der Grünen) sollten Reiche für die Kosten der Corona-Krise zahlen, [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Forderung nach der Wiedereinführung &#8211; genauer gesagt: dem Wiederaufleben &#8211; der Vermögensteuer in Deutschland ist seit einiger Zeit weit verbreitet. Dazu nur einige Beispiele: Nach <a href="https://www.vorwaerts.de/artikel/kulturschaffende-reiche-kosten-corona-krise-zahlen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ansicht der SPD (und der Grünen) sollten Reiche für die Kosten der Corona-Krise zahlen</a>, <a href="https://www.zdf.de/nachrichten/politik/bund-laender-runde-gaspreisbremse-entlastungspaket-reaktionen-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Linken-Chefin Janine Wissler sprach sich nach der jüngsten Bund-Länder-Konferenz zur Finanzierung der milliardenschweren Entlastungspakete in der Energiekrise für die Wiedereinführung der Vermögensteuer aus</a>, die <a href="https://www.rnd.de/politik/yasmin-fahimi-neue-dgb-vorsitzende-will-vermoegende-zur-kasse-bitten-BEZLONPDIFBYPJTDZG2WYICAIE.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">DGB-Vorsitzende Fahimi will, dass Vermögende einen größeren Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwesens tragen</a>, die <a href="https://www.zeit.de/politik/deutschland/2022-10/kriegskosten-vermoegenssteuer-saskia-esken-dietmar-bartsch" target="_blank" rel="noreferrer noopener">SPD-Vorsitzende Esken schließlich will die Reichsten im Land aber auch den Kosten für den Wiederaufbau der Ukraine beteiligen</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Einführung einer Vermögensteuer oder Vermögensabgabe in Deutschland würde allerdings die steuerlichen Rahmenbedingungen für Investitionen, Beschäftigung und Wirtschaftswachstum signifikant auf Dauer verschlechtern. Zu dieser Schlussfolgerung kommt die Studie „Zur Debatte über die Einführung einer Nettovermögensteuer in Deutschland“, die Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts für die Stiftung Familienunternehmen verfasst hat (<a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensteuer-verschaerft-steuerlage/">siehe unseren Beitrag dazu</a>). Die Warnung, dass eine Vermögensteuer auf Dauer mehr Schaden als Nutzen stiftet, sollte zumindest ernst genommen werden. Interessant ist in diesem Zusammenhang, mit welchen Verhaltensreaktionen auf die (Wieder-)Einführung der Vermögensteuer eigentlich gerechnet werden muss, und wie sich gegebenenfalls die Steuerbemessungsgrundlagen verändern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor wir das näher betrachten, halten wir zunächst einmal die Tatsache fest, dass in den letzten Jahrzehnten haben immer mehr Staaten in Europa Vermögensteuern abgeschafft haben (<a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensteuer-bechtolsheim-reese/">s. die Tabelle dazu in diesem Beitrag</a>). „Wichtige Ursachen des internationalen Trends zur Abschaffung von Vermögensteuern sind Bewertungsprobleme, Steuervermeidung und Kapitalflucht“, schreibt Fuest in der oben erwähnten Studie. Diese und andere Phänomene sind in den vergangenen Jahren in einer ganzen Reihe von Forschungsarbeiten näher untersucht worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine der jüngsten stammt von Arun Advani (University of Warwick) und Hannah Tarrant (London School of Economics). Beide haben in ihrem Beitrag „<a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1475-5890.12283" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Behavioural responses to a wealth tax</a>” empirische Belege dafür untersucht, wie Personen auf die Anreize reagieren, die durch eine Nettovermögensteuer geschaffen werden. Denn eines ist klar: Das Steueraufkommen, das letztlich durch eine Vermögensteuer erzielt werden könnte, hängt nicht nur von dem Steuersatz und dem bereits vorhandenen Vermögen ab, sondern auch davon, wie der Einzelne sein steuerpflichtiges Vermögen als Reaktion auf die Steuer anpasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Advani/Tarrant ist die wichtigste Größe, die es zu untersuchen gilt, die Elastizität des steuerpflichtigen Vermögens. Elastizität ist ein Maß, das die relative (prozentuale) Veränderung der abhängigen Variablen y (Wirkung) zur relativen Änderung der unabhängigen Variablen x (Ursache) angibt. Im vorliegenden Fall gibt die Elastizität des steuerpflichtigen Vermögens Aufschluss darüber, inwieweit das Niveau des steuerpflichtigen Vermögens (Wirkung) auf eine Änderung des Steuersatzes (Ursache) reagiert. Diese Elastizität messe den Gesamteffekt einer Vermögensteuer auf die Höhe des steuerpflichtigen Vermögens und damit auf die Höhe der Einnahmen, die erzielt werden könnten, so Advani/Tarrant.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Verhaltensreaktionen auf eine Vermögensteuer</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Mögliche Verhaltensreaktionen auf die Einführung einer Vermögensteuer sind laut den Autoren folgende:</p>



<ul class="wp-block-list"><li><em>Zu niedrige Angaben</em>: Wenn es einen Anreiz und die Möglichkeit dazu gebe, könnten Einzelpersonen den Wert ihres Vermögens zu niedrig angeben (oder den Wert ihrer Schulden aufblähen), um ihre Vermögenssteuerschuld zu verringern. Hierzu könne man entweder nicht alle Vermögenswerte oder den Wert der angegebenen Vermögenswerte zu niedrig angeben.</li><li><em>Offshore-Hinterziehung</em>: Kausale Belege für die Auswirkungen der Vermögensbesteuerung auf die Offshore-Hinterziehung &#8211; also das absichtliche Verschweigen oder Verstecken von Vermögen im Ausland &#8211; seien rar. Dennoch gebe es immer mehr Belege für das Ausmaß von Offshore-Hinterziehungspraktiken unter den Wohlhabenden in den USA und Skandinavien sowie weitere Belege, die darauf hindeuteten, dass die Besteuerung Offshoring-Reaktionen hervorrufe.</li><li><em>Schenkungen und Zerstückelung </em>(fragmentation): Anstatt Vermögen ins Ausland zu transferieren, könnten vermögende Privatpersonen auf die Vermögensbesteuerung reagieren, indem sie ihr Vermögen legal auf den Namen einer anderen Person übertrügen. Dabei könnte es sich um Schenkungen unter Lebenden handeln (bei Verzicht auf den Nutzen und die Kontrolle über das Vermögen) oder um die Übertragung an den Ehepartner oder die Kinder (möglicherweise unter Beibehaltung der Kontrolle, mit oder ohne Beibehaltung eines gewissen Nutzens).</li><li><em>Vermögenszusammensetzung</em>: Personen, die nicht willens oder in der Lage seien, die Vermögensbesteuerung durch Umverteilung innerhalb des Haushalts zu vermeiden, könnten stattdessen ihre Steuerschuld minimieren, indem sie ihr Vermögen auf verschiedene Vermögensklassen umverteilten. Die Aushöhlung der Steuerbemessungsgrundlage durch die Vermögenszusammensetzung, die darauf zurückzuführen sei, dass die Steuerbemessungsgrundlage durch Steuerbefreiungen und -erleichterungen geschmälert werde, habe in mehreren OECD-Ländern zur Abschaffung der Vermögensbesteuerung beigetragen.</li><li><em>Ersparnisse</em>: Angesichts der begrenzten Möglichkeiten, die Struktur der Vermögensbestände anzupassen, um eine Vermögenssteuer zu vermeiden, könnten Personen stattdessen den Gesamtwert ihrer Vermögensbestände anpassen. Das theoretische Argument besage, die Erhebung einer Vermögenssteuer verringere die Rendite des Sparens und veranlasse den Einzelnen dazu, heute mehr auszugeben (oder weniger zu arbeiten) und weniger für die Zukunft zurückzulegen. Das Argument, die Vermögensbesteuerung verringere den Anreiz zum Sparen, habe beim Rückgang der Vermögensteuern in den OECD-Ländern ebenfalls eine Rolle gespielt.</li><li><em>Arbeitsangebot</em>: Wenn der Einzelne mehr sparen würde, könnte er dies entweder durch eine Verringerung seines Konsums oder eine Erhöhung seines Arbeitsangebots erreichen. Durch ihre Auswirkungen auf die Rendite des Sparens wirke sich die Vermögensbesteuerung somit auf den Kompromiss zwischen Arbeit und Freizeit aus.</li><li><em>Abwanderung</em>: Die Abwanderung vermögender Personen werde in Zeiten der Globalisierung der der Mobilität von Hochqualifizierten als Gegenargument zu einer möglichen Vermögensbesteuerung ins Feld geführt. Auch dieses Argument habe zum Rückgang der Vermögensteuern in den OECD-Ländern beigetragen. Allerdings, so Advani/Tarrant, deuteten die vorhandenen Daten darauf hin, dass die Migrationsreaktionen auf alle Formen der Besteuerung im Verhältnis zu den potentiellen Einnahmen gering seien; es gebe wenig Unterstützung für die Ansicht, die Abwanderung wohlhabender Steuerzahler stelle eine erhebliche Bedrohung für die progressive Besteuerung dar.</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph">Diese möglichen Verhaltensreaktionen sollten nicht als gegeben hingenommen werden. Sie seien in hohem Maße von der Gestaltung der Politik abhängig.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Steuerkonzeptionen mit Auswirkungen auf Elastizität</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Advani/Tarrant haben sich die Schätzungen der Elastizität des steuerpflichtigen Vermögens angesehen, die in den letzten Jahren für die <a href="https://www.cesifo.org/en/publications/2019/working-paper/behavioral-responses-wealth-taxes-evidence-switzerland" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schweiz</a>, <a href="https://ieb.ub.edu/wp-content/uploads/2019/05/2019-IEB-WorkingPaper-04.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Spanien</a>, die <a href="https://www.semanticscholar.org/paper/The-Elasticity-of-Taxable-Wealth%3A-Evidence-from-the-Zoutman/a404eb0f4590f70a7be6a21802c8b5443e372030" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Niederlande</a>, <a href="https://academic.oup.com/qje/article/135/1/329/5584349" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dänemark</a>, <a href="https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3716257" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Norwegen</a>, <a href="https://www.aeaweb.org/articles?id=10.1257/pol.20150290" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schweden</a> und <a href="https://www.iipf.org/papers/WealthTaxation_LondonoVelez_JMP.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kolumbien</a> vorgelegt wurden. Die Elastizitäten seien sehr unterschiedlich und empfindlich gegenüber politischen Entscheidungen, die von Land zu Land sehr heterogen seien. Es gebe aber einige Steuerkonstruktionsmerkmale, die unterschiedliche Elastizitäten erklärten. Diese seien:</p>



<ul class="wp-block-list"><li><em>Erstens </em>seien die Elastizitäten des zu versteuernden Vermögens tendenziell höher in Steuersystemen, die mehr Spielraum für unzureichende Angaben böten. Die Meldung von Vermögenswerten durch Dritte (z.B. durch Finanzinstitute) sei ein einflussreicher Faktor.</li><li><em>Zweitens </em>böte die Befreiung von Vermögenswerten von der Steuerbemessungsgrundlage Anreize, die Portfoliozusammensetzung zugunsten von steuerbefreiten Vermögenswerten zu verschieben; dadurch könne sich die Gesamtelastizität des steuerpflichtigen Vermögens erhöhen.</li><li><em>Drittens </em>hingen die Vermögenselastizitäten vom Grad der Zentralisierung der Vermögensteuer ab. In Spanien und der Schweiz, beides Länder mit dezentralisierter Vermögensbesteuerung, dürfte die interregionale Mobilität als Reaktion auf unterschiedliche Steuersätze und Freibeträge die Gesamtelastizität des Vermögens erhöhen, so Advani/Tarrant.</li></ul>



<h3 class="wp-block-heading">Fazit: Schrumpfung der Vermögensbasis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Ergebnis deuteten die Erkenntnisse aus anderen Ländern darauf hin, dass eine gut konzipierte britische Vermögensteuer, die alle Vermögenswerte erfasse und in großem Umfang auf die Meldung von Vermögenswerten durch Dritte zurückgreife, nach einem Zeitraum von vier bis acht Jahren eine Elastizität des steuerpflichtigen Vermögens in Bezug auf den Nettosteuersatz in der Größenordnung von 7 bis 17 Prozent erreichen könnte &#8211; je nachdem, welche Annahmen über den Umfang der internationalen Migrationsreaktionen getroffen würden. Dies bedeute, die Vermögensbasis würde als Reaktion auf einen Steuersatz von 1 Prozent auf das Vermögen um 7 bis 17 Prozent schrumpfen.</p>
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		<title>Vermögensverteilung: Globale Mittelklasse wächst</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. Nicolai Hammersen]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Sep 2022 07:35:06 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a><br />
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<a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven - Journal für die Diskussion der gesellschaftlichen Aspekte von Vermögen.</a></p>
<p>In der weltweiten Vermögensverteilung ist in diesem Jahrhundert ein deutlicher Anstieg der globalen Mittelklasse zu verzeichnen. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse des aktuellen Global Wealth Reports der Credit Suisse, der die Vermögen der privaten Haushalte von 5,3 Milliarden Menschen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-globale-mittelklasse-waechst/">Vermögensverteilung: Globale Mittelklasse wächst</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a> und wurde geschrieben von <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/author/nicolaihammersen/">Dr. Nicolai Hammersen</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a><br />
<img src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/balance-2108024_1920x1280px.jpg" style="display: block; margin: 1em auto"><br />
<a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven - Journal für die Diskussion der gesellschaftlichen Aspekte von Vermögen.</a></p>

<p class="wp-block-paragraph">In der weltweiten Vermögensverteilung ist in diesem Jahrhundert ein deutlicher Anstieg der globalen Mittelklasse zu verzeichnen. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse des aktuellen <a href="https://www.credit-suisse.com/about-us/en/reports-research/global-wealth-report.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Global Wealth Reports der Credit Suisse</a>, der die Vermögen der privaten Haushalte von 5,3 Milliarden Menschen weltweit analysiert. Das globale Gesamtvermögen sei um 9,8 Prozent gewachsen, das durchschnittliche Vermögen pro Erwachsenem habe rund 87.500 Dollar erreicht so die Bank. Lasse man Wechselkursschwankungen außer Acht, so sei das globale Gesamtvermögen im Jahr 2021 um 12,7 Prozent gewachsen, die höchste jemals verzeichnete Jahresrate.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vermögensverteilung: Aufstieg der globalen Mittelklasse</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Folgende Trends in der globalen Vermögensverteilung sind laut Credit Suisse zu beobachten:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-global-wealth-pyramid-2021-vs-2011-1024x1024.png" alt="Vermögensverteilung: Global Wealth Pyramid 2021 vs. 2011" class="wp-image-2064" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-global-wealth-pyramid-2021-vs-2011-1024x1024.png 1024w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-global-wealth-pyramid-2021-vs-2011-300x300.png 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-global-wealth-pyramid-2021-vs-2011-150x150.png 150w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-global-wealth-pyramid-2021-vs-2011-768x768.png 768w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-global-wealth-pyramid-2021-vs-2011-1536x1536.png 1536w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-global-wealth-pyramid-2021-vs-2011.png 1920w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<ul class="wp-block-list"><li>Der Sockel der Pyramide schrumpfe. Die Anzahl der Erwachsenen mit einem Vermögen von weniger als 10.000 sei von 2011 bis 2021 um knapp 8 Prozent zurückgegangen. Besaßen 2011 noch 67,6 Prozent aller Erwachsenen weltweit weniger als 10.000 Dollar, seien es 2021 nur noch 53,2 Prozent gewesen.</li><li>Das nächste Segment, das Personen mit einem Vermögen zwischen 10.000 und 100.000 Dollar umfasse, habe in diesem Jahrhundert den größten Zuwachs zu verzeichnen, nachdem sich seine Größe von 504 Millionen im Jahr 2000 über knapp 1,1 Milliarden 2011 auf 1,8 Milliarden Mitte 2021 mehr als verdreifacht habe (s. folgende Abbildung). Darin spiegelten sich der wachsende Wohlstand der Schwellenländer, insbesondere Chinas, und die Ausweitung der Mittelschicht in den Entwicklungsländern wider.</li><li>Die obere Mittelschicht mit einem Vermögen zwischen 100.000 und 1 Million Dollar habe sich in diesem Jahrhundert ebenfalls verdreifacht und sei von 208 Millionen 2000 über 369 Millionen 2011 auf 627 Millionen 2021 angewachsen.</li><li>Die oberste Schicht der vermögenden Privatpersonen (High Net Worth Individuals), d.h. die Dollar-Millionäre, sei nach wie vor relativ klein. Diese Gruppe habe sich jedoch in den letzten Jahren rasch vergrößert und umfasse nun 62,5 Millionen, d.h. 1,2 Prozent aller Erwachsenen. Im Jahr 2020 überstieg die Zahl der globalen Millionäre zum ersten Mal 1 Prozent der Erwachsenen; dies bedeute, dass die Gruppe in letzter Zeit schnell gewachsen sei.</li></ul>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-rise-of-the-global-middle-class-1024x1024.png" alt="Vermögensverteilung: Aufstieg der globalen Mittelklasse" class="wp-image-2065" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-rise-of-the-global-middle-class-1024x1024.png 1024w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-rise-of-the-global-middle-class-300x300.png 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-rise-of-the-global-middle-class-150x150.png 150w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-rise-of-the-global-middle-class-768x768.png 768w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-rise-of-the-global-middle-class-1536x1536.png 1536w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-rise-of-the-global-middle-class.png 1920w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Vermögensverteilung 2021 weltweit: Globales Medianvermögen steigt</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Vermögensanteil der obersten 1 Prozent der Weltbevölkerung sei das zweite Jahr in Folge gestiegen und habe 2021 45,6 Prozent erreicht, gegenüber 43,9 Prozent im Jahr 2019. Im Jahr 2021 sei zwar ein Anstieg der Vermögensungleichheit zu beobachten (eine wahrscheinliche Ursache dafür sei der starke Anstieg des Finanzvermögens während der COVID-19-Pandemie); eine Analyse des Medianvermögens innerhalb der Länder und weltweit zeige jedoch: Längerfristig sei die globale Vermögensungleichheit in diesem Jahrhundert aufgrund des schnelleren Wachstums in den Schwellenländern zurückgegangen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="997" height="617" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/Credit-Suisse_Global-trends-in-median-wealth.jpg" alt="Entwicklung des globalen Medianvermögens" class="wp-image-2068" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/Credit-Suisse_Global-trends-in-median-wealth.jpg 997w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/Credit-Suisse_Global-trends-in-median-wealth-300x186.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/Credit-Suisse_Global-trends-in-median-wealth-768x475.jpg 768w" sizes="(max-width: 997px) 100vw, 997px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das globale Medianvermögen sei seit dem Jahr 2000 etwa doppelt so schnell gestiegen wie das globale mittlere Vermögen pro Erwachsenem und viel schneller als das globale BIP. Der durchschnittliche Haushalt konnte also in den letzten zwei Jahrzehnten Vermögen aufbauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solange der mittlere Teil der globalen Vermögensverteilung überproportional von Einwohnern von Ländern (in der Regel Schwellenländer) eingenommen werde, in denen das Vermögen der Haushalte schneller wachse als im weltweiten Durchschnitt, werde das globale Medianvermögen schneller wachsen als das globale Durchschnittsvermögen. Darüber hinaus sei das rasche Vermögenswachstum in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen der Grund, warum die globale Vermögensungleichheit in diesem Jahrhundert durch die Verringerung der Ungleichheit zwischen den Ländern zurückgegangen sei. Ein schnellerer Anstieg des Medianvermögens als des Durchschnittsvermögens stehe also in engem Zusammenhang mit einem Rückgang der Vermögensungleichheit.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vermögensverteilung in Österreich, Deutschland und der Schweiz</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vermögensungleichheit sei in Österreich mit einem Gini-Koeffizienten von 74,2 im Jahr 2021 geringer als in Deutschland und der Schweiz, die Gini-Koeffizienten von 78,8 bzw. 77,2 aufwiesen. In allen drei Ländern sei die <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensungleichheit-geht-zurueck/">Vermögensungleichheit seit 2000 zurückgegangen</a>, als der Gini-Koeffizient in Österreich 78,1, in Deutschland 81,2 und in der Schweiz 81,0 betragen habe (<a href="https://vermoegensperspektiven.de/vbw-studie-altersvorsorgeanwartschaften-reduzieren-vermoegensungleichheit-um-ueber-22-prozent/">die Vermögensungleichheit liegt unter Berücksichtigung der Altersvorsorgeanwartschaften allerdings deutlich niedriger</a>). Während der Rückgang in Österreich schrittweise über den Zeitraum von 2000 bis 2015 erfolgt sei, habe der Rückgang in Deutschland nach der globalen Finanzkrise 2008 stattgefunden und in der Schweiz größtenteils nach 2017.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Anteil der obersten 1 Prozent sei seit 2000 in Österreich von 27,0 Prozent auf 25,8 Prozent und in der Schweiz von 32,2 Prozent auf 26,5 Prozent gesunken. In Deutschland hingegen sei er zwar von 29,1 Prozent im Jahr 2000 auf 27,2 Prozent im Jahr 2008 zurückgegangen, sei aber seitdem auf 31,7 Prozent gestiegen. Der Anstieg dieses Spitzenanteils in Deutschland seit 2008 in Verbindung mit einem Rückgang der gesamten Vermögensungleichheit, gemessen am Gini-Koeffizienten, spiegele eine Verringerung der Ungleichheit im unteren Bereich der Verteilung wider. Die Anteile der untersten sechs Dezile seien alle von insgesamt 3,4 Prozent im Jahr 2000 auf 5,7 Prozent im Jahr 2021 gestiegen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">2021 Rekordjahr für Vermögen der Privathaushalte</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Credit Suisse hat sich das globale Vermögen Ende 2021 auf schätzungsweise 463,6 Billionen Dollar belaufen, was einem Anstieg von 9,8 Prozent gegenüber 2020 entspricht und weit über dem durchschnittlichen jährlichen Anstieg von 6,6 Prozent seit Beginn des Jahrhunderts liegt. Lasse man die Wechselkursschwankungen außer Acht, so sei das globale Gesamtvermögen 2021 um 12,7 Prozent gewachsen und damit so schnell wie noch nie zuvor pro Jahr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zahl der US-Dollar-Millionäre sei im Jahr 2021 um 5,2 Millionen gestiegen und habe sich zum Jahresende weltweit auf 62,5 Millionen belaufen. Dieses Wachstum von 9 Prozent habe leicht über dem Anstieg des Vermögens pro Erwachsenem von 8,4 Prozent gelegen, sei aber hinter dem Anstieg des Medianvermögens von 9,5 Prozent zurückgeblieben. Die Zahl der Ultra-High-Net-Worth (UHNW)-Personen (Vermögen &gt; 50 Millionen Dollar) sei mit 21 Prozent im Jahr 2021 deutlich schneller gestiegen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph">Berichterstattung zum Global Wealth Report der Credit Suisse: <a href="https://www.nzz.ch/finanzen/private-finanzen/die-welt-wurde-reicher-ungleicher-und-lebte-auf-pump-ld.1703569" target="_blank" rel="noreferrer noopener">NZZ</a>, <a href="https://www.faz.net/aktuell/finanzen/world-wealth-report-zahl-der-millionaere-steigt-um-5-2-millionen-18330270.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">F.A.Z.</a>, <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/global-wealth-report-zahl-der-dollar-millionaere-weltweit-gestiegen-a-fd2f389a-71b9-4a3f-ba8f-754b130ce8e7" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Spiegel</a>, <a href="https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/banken/global-wealth-report-2022-zahl-der-dollarmillionaere-nach-corona-gestiegen/28692564.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Handelsblatt</a>, <a href="https://www.wiwo.de/finanzen/geldanlage/global-wealth-report-die-europaeer-werden-aermer-die-japaner-reicher/14874144-all.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">WirtschaftsWoche</a>, <a href="https://www.forbes.com/sites/russellflannery/2022/09/21/world-will-have-nearly-40-more-millionaires-by-2026--credit-suisse/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Forbes</a> (Auswahl)</p>
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		<title>Bundesbank: Vermögensungleichheit gesunken &#8211; erhebliche Unterschiede bei Vermögensstruktur und Portfoliorendite</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. Nicolai Hammersen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Aug 2022 10:08:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Studien]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Bundesbank]]></category>
		<category><![CDATA[Portfoliorendite]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a><br />
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<p>Dass die Vermögensungleichheit in Deutschland besonders hoch sei und zudem noch ständig weiter wachse, ist eines der häufig gehörten Narrative, wenn es um die sozialen Verhältnisse in Deutschland geht. Richtig ist, dass die Vermögensungleichheit deutlich höher ist als die Einkommensungleichheit; [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Dass die Vermögensungleichheit in Deutschland besonders hoch sei und zudem noch ständig weiter wachse, ist eines der häufig gehörten Narrative, wenn es um die sozialen Verhältnisse in Deutschland geht. Richtig ist, dass die Vermögensungleichheit deutlich höher ist als die Einkommensungleichheit; allerdings ist sie auch nicht so hoch, wie &#8211; unter regelmäßiger Auslassung der Vermögensäquivalente aus den Altersvorsorgevermögen &#8211; in der Regel behauptet wird (siehe bspw. <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-weniger-ungleich/">hier</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun zeigt eine aktuelle Untersuchung der Deutschen Bundesbank, dass die Vermögensungleichheit in den letzten Jahren nicht gestiegen, sondern leicht gesunken ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entwicklung der Vermögensungleichheit</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der Studie „Eine verteilungsbasierte Vermögensbilanz der privaten Haushalte in Deutschland – Ergebnisse und Anwendungen” (Deutsche Bundesbank, Monatsbericht Juli 2022, S. 15ff.) hat dies zwei Gründe:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Zum einen sei der der Nettovermögenszuwachs für die Haushalte in der unteren Hälfte der Verteilung besonders kräftig ausgefallen. Hierbei hätten die weniger vermögenden Haushalte in deutlichem Umfang risikoarme Anlagen wie Einlagen und Versicherungsansprüche aufgebaut und gleichzeitig merklich ihre Verschuldung reduziert.</li><li>Zum anderen sei die Ungleichheit auch deshalb gesunken, weil die obere Mitte der Verteilung spürbar von einem steigenden Wert des Immobilienvermögens profitiert habe (vgl. S. 15, 16, 22f., 34f.). Der Nettovermögensanstieg des obersten Prozents der Verteilung sei schließlich zentral auf Zuwächse beim Betriebsv­ermögen zurückzuführen (vgl. S. 23).</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph">Die verteilungsbasierte Vermögensbilanz vereint laut Bundesbank zwei Datenperspektiven: Sie verknüpfe die Haushaltsbefragung der Bundesbank „Private Haushalte und ihre Finanzen“ (PHF) mit den gesamtwirtschaftlichen Vermögensbilanzen. Die verteilungsbasierte Vermögensbilanz berücksichtige somit die Verteilungsinformationen aus der Haushaltsstudie und spiegele gleichzeitig die vierteljährliche Dynamik und die Niveauangaben der gesamtwirtschaftlichen Statistiken in konsistenter Weise wider (vgl. S. 15).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="381" height="895" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Nettovermoegensverteilung.jpg" alt="Nettovermögensverteilung" class="wp-image-1864" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Nettovermoegensverteilung.jpg 381w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Nettovermoegensverteilung-128x300.jpg 128w" sizes="(max-width: 381px) 100vw, 381px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die verteilungsbasierte Vermögensbilanz des Haushaltssektors verdeutliche eine insgesamt hohe Vermögensungleichheit, die über die Laufzeit des Datensatzes, das heißt ab 2009, jedoch leicht rückläufig gewesen sei. Während die obersten 10 Prozent der Vermögensverteilung über den betrachteten Zeitraum mehr als 50 Prozent des gesamten Nettovermögens der Haushalte in Deutschland hielten, entfalle auf die untere Hälfte der Vermögensverteilung mit durchschnittlich 0,6 Prozent ein äußerst geringer Anteil. Allerdings habe sich im Beobachtungszeitraum die Verteilung leicht zugunsten der unteren Hälfte verschoben. Der Anteil der vermögensärmeren 50 Prozent der Haushalte am gesamten Nettovermögen stieg von 0,2 Prozent im Jahr 2009 auf mehr als 1,2 Prozent im Jahr 2021 (vgl. S. 22).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Portfoliostruktur entlang der Vermögensverteilung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die verteilungsbasierte Vermögensbilanz offenbare darüber hinaus eine erhebliche Heterogenität in der Vermögenszusammensetzung der privaten Haushalte. So bestünden die Vermögen der unteren Hälfte der Verteilung nahezu ausschließlich aus risikoarmen Anlageformen wie Einlagen und<br>Versicherungsansprüchen. Dahingegen umfasse die Vermögensstruktur der vermögenderen Haushalte in einem deutlich größeren Umfang Kapitalmarktinstrumente und vor allem Immobilien- und Betriebsvermögen (vgl. S. 15, 16)</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="498" height="588" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Vermoegensstruktur.jpg" alt="Vermögensstruktur entlang der Nettovermögensverteilung" class="wp-image-1866" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Vermoegensstruktur.jpg 498w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Vermoegensstruktur-254x300.jpg 254w" sizes="(max-width: 498px) 100vw, 498px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die abweichenden Nettovermögensentwicklungen gingen unter anderem auf ungleich verteilte Vermögensformen zurück, die sich in erkennbaren Unterschieden in der Vermögensstruktur entlang der Vermögensverteilung niederschlügen. Ein Blick auf die durchschnittliche Struktur des Gesamtvermö­gens (brutto) der vier Vermögensgruppierungen (0-50 Prozent, 50-90 Prozent, 90-99 Prozent, Top 1 Prozent) für den Zeitraum 2009 bis 2021 zeige: In der unteren Hälfte der Vermögensverteilung dominiere vor allem das Finanzportfolio die Vermögensstruktur. Hier sei zudem die Immobilienbesitzquote vergleichsweise gering. Dahingegen setze sich das Gesamtvermögen der folgenden 49 Prozent zu mehr als der Hälfte aus Immobilien zusammen. Beim oberen Prozent spiele zudem das Betriebsvermögen eine bedeutende Rolle (vgl. S. 23, 29f.)</p>



<h3 class="wp-block-heading">Portfoliorendite entlang der Vermögensverteilung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich schlägt sich die Heterogenität in der Vermögenszusammensetzung der privaten Haushalte in merklichen Unterschieden in der Höhe der Rendite des Gesamtvermögens entlang der Vermögensverteilung nieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da nahezu ausschließlich risikoarme Anlagen in Form von Einlagen und Versicherungsansprüchen die Gesamtrendite der unteren Hälfte der Vermögensverteilung bestimme, deren Verzinsung in den letzten Jahren vergleichsweise gering ausgefallen sei, liege ihre durchschnittliche reale Rendite im Mittel bei 0 Prozent (vgl. S. 28, 29). Die reale Rendite berücksichtigt neben inflationsbedingten Kaufkraftverlusten auch andere Ertragskomponenten wie Bewertungseffekte (Kursänderungen) und Dividenden (vgl. Deutsche Bundesbank: Das Spar- und Anlageverhalten privater Haushalte in Deutschland vor dem Hintergrund des Niedrigzinsumfelds, Monatsbericht Oktober 2015)</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="922" height="534" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Reale-Vermoegensrendite.jpg" alt="Reale Vermögensrendite entlang der Nettovermögensverteilung" class="wp-image-1867" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Reale-Vermoegensrendite.jpg 922w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Reale-Vermoegensrendite-300x174.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Reale-Vermoegensrendite-768x445.jpg 768w" sizes="(max-width: 922px) 100vw, 922px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Gegenüber der realen Rendite des Finanzportfolios falle vor allem für die Haushalte in der oberen Hälfte der Vermögensverteilung die reale Vermögensrendite spürbar höher aus. Hauptgrund für die Unterschiede sei das im Vergleich zur oberen Hälfte der Vermögensverteilung geringe Immobilien- und Sachvermögen der unteren Hälfte. Die reale Vermögensrendite der Haushalte im Sektor 50 bis 99 Prozent der Verteilung habe in etwa zu 90 Prozent auf den Beiträgen des Immobilienvermögens basiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da das Immobilienvermögen im Beobachtungszeitraum neben Aktien im Durchschnitt die höchste reale Rendite aller Vermögenskomponenten aufgewiesen habe, hätten die Haushalte in der oberen Verteilungshälfte eine deutlich höhere Gesamtrendite erzielt. Die reale Rendite von Immobilien sei durchgängig positiv gewesen und von gut drei Prozent im Jahr 2009 auf etwa elf Prozent zu Beginn des Jahres 2022 gestiegen. Die realen Renditen des finanziellen sowie des nichtfinanziellen Betriebsvermögens seien im Vergleich hierzu volatiler und im Mittel auch niedriger ausgefallen (vgl. S. 31, 32, 37) .</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Rendite der oberen zehn Prozent der Vermögensverteilung sei im Betrachtungszeitraum maßgeblich durch die Rendite von Kapitalmarktinstrumenten geprägt worden. Insbesondere positive Kursentwicklungen hätten hier zu hohen Renditen beigetragen, die sich in einer entsprechenden Gesamtrendite niederschlügen (vgl. S. 29).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="452" height="800" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Durchschnittl.-Rendite-u.-Inflationskomponente.jpg" alt="Durchschnittliche Rendite und Inflationskomponente" class="wp-image-1868" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Durchschnittl.-Rendite-u.-Inflationskomponente.jpg 452w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Durchschnittl.-Rendite-u.-Inflationskomponente-170x300.jpg 170w" sizes="(max-width: 452px) 100vw, 452px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch für das obere Prozent der Vermögensverteilung leistete das Immobilienvermögen einen spürbaren Beitrag zur Gesamtrendite. Diese wurde jedoch zusätzlich durch einen merklichen Beitrag des Betriebsvermögens gesteigert (vgl. S. 32). Die durchschnittliche reale Rendite habe für das oberste Prozent etwa 1,5 Prozent betragen (vgl. S. 28).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vermögensverteilung und Portfoliostruktur im internationalen Vergleich</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Betrachtung der Nettovermögensverteilung und Portfoliostruktur der privaten Haushalte in Deutschland im internationalen Vergleich zeigt laut Bundesbank, dass sich das Nettovermögen in Deutschland ungleicher als im Euroraum verteile, aber weniger konzentriert sei als in den USA. Demnach sei der Anteil der vermögendsten zehn Prozent der Haushalte im Euroraum zum Jahresende 2021 im Vergleich zu Deutschland etwas geringer gewesen, in den USA aber erkennbar höher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Anteil der nächsten 40 Prozent sei in Deutschland in etwa so hoch wie im Euroraum, aber deutlich größer als in den USA. Ähnlich gering wie in den USA sei in Deutschland der Anteil der vermögensärmeren 50 Prozent der Haushalte am gesamten Nettovermögen. Im Euroraum liege dieser hingegen erkennbar höher. Die Nettovermögensverteilung habe sich in Deutschland gegenüber dem ersten Vierteljahr 2011 nur leicht geändert (vgl. S. 24)</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="943" height="537" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Verteilung-Vermoegenswerte-u.-Verbindlichkeiten.jpg" alt="Verteilung von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten" class="wp-image-1870" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Verteilung-Vermoegenswerte-u.-Verbindlichkeiten.jpg 943w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Verteilung-Vermoegenswerte-u.-Verbindlichkeiten-300x171.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Verteilung-Vermoegenswerte-u.-Verbindlichkeiten-768x437.jpg 768w" sizes="(max-width: 943px) 100vw, 943px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verteilung verschiedener Vermögenskomponenten zwischen den Vermögensgruppen unterscheide sich nur unwesentlich. So gehöre fast das gesamte Immobilienvermögen in etwa je zur Hälfte den oberen zehn Prozent und den nächsten 40 Prozent der Verteilung. Anteilsrechte und Betriebsvermögen befänden sich fast ausschließlich im Besitz der oberen zehn Prozent der Verteilung. (vgl. S. 24f.)</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph">Mit den Ergebnissen der Bundesbank-Studie beschäftigt sich unter anderem Daniel Stelter in der 149. Folge seines Podcasts „bto 2.0”.</p>



<script class="podigee-podcast-player" src="https://player.podigee-cdn.net/podcast-player/javascripts/podigee-podcast-player.js" data-configuration="https://bto.podigee.io/149-neue-episode/embed?context=external"></script>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/vermoegen-der-deutschen-warum-die-ungleichheit-sinkt-18208542.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">F.A.Z.</a> (Paywall) hat das Thema ebenso aufgegriffen wie die <a href="https://www.welt.de/wirtschaft/plus240067525/Vermoegensentwicklung-Der-truegerische-Wohlstand-der-Deutschen.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Welt</a> (Paywall).</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensungleichheit-gesunken/">Bundesbank: Vermögensungleichheit gesunken &#8211; erhebliche Unterschiede bei Vermögensstruktur und Portfoliorendite</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a> und wurde geschrieben von <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/author/nicolaihammersen/">Dr. Nicolai Hammersen</a>.</p>
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		<title>Vermögensverteilung in Deutschland 1895 bis 1918</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. Nicolai Hammersen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Aug 2022 12:05:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Studien]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Charlotte Bartels]]></category>
		<category><![CDATA[Moritz Schularick]]></category>
		<category><![CDATA[Thilo Albers]]></category>
		<category><![CDATA[Vermögensungleichheit]]></category>
		<category><![CDATA[Vermögensverteilung]]></category>
		<category><![CDATA[Wealth and its Distribution in Germany]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a><br />
<img src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/02/justice-gecb830231_1920.jpg" style="display: block; margin: 1em auto"><br />
<a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven - Journal für die Diskussion der gesellschaftlichen Aspekte von Vermögen.</a></p>
<p>Thilo N. H. Albers (Humboldt Universität Berlin), Charlotte Bartels (DIW Berlin) und Moritz Schularick (Universität Bonn) haben mit dem Beitrag „Wealth and its Distribution in Germany, 1895-2018“ die erste umfassende Studie über die Vermögensverteilung in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-in-deutschland/">Vermögensverteilung in Deutschland 1895 bis 1918</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a> und wurde geschrieben von <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/author/nicolaihammersen/">Dr. Nicolai Hammersen</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Thilo N. H. Albers (Humboldt Universität Berlin), Charlotte Bartels (DIW Berlin) und Moritz Schularick (Universität Bonn) haben mit dem Beitrag <strong><a href="https://wid.world/wp-content/uploads/2022/06/WorldInequalityLab_WP2022_09_WealthDistributionGermany.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Wealth and its Distribution in Germany, 1895-2018“</a></strong> die erste umfassende Studie über die Vermögensverteilung in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert vorgelegt. Sie kombinieren Steuer- und Archivdaten, Haushaltsbefragungen, historische volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen und Vermögenslisten, um die Entwicklung der deutschen Vermögensverteilung auf lange Sicht zu analysieren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vermögen und seine Verteilung: die wesentlichen Ergebnisse</h3>



<p class="wp-block-paragraph">(1) <strong>Die Vermögenskonzentration in den Händen der obersten 1 Prozent in Deutschland sei langfristig um fast die Hälfte zurückgegangen, von fast 50 Prozent im Jahr 1895 auf heute 27 Prozent.</strong> Fast der gesamte Rückgang des Vermögensanteils der obersten 1 Prozent erfolgte in weniger als 40 Jahren, zwischen dem Ersten Weltkrieg und den ersten Jahren der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Zwischenkriegszeit und die Vermögensbesteuerung nach dem Zweiten Weltkrieg zeichneten sich als die großen Gleichmacher in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts aus. Seit den frühen 1950er Jahren bewege sich der Anteil der obersten 1 Prozent innerhalb einer engen Spanne. (Abbildung 1)</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1025" height="606" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-1.jpg" alt="Vermögensverteilung: Vermögensanteil der Top-1% und Bottom-50% in Deutschland, 1895-2018" class="wp-image-1832" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-1.jpg 1025w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-1-300x177.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-1-768x454.jpg 768w" sizes="(max-width: 1025px) 100vw, 1025px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Ein klarer Trend hin zu einem immer größeren Anteil der reichsten ein Prozent am Gesamtvermögen lässt sich nicht beobachten“</strong>, schreiben Albers, Bartels und Schularick in einem aktuellen Beitrag für die F.A.Z. („Der Reichtum der Deutschen“, F.A.Z., 1. August 2022, S. 16). Hinter dieser oberflächlichen Stabilität würden sich jedoch erhebliche Bewegungen in der Gesamtverteilung des Vermögens verbergen, insbesondere in den letzten Jahrzehnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">(2) <strong>Seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990 habe sich das durchschnittliche Vermögen der 50-90 Prozent fast verdoppelt und das der obersten 10 Prozent mehr als verdoppelt, während das durchschnittliche Vermögen der unteren 50 Prozent fast unverändert geblieben sei</strong> (Abbildung 8a). Diese Trends spiegelten sich in der Entwicklung des Medianvermögens für die verschiedenen Gruppen wider (Abbildung 8b). Das mediane Vermögen der 50-90 Prozent (70. Perzentil) stieg von etwa 200.000 Euro im Jahr 1993 auf fast 400.000 Euro im Jahr 2018. Das Medianvermögen der obersten 10 Prozent (95. Perzentil) stieg von etwa 600.000 Euro im Jahr 1993 auf fast 1,4 Millionen Euro im Jahr 2018.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="941" height="427" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-8.jpg" alt="Vermögenswachstum nach Gruppen, 1993-2018" class="wp-image-1834" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-8.jpg 941w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-8-300x136.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-8-768x348.jpg 768w" sizes="(max-width: 941px) 100vw, 941px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">(3) Die Bewertung von Vermögenswerten habe dabei eine wichtige Rolle gespielt. Nach der Wiedervereinigung im Jahr 1990 hätten zwei Trends die deutsche Vermögensverteilung geprägt: <strong>Die Haushalte an der Spitze der Verteilung erzielten beträchtliche Kapitalgewinne aufgrund des steigenden Unternehmensvermögens</strong> (Das Unternehmensvermögen ist die Summe des Eigenkapitals in (1) Aktiengesellschaften, (2) Gesellschaften mit beschränkter Haftung und Quasi-Kapitalgesellschaften und (3) Unternehmen ohne eigene Rechtspersönlichkeit.). <strong>Gleichzeitig verzeichnete die Mittelschicht große Wertzuwächse bei Wohnimmobilien</strong>, so dass sich der Abstand zwischen den Inhabern von Vermögenswerten der Ober- und der Mittelschicht nur mäßig vergrößerte. (Abbildung 10)</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="950" height="527" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-10.jpg" alt="Vermögenswachstum durch Veränderung der Kapitalrenditen, 1993-2018 und 2008-2018" class="wp-image-1836" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-10.jpg 950w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-10-300x166.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-10-768x426.jpg 768w" sizes="(max-width: 950px) 100vw, 950px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das reale Vermögen des Durchschnittshaushalts der unteren 50 Prozent stagnierte jedoch in den vergangenen vier Jahrzehnten.</strong> Das durchschnittliche Vermögen der ärmeren 50 Prozent der deutschen Gesellschaft habe Ende der 1970er Jahre bei rund 20.000 Euro gelegen. 40 Jahre später liege es inflationsbereinigt immer noch auf demselben Wert, führen Albers, Bartels und Schularick in der F.A.Z. dazu aus. Ohne Berücksichtigung der Sozialversicherungsansprüche habe sich <strong>der Anteil der unteren 50 Prozent am Gesamtvermögen von 5 Prozent im Jahr 1978 auf 2,8 Prozent im Jahr 2018 fast halbiert</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ergänzend zu der Darstellung von Albers, Bartels und Schularick zeigt die nachfolgende Grafik der Wealth Distribution Database die Entwicklung der Vermögensungleichheit in Deutschland von 1896 bis 2021.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="761" height="606" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Image-1.jpg" alt="Vermögensungleichheit, Deutschland, 1896-2021" class="wp-image-1838" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Image-1.jpg 761w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Image-1-300x239.jpg 300w" sizes="(max-width: 761px) 100vw, 761px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die prozentualen Anteile am Gesamtvermögen seit 1993 (weiter geht die Wealth Distribution Database bei den Bottom-50 % nicht zurück) sehen wie folgt aus:</p>



<figure class="wp-block-table"><table><tbody><tr><td></td><td class="has-text-align-center" data-align="center"><strong>1993</strong></td><td class="has-text-align-center" data-align="center"><strong>2001</strong></td><td class="has-text-align-center" data-align="center"><strong>2011</strong></td><td class="has-text-align-center" data-align="center"><strong>2021</strong></td></tr><tr><td><strong>Top-1 %</strong></td><td class="has-text-align-center" data-align="center">22,9</td><td class="has-text-align-center" data-align="center">26,1</td><td class="has-text-align-center" data-align="center">27,1</td><td class="has-text-align-center" data-align="center">29,7</td></tr><tr><td><strong>Top-10 %</strong></td><td class="has-text-align-center" data-align="center">53,2</td><td class="has-text-align-center" data-align="center">57,1</td><td class="has-text-align-center" data-align="center">58,8</td><td class="has-text-align-center" data-align="center">59,6</td></tr><tr><td><strong>Bottom-50 %</strong></td><td class="has-text-align-center" data-align="center">5,7</td><td class="has-text-align-center" data-align="center">3,9</td><td class="has-text-align-center" data-align="center">3,1</td><td class="has-text-align-center" data-align="center">3,4</td></tr></tbody></table><figcaption>Quelle: Wealth Distribution Database, <a href="https://wid.world/country/germany/" target="_blank" rel="noopener">https://wid.world/country/germany/</a></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Danach ist der <strong>Anteil der Bottom-50 % seit 1993 um 40 Prozent von 5,7 auf 3,4 Prozent zurückgegangen</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um diesen Rückgang zu verstehen, muss man sich darüber klar werden, dass <strong>die Kapitalrenditen zu unterschiedlichem Vermögenswachstum führten, da sich die Portfolios über die Vermögensverteilung hinweg systematisch und anhaltend unterschieden</strong>, so Albers, Bartels und Schularick (s. oben Abbildung 10). Sie weisen darauf hin, dass <strong>das Portfolio der Haushalte in der unteren Hälfte der Verteilung hauptsächlich aus Spareinlagen und anderen Finanzanlagen wie Lebensversicherungen mit niedrigen Renditen bestehe</strong>, die nicht an Wert gewonnen hätten. Für die deutsche Mittelschicht (50-90 Prozent) und die obere Mittelschicht sei dagegen das <strong>Wohneigentum</strong> mit einem Portfolioanteil von fast 60 Prozent bzw. 55 Prozent der wichtigste Vermögenswert. Schließlich werde <strong>Unternehmensvermögen</strong> zur dominierenden Vermögensklasse, wenn man zum obersten Perzentil der deutschen Vermögensverteilung aufsteige, und mache 50 Prozent des Vermögens aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Problem der divergierenden Kapitalrenditen bringen die Autoren folgendermaßen auf den Punkt: <strong>„Real estate wealth is the most important form of wealth for most households. In 2018, about 53% of total gross wealth is residential real estate.”</strong> Die <a href="https://vermoegensperspektiven.de/je-hoeher-die-wohneigentumsquote-desto-niedriger-die-vermoegensungleichheit/">viel zu geringe Wohneigentumsquote in Deutschland erweist sich einmal mehr als Problem – nicht zuletzt bei der Vermögensverteilung</a> mit Blick (auch) auf die untere Hälfte der Verteilung. Auch in der F.A.Z. legen die Autoren den Finger in die Wunde: <strong>„Ein breiterer Zugang auch ärmerer Haushalte zu Anlageklassen mit höheren langfristigen Renditen als Sparbücher bleibt ein Desiderat der Vermögensbildung in Deutschland.“</strong></p>



<h3 class="wp-block-heading">Vermögen und seine Verteilung: die Schlussfolgerungen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Eine zentrale Erkenntnis sei, dass in Deutschland, wie auch in anderen Ländern, <strong>Veränderungen in der Bewertung des vorhandenen Vermögens eine wichtige Rolle für Veränderungen in der Vermögensverteilung über längere Zeiträume spielten</strong>. Die Portfolios der Haushalte unterschieden sich innerhalb der Verteilung, so dass relative Preisänderungen auf den Aktien- und Immobilienmärkten den gesamten Vermögensbestand neu bewerteten und damit die gesamte Vermögensverteilung in quantitativ bedeutsamer Weise beeinflussten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten 70 Jahren habe der Vermögensanteil der obersten 1 Prozent um das Nachkriegsniveau geschwankt. Seit der Wiedervereinigung sei die <strong>Vermögenskonzentration an der Spitze nur mäßig angestiegen</strong>. Der Hauptgrund für diese Stabilität liege darin, dass die Mittelschicht erhebliche Zuwächse bei den Immobilienvermögen erzielt habe, wodurch die Konzentration an der Spitze abgeschwächt worden sei. <strong>Ein erheblicher Teil der Bevölkerung besitze jedoch kein Vermögen und habe daher nicht in vollem Umfang von den steigenden Aktien- oder Immobilienpreisen profitiert.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich: <strong>Zwischen 1993 und 2018 habe sich die Kluft zwischen den „Besitzenden“ und den „Habenichtsen“ deutlich vergrößert.</strong> In der unteren Hälfte der Verteilung sei das Vermögen kaum gewachsen, während sowohl die oberen 10 Prozent als auch die 50-90 Prozent der Haushalte ihr Vermögen in etwa verdoppelt hätten. Infolgedessen sei ein Haushalt in den obersten 10 Prozent der Vermögensverteilung heute im Durchschnitt 100 Mal reicher als ein Haushalt in der unteren Hälfte. Vor 25 Jahren habe der Unterschied noch das 50-fache betragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In ihrem Beitrag für die F.A.Z. gelangen Albers, Bartels und Schularick zu einem Resümee, von dem man sich wünschte, dass es in politischen Kreisen nicht nur gehört, sondern befolgt wird. Sie schreiben:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Für die gegenwärtige Debatte um die Vermögensverteilung liefert die historische Perspektive keine Argumente im Sinne einer zunehmenden Konzentration der Vermögen an der Spitze. Signifikant ist allerdings die wachsende Lücke zwischen Vermögen der oberen Hälfte der Gesellschaft, wo der Wert von Aktien- und Immobilienvermögen in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen ist, und der unteren Hälfte, wo die Vermögen in den letzten 40 Jahren stagnierten. Der fallende Anteil der unteren 50 Prozent am Gesamtvermögen und entsprechende <strong>Konzepte zum Vermögensaufbau für einkommensschwächere Haushalte verdienen aus diesem Blickwinkel mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit als weitgehend unbegründete Sorgen um eine wachsende Vermögenskonzentration an der Spitze.</strong>“</p><cite>Albers/Bartels/Schularick, F.A.Z., 1. August 2022, S. 16</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
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		<title>Zwischen Idealismus und Realismus: Was wohlhabende NextGens über ihre gesellschaftliche Verantwortung denken</title>
		<link>https://vermoegensperspektiven.de/nextgens-gesellschaftliche-verantwortung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. Nicolai Hammersen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Jun 2022 08:44:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Studien]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[gesellschaftliche Verantwortung]]></category>
		<category><![CDATA[Impact Investing]]></category>
		<category><![CDATA[NextGen]]></category>
		<category><![CDATA[Phineo]]></category>
		<category><![CDATA[Verantwortungseigentum]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a><br />
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<a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven - Journal für die Diskussion der gesellschaftlichen Aspekte von Vermögen.</a></p>
<p>Familienunternehmen machen einen großen Teil des Gesamtvermögens in Deutschland aus. Das Potential, mit diesem Vermögen einen positiven Beitrag für die Gesellschaft zu leisten, ist daher enorm. Wie sehen die NextGens, die Nachfolger und Erben von Familienunternehmen, ihr gesellschaftliches Engagement und [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/nextgens-gesellschaftliche-verantwortung/">Zwischen Idealismus und Realismus: Was wohlhabende NextGens über ihre gesellschaftliche Verantwortung denken</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a> und wurde geschrieben von <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/author/nicolaihammersen/">Dr. Nicolai Hammersen</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a><br />
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<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://vermoegensperspektiven.de/betriebsvermoegen-wichtig-fuer-reiche/">Familienunternehmen machen einen großen Teil des Gesamtvermögens in Deutschland aus</a>. Das Potential, mit diesem Vermögen einen positiven Beitrag für die Gesellschaft zu leisten, ist daher enorm. Wie sehen die NextGens, die Nachfolger und Erben von Familienunternehmen, ihr gesellschaftliches Engagement und das des Unternehmens? Um das herauszufinden, hat das <a href="https://www.whu.edu/de/fakultaet/entrepreneurship-and-innovation-group/institut-fuer-familienunternehmen-und-mittelstand/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Institut für Familienunternehmen und Mittelstand der WHU</a> – Otto Beisheim School of Management gemeinsam mit der <a href="https://www.phineo.org" target="_blank" rel="noreferrer noopener">PHINEO gAG</a> mehr als 100 NextGens, die Teile dieses Vermögens verwalten und/oder erben werden, zu Art, Umfang, Motivation, Zielen und Herausforderungen ihres gesellschaftlichen Engagements befragt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gesellschaftliches Engagement werde im Rahmen der <a href="https://www.phineo.org/magazin/forschungsprojekt-nextgen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Studie „NextGens zwischen Erbe und Idealismus“</a> sehr weit definiert und umfasse zum Beispiel klassische Philanthropie wie Spenden und Ehrenamt ebenso wie soziale oder nachhaltige Aktivitäten im Familienunternehmen. Außerdem beleuchte die Studie die Wahrnehmung der NextGens zu Instrumenten wie <a href="https://bundesinitiative-impact-investing.de/impact-investing/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Impact Investing</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im folgenden fassen wir die wesentlichen Ergebnisse der Studie zusammen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Warum engagieren sich NextGens gesellschaftlich?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">93 Prozent der befragten NextGens sei gesellschaftliches Engagement wichtig bis äußerst wichtig, während es für nur 7 Prozent nicht sehr wichtig oder unwichtig sei. Entsprechend sei das Engagement von 54 Prozent der NextGens in den letzten Jahren gestiegen und das von 30 Prozent gleichgeblieben, während es bei nur 16 Prozent gesunken sei (vgl. S. 14)</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="426" height="249" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/PhineoWHU_NextGen_0.jpg" alt="NextGens: Wichtigkeit gesellschaftlichen Engagements" class="wp-image-1794" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/PhineoWHU_NextGen_0.jpg 426w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/PhineoWHU_NextGen_0-300x175.jpg 300w" sizes="(max-width: 426px) 100vw, 426px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Dass Unternehmen eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft haben, dem stimmen rund 80 Prozent der Befragten voll und weitere 15 Prozent teilweise zu (vgl. S. 17).</p>



<p class="wp-block-paragraph">NextGens beschäftigte allerdings nicht nur die Frage, wie sie ihr Vermögen bestmöglich einsetzen können – sie dächten auch zunehmend über die Herkunft ihres Kapitals, ihren Wohlstand und die allgemeinen Vermögensstrukturen in der Gesellschaft nach. Die Studie zeige, dass dies in einigen Fällen ein sehr emotionales und schambehaftetes Thema für die jungen Familienunternehmer und Erben sei.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow" style="font-size:16px"><p>„Viele von ihnen finden die gesellschaftliche Vermögensverteilung ungerecht, und es ist ihnen unangenehm, zu der sehr vermögenden Schicht zu gehören – deshalb möchten sie ihre privilegierte Situation verantwortungsvoll nutzen (…).“</p><cite>Studie „NextGens zwischen Erbe und Idealismus“, S. 19</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">40 Prozent der Befragten stimmen der Aussage teilweise zu, die NextGens dächten anders über Eigentum nach als die Vorgängergeneration, 14 Prozent stimmen hier voll zu (vgl. S. 19f.).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wie engagieren sich NextGens gesellschaftlich?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Fast die Hälfte der NextGens verfolge das eigene Engagement über klassische philanthropische Instrumente wie beispielsweise Spenden oder ehrenamtliche Tätigkeiten. Nur ein geringerer Teil der befragten NextGens definiere ihr Engagement über die Auswahl von Vermögensanlagen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="797" height="505" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/Phineo-WHU_NextGen_1.jpg" alt="NetxGens: philanthropisch Engagement" class="wp-image-1795" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/Phineo-WHU_NextGen_1.jpg 797w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/Phineo-WHU_NextGen_1-300x190.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/Phineo-WHU_NextGen_1-768x487.jpg 768w" sizes="(max-width: 797px) 100vw, 797px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gründe, warum Vermögensanlagen noch nicht stärker als eine Möglichkeit für positiven „Impact“ genutzt werde, liege insbesondere in der Meinungsdiversität von Familien begründet, in denen oft wenig Aufgeschlossenheit gegenüber modernen Finanzinstrumenten vorherrsche, so die Studienautoren (vgl. S. 27).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die NextGens engagierten sich überwiegend in den Wirkungsbereichen Bildung, Umwelt, Armut, regionale Entwicklung und Gesundheit (vgl. S. 28). Das familiäre Engagement erfolge häufig über familieneigene Stiftungen und umfasse lokale Projekte, die oft langfristig über mehrere Generationen hinweg gefördert würden. 43 Prozent der Familienunternehmen, in denen die befragten NextGens tätig seien, engagierten sich bereits seit der Gründung des Unternehmens gesellschaftlich (vgl. S. 30f.). Nach Ansicht der NextGens muss aber noch mehr getan werden: Dass NextGens die Verantwortung haben, das gesellschaftliche Engagement der deutschen Familienunternehmen signifikant zu steigern, dem stimmen 26 Prozent voll und gut 40 Prozent teilweise zu (vgl. S. 32).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wie unterscheiden sich NextGens und die Vorgängergeneration(en)?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ein recht großer Teil der NextGens meint, ihr grundsätzliches Interesse an gesellschaftlichem Engagement sei höher als das der Vorgängergeneration(en).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="791" height="419" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/Phineo-WHU_NextGen_2a.jpg" alt="NextGens: Interesse an gesellschaftlichem Engagement gegenüber Vorgängergeneration" class="wp-image-1796" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/Phineo-WHU_NextGen_2a.jpg 791w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/Phineo-WHU_NextGen_2a-300x159.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/Phineo-WHU_NextGen_2a-768x407.jpg 768w" sizes="(max-width: 791px) 100vw, 791px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Dass es „viel höher“ sei, meinen 27 Prozent; 34 Prozent sagen, es sei „etwas höher“, während 30 Prozent ein „etwa gleiches“ Interesse ausmachen. Dass sich Unternehmen heute zu wenig gesellschaftlich engagierten, dem stimmen immerhin 18 Prozent „voll“ und 28 Prozent „teilweise“ zu (vgl. S. 81, 83).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über die Hälfte der NextGens gibt an, dass sie generell Unterschiede in ihrem Engagement verglichen mit der Vorgängergeneration wahrnehme. Demnach unterschieden sich das Engagement der heutigen und das der vorherigen Generation(en) am meisten mit Blick auf gewählte Formate, eine gestiegene Offenheit der Jüngeren gegenüber neuen Ansätzen, eine andere Motivation für das Engagement, neuen Wirkungsbereichen und der Strategieorientierung, die nach eigenen Angaben immer wichtiger werde (vgl. S. 35).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="794" height="578" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/Phineo-WHU_NextGen_2b.jpg" alt="NextGens: Wirkungsbereiche für zukünftiges Engagement" class="wp-image-1797" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/Phineo-WHU_NextGen_2b.jpg 794w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/Phineo-WHU_NextGen_2b-300x218.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/Phineo-WHU_NextGen_2b-768x559.jpg 768w" sizes="(max-width: 794px) 100vw, 794px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Inhaltlich liegen die größten Unterschiede zwischen den NextGens und den Vorgängergenerationen darin, dass sich die Nachfolger und Erben deutlich stärker für ein Engagement für Umwelt und Klima sowie für Bildung interessieren. Die Förderung von Kunst und Kultur – für die Vorgängergenerationen ein wichtiges Thema – tritt dagegen in den Hintergrund (vgl. S. 37).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="700" height="480" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/Phineo-WHU_NextGen_3.jpg" alt="NextGens: Haltung zu Verantwortungseigentum" class="wp-image-1798" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/Phineo-WHU_NextGen_3.jpg 700w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/Phineo-WHU_NextGen_3-300x206.jpg 300w" sizes="(max-width: 700px) 100vw, 700px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Im geschäftlichen Kontext seien NextGens offen für systemische Veränderungen. Sie beschäftigten sich beispielsweise mit neuen Rechtsformen wie dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Verantwortungseigentum" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Verantwortungseigentum</a>. Laut einer <a href="https://purpose-economy.org/content/uploads/purpose_book_de.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Studie der Purpose Foundation (2021)</a> befürworteten 72 Prozent des deutschen Mittelstandes dieses Konzept. In der Umfrage von Phineo/WHU habe sich allerdings herausgestellt, dass 16 Prozent der Befragten nicht wissen, was Verantwortungseigentum ist (vgl. S. 45).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass NextGens ihre Familienunternehmen grundlegend nachhaltiger aufstellen, sobald sie in der Verantwortung sind, davon sind 15 Prozent „voll“ und 40 Prozent „teilweise“ überzeugt. Dabei reicht Ihnen Philanthropie allein nicht.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="764" height="426" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/Phineo-WHU_NextGen_4.jpg" alt="NetGens: Nachhaltigkeit und Sinn" class="wp-image-1799" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/Phineo-WHU_NextGen_4.jpg 764w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/Phineo-WHU_NextGen_4-300x167.jpg 300w" sizes="(max-width: 764px) 100vw, 764px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Aussage, Unternehmen der Zukunft müssten im Kern nachhaltiger werden und sich mehr am Sinn als am Gewinn orientieren, dem stimmen 43 Prozent „voll“, 25 Prozent „teilweise“ zu (vgl. S. 44, 48).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Worauf achten NextGens bei der Verwaltung ihres Vermögens?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Viele NextGens stellten das Konstrukt einer Familienstiftung und die Funktion von (langjährigen) Family Offices in Frage. Ein Teil der befragten NextGens äußere sich zwar sehr wertschätzend über die meist enge und vertrauensvolle Beziehung zwischen den Family Offices und ihren Familien. Von einigen NextGens würden aber neben grundsätzlichen kritischen Überlegungen auch Funktion und Aufgabenbereiche von Family Offices skeptisch gesehen. Sie monierten, dass in der Zusammenarbeit der vorherigen Generationen mit den Family Offices oder weiteren Beratern Strukturen geschaffen wurden, die es der Nachfolgegeneration erschwerten, das eigene Engagement selbstbestimmt in die Tat umzusetzen. Sie haderten mit eingefahrenen Strukturen der Family Offices und den strategischen Eckpfeilern, die die Vorgängergenerationen gesetzt hätten (vgl. S. 56).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Interesse an nachhaltigen Investitionen sei bei vielen NextGens hoch. Die Ergebnisse aus der Umfrage belegen, dass NextGens mehr Wert auf eine positive gesellschaftliche Wirkung ihrer Kapitalanlagen legten als ihre Vorgängergeneration (vgl. S. 57). Allerdings analysiere oder messe nur eine Minderheit (30 Prozent) der NextGens laut eigener Aussage die Wirkung des eigenen Engagements. Eine Mehrheit (75 Prozent) berichte, sie habe bisher noch nicht einmal die Idee einer konsequenten Wirkungsmessung gehabt (vgl. S. 65).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei ihren Anlageentscheidungen schlössen viele NextGens Industrien und Unternehmen aus, die eine negative Wirkung aufwiesen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="806" height="447" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/Phineo-WHU_NextGen_5.jpg" alt="NextGens: Worin sie nicht investieren wollen" class="wp-image-1800" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/Phineo-WHU_NextGen_5.jpg 806w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/Phineo-WHU_NextGen_5-300x166.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/06/Phineo-WHU_NextGen_5-768x426.jpg 768w" sizes="(max-width: 806px) 100vw, 806px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch <a href="https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/impact-investing-120058" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Impact Investing</a> gewinne immer mehr an Bedeutung. Nicht umsonst gälten NextGens als treibende Kraft in diesem Bereich. Sie beleuchteten die familiäre Geldanlage der letzten Jahre und die damit verbundenen Strukturen kritisch. Rendite sei nicht mehr das einzige Kriterium beim Anlegen ihres Vermögens (vgl. S. 58ff.).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wohlstand als verunsichernder Faktor</h3>



<p class="wp-block-paragraph">An verschiedenen Stellen der Befragung werde deutlich, dass der Umgang mit dem eigenen Wohlstand zu einem verunsichernden Faktor werden könne. Einige NextGens äußerten sogar das Gefühl, ihr Wohlstand sei in der Gesellschaft ein Tabuthema. Dies gelte insbesondere dann, wenn ihnen das Vermögen noch nicht gehöre und sie es nicht „verdient” hätten, sondern erbten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast alle Befragten agierten mit großer Zurückhaltung, was die öffentliche Zurschaustellung von Engagement angehe. Dabei zeige sich oft ein Spannungsfeld zwischen den Interessen der NextGens und deren Wahrnehmung durch die Umwelt. Sie berichteten von ihrem persönlichen Wunsch, sich einzubringen, aber auch von der Notwendigkeit – besonders als Unternehmen – Engagement zur Imagepflege nutzen zu müssen. Gleichzeitig verspürten sie den Druck der Gesellschaft, sich gemeinnützig zu betätigen, fürchteten dabei aber negative Reaktionen der Umgebung, sobald sie sich zu sehr mit ihrem Engagement exponierten. NextGens wollten vermeiden, dass die Gesellschaft ihr Engagement negativ auslege, ihnen sogar Blue- und Greenwashing vorwerfe. Im schlimmsten Fall führten diese Unsicherheit und Angst vor Kritik dazu, dass NextGens sich überhaupt nicht engagierten (vgl. S. 75f.).</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/nextgens-gesellschaftliche-verantwortung/">Zwischen Idealismus und Realismus: Was wohlhabende NextGens über ihre gesellschaftliche Verantwortung denken</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a> und wurde geschrieben von <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/author/nicolaihammersen/">Dr. Nicolai Hammersen</a>.</p>
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		<title>Erbschaften verringern relative Vermögensungleichheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. Nicolai Hammersen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Mar 2022 09:32:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Studien]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Erbschaften]]></category>
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<p>Mit Blick auf Vermögensverteilung und Vermögensungleichheit spielt regelmäßig auch das Thema Erbschaften (und Schenkungen) eine wichtige Rolle. Eine gängige These hierzu lautet, dass Erbschaften die soziale Ungleichheit verstärken. Vereinfacht ausgedrückt: Durch Erbschaften werden die Reichen immer reicher, die Vermögensungleichheit wächst. [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Mit Blick auf <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-in-deutschland/">Vermögensverteilung</a> und Vermögensungleichheit spielt regelmäßig auch das Thema Erbschaften (und Schenkungen) eine wichtige Rolle. Eine gängige These hierzu lautet, dass Erbschaften die soziale Ungleichheit verstärken. Vereinfacht ausgedrückt: Durch Erbschaften werden die Reichen immer reicher, die Vermögensungleichheit wächst. Daher plädieren manche für eine deutlich höhere Erbschaftsteuer. Oder überhaupt für eine Erbschaftsteuer in Ländern, wo es diese nicht gibt, wie etwa in Österreich, Norwegen oder Australien. Zwei neuere Untersuchungen zur Bedeutung von Erbschaften in den beiden letztgenannten Ländern zeigen, dass das Thema differenzierter betrachtet werden muss.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ökonomische Effekte von Vermögenstransfers</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In der längeren Studie „<a href="https://www.pc.gov.au/research/completed/wealth-transfers/wealth-transfers.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wealth transfers and their economic effects</a>“ der „Productivity Commission“ der australischen Regierung kommen die Autoren zu dem Ergebnis, Vermögenstransfers führten zwar eindeutig zu einem Anstieg des Vermögens der reicheren Australier. Gemessen an dem Vermögen, das sie bereits besäßen, hätten die weniger wohlhabenden Australier jedoch einen viel größeren Zuwachs durch Vermögenstransfers erhalten. Das heiße, Vermögenstransfers erhöhten den Anteil des Vermögens der ärmeren Australier und verringerten die relative Vermögensungleichheit.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="930" height="576" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/04/Australian-Government-Productivity-Commission_Wealth-transfer-2021.jpg" alt="Australien: Erbschaften erhöhen die absolute Vermögensungleichheit, aber reduzieren die relative Vermögensungleichheit" class="wp-image-1709" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/04/Australian-Government-Productivity-Commission_Wealth-transfer-2021.jpg 930w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/04/Australian-Government-Productivity-Commission_Wealth-transfer-2021-300x186.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/04/Australian-Government-Productivity-Commission_Wealth-transfer-2021-768x476.jpg 768w" sizes="(max-width: 930px) 100vw, 930px" /><figcaption>Quelle: Australian Government | Productivity Commission, Wealth transfers and their economic effects, S. 6</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In den vergangenen zwei Jahrzehnten erhielten wohlhabendere Menschen in der Regel mehr Vermögenstransfers als ärmere Menschen, wodurch die absolute Vermögensungleichheit zugenommen habe (Abbildung 4, Feld a; <em>absolute </em>Vermögensungleichheit ist die Ungleichheit des Dollarwerts des von jeder Person in der Gesellschaft gehaltenen Vermögens). Das sei leicht nachvollziehbar, da wohlhabendere Eltern mehr Vermögen an ihre Kinder übertragen könnten und ihre Kinder auch ohne diese Transfers tendenziell wohlhabender seien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weniger offensichtliches Ergebnis – <strong>das sich jedoch in der Forschung für alle anderen Länder, für die Informationen verfügbar waren (Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und die Vereinigten Staaten), wiederfinde</strong> (siehe unten) – sei, dass Vermögenstransfers die relative Vermögensungleichheit verringerten. Der Grund: Wohlhabendere Menschen erhielten im Verhältnis zu ihrem vorhandenen Vermögen weniger Vermögenstransfers als ärmere Menschen (Abbildung 4, Feld b; <em>relative </em>Vermögensungleichheit ist die Ungleichheit des Anteils am Vermögen, den jede Person besitzt). Beispielsweise erhöhten die Transfers das Vermögen der untersten 20 Prozent (Quintil 1) der Vermögensverteilung im Verhältnis zu ihrem vorhandenen Vermögen um etwa das 30-fache im Vergleich zu den obersten 20 Prozent (Quintil 5).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar treffe es zu, so die australische Kommission, dass reichere Australier im Durchschnitt höhere Transfers erhielten und daher durch Vermögensübertragungen noch bessergestellt würden. Aber wenn die Menschen eine Erbschaft erhielten, seien sie schon weit im mittleren Alter – im Durchschnitt etwa 50 Jahre alt –, und viele stünden möglicherweise selbst kurz vor dem Ruhestand. Erbschaften wirkten sich zwar auf die wirtschaftliche Mobilität aus, da sie die Wahrscheinlichkeit erhöhten, dass wohlhabende Eltern wohlhabende Kinder haben, doch werde dieser Effekt durch den späten Zeitpunkt, zu dem sie empfangen werden, abgeschwächt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den meisten Szenarien werde davon ausgegangen, dass Vermögenstransfers die absolute Vermögensungleichheit erhöhten, aber die relative Vermögensungleichheit verringerten. Der Mechanismus sei derselbe wie oben beschrieben: Auch wenn wohlhabendere Menschen im Durchschnitt größere Vermögenstransfers erhielten, erhielten weniger wohlhabende Menschen Vermögenstransfers, die einen größeren Anteil ihres vorhandenen Vermögens ausmachten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vermögenstransfers haben die relative Vermögensungleichheit auch in anderen Ländern verringert, und zwar stärker als in Australien</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die folgende Grafik unterstreicht die oben getroffene Feststellung, dass Vermögenstransfers die relative Vermögensungleichheit auch in anderen Ländern verringern, darunter in Deutschland.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="934" height="684" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/04/Australian-Government-Productivity-Commission_Wealth-transfer-and-inequality.jpg" alt="Erbschaften reduzieren die relative Vermögensungleichheit auch in anderen Ländern, darunter in Deutschland." class="wp-image-1718" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/04/Australian-Government-Productivity-Commission_Wealth-transfer-and-inequality.jpg 934w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/04/Australian-Government-Productivity-Commission_Wealth-transfer-and-inequality-300x220.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/04/Australian-Government-Productivity-Commission_Wealth-transfer-and-inequality-768x562.jpg 768w" sizes="(max-width: 934px) 100vw, 934px" /><figcaption>Quelle: Australian Government | Productivity Commission, Wealth transfers and their economic effects, S. 50</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Als Quelle für (u.a.) Deutschland wird genannt: <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0165176520304614" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nolan, Brian/Palomino, Juan C./Van Kerm, Philippe/Morelli, Salvatore (2021): Intergenerational wealth transfers and wealth inequality in rich countries: What do we learn from Gini decomposition? Economics Letters, vol. 199, p. 109701</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die (Un)Wichtigkeit von Erbschaften</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In dem Arbeitspapier „<a href="https://www.nber.org/papers/w29693" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The (un)importance of inheritance</a>“ (Working Paper 29693, National Bureau of Economic Research) hat die Columbia-Ökonomin Sandra Black mit ihren Ko-Autoren Paul Deveraux (University College Dublin), Fanny Landaud und Kjell Salvanes (beide Norwegian School of Economics) für die 19-jährige Periode von 1995 bis 2013 für die norwegische Bevölkerung untersucht, welchen Anteil kapitalisierte Schenkungen und Erbschaften an den Gesamtzuflüssen haben, die einer Person zur Verfügung stehen (definiert als kapitalisierte Summe des Nettoarbeitseinkommens, der staatlichen Transfers und der während des Zeitraums erhaltenen Schenkungen und Erbschaften).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ausgangsfrage der Autoren lautet: Bekommen die reichsten Schichten der Gesellschaft ihr Geld hauptsächlich durch Erbschaften und Schenkungen, oder stammen ihre Mittel überwiegend aus Arbeit, ohne Erbschaften oder Schenkungen unter Lebenden?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Schenkungen und Erbschaften nur einen geringen Anteil an den Gesamtzuflüssen haben, nämlich etwa drei bis sechs Prozent je nach Alter (vgl. S. 18; an einer anderen Stelle heißt es, sei seien zwei bis fünf Prozent, vgl. S. 4); ihr Beitrag werde von dem der Arbeitseinkommen und der staatlichen Transfers dominiert. Schenkungen und Erbschaften hätten einen etwas größeren Anteil an den Gesamtzuflüssen für Personen, die bei den Gesamtzuflüssen oder beim Nettovermögen zu dem obersten ein Prozent gehörten, mit einem Verhältnis von Schenkungen und Erbschaften zu den Gesamtzuflüssen (GI-Verhältnis) von sechs bzw. zehn Prozent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies deute darauf hin, dass Erbschaften und Schenkungen nicht die Hauptquelle des Vermögens seien, auch nicht bei den sehr Wohlhabenden. Darüber hinaus sei die GI-Quote im Durchschnitt an allen Punkten der Verteilung des Arbeitseinkommens niedrig, was darauf hindeute, dass Arbeitseinkommen und Erbschaften keine Substitute seien. Allerdings machten Schenkungen und Erbschaften bei einer kleinen Zahl von Personen, die vermögende Eltern haben, einen großen Teil der Ressourcen aus; die GI-Quote betrage etwa 40 Prozent für Personen, deren Eltern zu den obersten 0,1 Prozent der Nettovermögensverteilung im Jahr 1994 gehörten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wichtig sei, so die Autoren weiter, dass Schenkungen und Erbschaften nur sehr geringe Auswirkungen auf die Verteilung der Gesamtzuflüsse hätten; rechnete man die tatsächlichen Schenkungen und Erbschaften heraus, sei die Verteilung der Gesamtzuflüsse recht ähnlich. Da sich Erbschaften kaum auf die Verteilung der gesamten Lebenszeitressourcen oder auf Ungleichheitsmaße auswirkten, seien Maßnahmen, die auf Erbschaftsteuern zur Reduzierung der Ungleichheit setzten, wahrscheinlich nicht wirksam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Umstand, dass das Arbeitseinkommen ein Hauptfaktor für die Ungleichheit bei den Gesamtzuflüssen sei, deute darauf hin, dass eine größere Chancengleichheit ab der frühen Kindheit eine wichtige Rolle bei der Angleichung der Vermögensverteilung spielen könnte. Humankapital – eine Schlüsseldeterminante des Arbeitseinkommens – könnte ein entscheidender Faktor für das Verständnis der großen Wohlstandsunterschiede in der modernen Welt sein, schreiben Black et al. abschließend.</p>
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