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	<title>Vermögensungleichheit &#8211; Vermögensperspektiven</title>
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	<description>Journal für die Diskussion der gesellschaftlichen Aspekte von Vermögen.</description>
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	<title>Vermögensungleichheit &#8211; Vermögensperspektiven</title>
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		<title>Rentenvermögen reduzieren Vermögensungleichheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. Nicolai Hammersen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Nov 2023 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a><br />
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<a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven - Journal für die Diskussion der gesellschaftlichen Aspekte von Vermögen.</a></p>
<p>Dass Rentenvermögen oder (exakter) Vermögen aus Anwartschaften an die Alterssicherungssysteme — wir haben sie in diesem Journal bisher Altersvorsorgevermögen genannt — die Vermögensungleichheit reduzieren, ist an sich nicht neu. Auch wir haben verschiedentlich darauf hingewiesen (siehe hier, hier und hier). [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/rentenvermoegen-reduzieren-vermoegensungleichheit/">Rentenvermögen reduzieren Vermögensungleichheit</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a> und wurde geschrieben von <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/author/nicolaihammersen/">Dr. Nicolai Hammersen</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a><br />
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<a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven - Journal für die Diskussion der gesellschaftlichen Aspekte von Vermögen.</a></p>

<p>Dass Rentenvermögen oder (exakter) Vermögen aus Anwartschaften an die Alterssicherungssysteme — wir haben sie in diesem Journal bisher Altersvorsorgevermögen genannt — die Vermögensungleichheit reduzieren, ist an sich nicht neu. Auch wir haben verschiedentlich darauf hingewiesen (siehe <a href="https://vermoegensperspektiven.de/rentenansprueche-reduzieren-vermoegensungleichheit/">hier</a>, <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-weniger-ungleich/">hier</a> und <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-schief-dargestellt/">hier</a>). Neu ist, dass diese Erkenntnis nun auch in weiten Teilen der Medien zur Kenntnis genommen wird. Der Anlass: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat in seinem <a href="https://www.diw.de/de/diw_01.c.884915.de/publikationen/wochenberichte/2023_45_1/rentenvermoegen_macht_grossteil_des_vermoegens_der_aermeren_bevoelkerungshaelfte_in_deutschland_aus.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wochenbericht 45/2023</a> im November die Ergebnisse einer aktuellen Studie veröffentlicht. Diese Studie berücksichtigt auf Basis von SOEP-Daten (SOEP = <a href="https://www.diw.de/de/diw_01.c.412809.de/sozio-oekonomisches_panel__soep.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sozio-oekonomisches Panel</a>) bei der Vermögensbetrachtung auch das Rentenvermögen.</p>



<p>In der medialen Berichterstattung dazu heißt es unisono, das DIW habe bei einer Untersuchung „erstmals” die Altersvorsorgeansprüche berücksichtigt. So schreiben es die <a href="https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vermoegensverteilung-ungleichheit-reichtum-rentenanspruch-1.6299789" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Süddeutsche Zeitung</a>, <a href="https://www.welt.de/wirtschaft/article248418686/Vermoegen-Aermere-Haushalte-mit-deutlich-hoeherem-Anteil-an-Vermoegen-als-bisher-gedacht.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Welt</a>, <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ungleichheit-aermere-haushalte-haben-etwas-mehr-vermoegen-als-bislang-gedacht-a-8ae13dba-91b2-4b78-888e-364beb0ad33e" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Spiegel</a>, <a href="https://www.zeit.de/wirtschaft/2023-11/deutsches-institut-fuer-wirtschaftsforschung-rente-vermoegen-armut-ungleichheit" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Zeit</a>, die <a href="https://www.wiwo.de/politik/konjunktur/rente-bericht-aermere-haushalte-mit-hoeherem-anteil-am-vermoegen-als-bislang-gedacht/29488536.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wirtschaftswoche</a> und <a href="https://www.n-tv.de/ticker/Rente-macht-Grossteil-des-Vermoegens-der-aermeren-Bevoelkerungshaelfte-in-Deutschland-aus-article24516992.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">NTV</a>. Da bereits mehrere Studien in der Vergangenheit — auch vom DIW — untersucht haben, wie sich Ansprüche an der Alterssicherungssysteme auf die Vermögensverteilung auswirken (s. dazu unten), ist es wohl eher so, dass die Medien anlässlich des aktuellen DIW-Wochenberichts „erstmals” davon Kenntnis nehmen.</p>



<p>Rentenansprüche machten ein Drittel des Vermögens aller Haushalte in Deutschland aus und seien damit nach dem Immobilienvermögen der wichtigste Baustein im erweiterten Vermögensportfolio der Haushalte, schreibt das DIW in seiner <a href="https://www.diw.de/de/diw_01.c.884879.de/rentenansprueche_haben_grosse_bedeutung_fuer_vermoegenssituation_aermerer_haushalte.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Pressemitteilung zur Studie</a>. Diese Rentenansprüche setzten sich aus der gesetzlichen und betrieblichen Altersvorsorge sowie Pensionen zusammen und seien damit nur ein vermögensähnlicher Wert. Für die ärmere Hälfte der Bevölkerung spielten diese vermögensähnlichen Ansprüche eine deutlich größere Rolle als für die reichere: Rund 70 Prozent des Vermögens der ärmeren Hälfte besteht aus diesen Rentenansprüchen. Je weiter man in der Vermögenspyramide nach oben blickt, desto geringer wird der Anteil der Rentenansprüche am erweiterten Vermögensportfolio.</p>



<p>„Üblicherweise werden diese Versicherungsansprüche nicht in der Vermögensverteilung berücksichtigt, da sie kein beleihbares oder veräußerbares Geld- oder Sachvermögen darstellen; für viele sind sie aber ein wichtiger Baustein ihrer Altersvorsorge”, argumentiert das DIW für die Einbeziehung der Rentenansprüche bei einer erweiterten Vermögensbetrachtung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Einbeziehung der Rentenvermögen</h3>



<p>Die Studienautoren merken dazu an, es werde kritisch diskutiert, ob Rentenansprüche an eine gesetzliche Rentenversicherung analog zur privaten Altersvorsorge in die Vermögensberechnung einbezogen werden sollten. So gebe es Stimmen, die einwendeten, die Einbeziehung des Rentenvermögens setze die Einbeziehung aller versprochenen künftigen staatlichen Transfers voraus (so etwa Emmanuel Saez und Gabriel Zucman). In ihrer Untersuchung <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0165176523003245" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Accounting for pension wealth, the missing rich and under-coverage: A comprehensive wealth distribution for Germany”</a>, die dem DIW-Wochenbericht zugrundeliegt, schreiben Charlotte Bartels, Timm Bönke, Rick Glaubitz, Markus M. Grabka und Carsten Schröder, auch wenn das Rentenvermögen als Ersatz für marktfähiges Vermögen dienen könne, seien seine Funktionen und seine Verwendungsfreiheit begrenzt. Rentenvermögen sei nicht übertragbar und unterscheide sich daher erheblich von marktfähigen Vermögenswerten wie Finanzanlagen oder Immobilien.</p>



<p>Bartels et al. betrachten die Einbeziehung des Rentenvermögens gleichwohl als ersten Schritt zu einem umfassenden Vermögenskonzept, das auch andere künftige Sozialversicherungsansprüche wie den Geldwert der Pflegeversicherung einbeziehen würde. Künftige Rentenansprüche stellten jedoch die unmittelbarste Ergänzung zum Standardvermögen dar, da sie nach Erreichen des Rentenalters fließen würden; damit seien sie ein Pendant zu der im Nettovermögen enthaltenen privaten Altersvorsorge.</p>



<p>Auch die bessere Vergleichbarkeit spielt für Bartels et al. eine Rolle: Die Hinzufügung des Nettogegenwartswertes des Rentenvermögens zum marktfähigen Vermögen, um das „erweiterte Vermögen” zu berechnen, sei ein wichtiger Schritt, um die Vermögensverteilung zwischen Gruppen mit unterschiedlichem Rentenversicherungsschutz — gesetzlich Abgesicherte (Angestellte oder Beamte) und diejenigen ohne Versicherungspflicht (Selbständige) — vergleichbarer zu machen. Auch ließen sich Vermögensunterschiede zwischen Ländern mit unterschiedlichen institutionellen Rahmenbedingungen hinsichtlich der Altersvorsorgesysteme besser erklären.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Rentenvermögen macht Großteil der Vermögen der unteren Hälfte aus</h3>



<p>Das DIW hat in seiner aktuellen Studie die Vermögensverteilung anhand der Vermögensportfolios für vier Gruppen untersucht, die sich als Standard etabliert haben: die unteren 50 Prozent, die Mittelschicht (von der Mitte der Vermögensverteilung bis zu den oberen 90 Prozent, 50. bis 90. Perzentil), die Oberschicht (die obersten zehn Prozent ohne das oberste Prozent, 90. bis 99. Perzentil) und die Top-Vermögenden (das oberste Prozent).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="577" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/12/Portfolios-nach-Vermoegensgruppen-2017-1024x577.jpg" alt="Rentenvermögen dominanter Faktor bei unteren 50 Prozent" class="wp-image-2670" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/12/Portfolios-nach-Vermoegensgruppen-2017-1024x577.jpg 1024w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/12/Portfolios-nach-Vermoegensgruppen-2017-300x169.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/12/Portfolios-nach-Vermoegensgruppen-2017-768x432.jpg 768w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/12/Portfolios-nach-Vermoegensgruppen-2017.jpg 1293w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p>In der unteren Hälfte der Vermögensverteilung macht der Rentenvermögen 70 Prozent des erweiterten Vermögens aus. Auch für die Mittelschicht spielt das Rentenvermögen mit rund 45 Prozent die wichtigste Rolle, allerdings rangieren bereits hier Immobilien auf Rang zwei. Das Immobilienvermögen spielt für die Oberschicht gar die wichtigste Rolle im Vermögensportfolio, während Finanz- und Rentenvermögen mit 26, 27 Prozent in etwa gleichauf liegen. Für das oberste Prozent spielen Rentenvermögen mit kaum drei Prozent keine große Rolle mehr. Mit deutlichem Abstand vor allen anderen Vermögensgruppen sind Betriebsvermögen die dominierende Vermögenskomponente. Immobilien und Finanzvermögen folgen auf den Plätzen zwei und drei.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Rentenvermögen verändern die Vermögensverteilung</h3>



<p>Werden die Rentenansprüche bei der Vermögensbetrachtung berücksichtigt, sinkt die Vermögensungleichheit. In der DIW-Studie heißt es dazu: „Das Hinzufügen des Rentenvermögens erhöht den Anteil des Vermögens am Gesamtvermögen in der unteren Hälfte der Verteilung erheblich. Da das Rentenvermögen den dominanten Teil im Vermögensportfolio der ärmeren 50 Prozent der Haushalte darstellt, steigt ihr Vermögensanteil im Jahr 2017 von zwei Prozent, wenn nur das Nettovermögen berücksichtigt wird, auf neun Prozent, wenn auch ihr Rentenvermögen einbezogen wird. Im Gegensatz dazu sinkt der Vermögensanteil der Top-Vermögenden von 30 auf 20 Prozent, wenn das Rentenvermögen berücksichtigt wird. (…) Damit <strong>senkt die Einbeziehung des Rentenvermögens auch die gemessene Vermögensungleichheit</strong>.”</p>



<p>Die Anteile der Bevölkerung am Gesamtvermögen ohne und mit Rentenvermögen zeigt die folgende Abbildung:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="512" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/12/Vermoegensverteilung-ohne-und-mit-Rentenvermoegen-1024x512.jpg" alt="Vermögensverteilung ohne und mit Rentenvermögen" class="wp-image-2673" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/12/Vermoegensverteilung-ohne-und-mit-Rentenvermoegen-1024x512.jpg 1024w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/12/Vermoegensverteilung-ohne-und-mit-Rentenvermoegen-300x150.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/12/Vermoegensverteilung-ohne-und-mit-Rentenvermoegen-768x384.jpg 768w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/12/Vermoegensverteilung-ohne-und-mit-Rentenvermoegen-1536x768.jpg 1536w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/12/Vermoegensverteilung-ohne-und-mit-Rentenvermoegen-2048x1024.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p>Dass sich die Vermögensungleichheit reduziert, wenn Rentenansprüche in das Haushaltsvermögen eingerechnet werden, ist schon länger bekannt. Nur wird in der Regel nicht darauf hingewiesen. Dabei liegt der Gedanke nicht fern, dass es für manche durchaus inopportun wäre, darauf hinweisen zu müssen, dass die Vermögensungleichheit eben nicht so hoch ist wie gewöhnlich dargestellt. Ausdrücklich soll damit die vorhandene Vermögensungleichheit nicht relativiert oder kleingeredet werden. Wenn wir aber über Vermögensungleichheit reden, müssen wir uns zunächst einen realistischen Blick auf die tatsächlichen Verhältnisse verschaffen. Politische Interessen, die Vermögensungleichheit möglichst hoch aussehen zu lassen, um weitere Umverteilungsmaßnahmen zu fordern, sind hier fehl am Platz.</p>



<p>Im folgenden fassen wir die bislang vorliegenden Erkenntnisse dazu zusammen, wie sich die Berücksichtigung der Rentenvermögen auf die Vermögensverteilung auswirkt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Frick/Grabka 2010</h4>



<p>Im <a href="https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.345838.de/10-3-1.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">DIW-Wochenbericht 3/2010 „Alterssicherungsvermögen dämpft Ungleichheit — aber große Vermögenskonzentration bleibt bestehen”</a> schreiben Joachim Frick und Markus Grabka, die erweiterte Messung des Gesamtvermögens unter Einbeziehung der Anwartschaften an Alterssicherungssysteme zeige „eine deutlich geringere Vermögensungleichheit als herkömmliche Analysen, die sich allein auf Geld- und Sachvermögen beziehen”. Durch die Berücksichtigung der Altersversorgungsansprüche sinke der Gini-Koeffizient auf 0,64, was einem Rückgang um gut 20 Prozent entspreche. Die Autoren konstatieren eine „<strong>massive Dämpfung der Ungleichheit durch Alterssicherungsvermögen</strong>”.</p>



<p>2013 haben Frick und Grabka ihre Erkenntnisse in dem Beitrag „Public pension entitlements and the distribution of wealth” für die von J. Gornick und M. Jäntti herausgegebene Publikation „Income Inequality: Economic Disparities and the Middle Class in Affluent Countries” (Stanford University Press) erneut ausgebreitet.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Bönke et al. 2016 (2019)</h4>



<p><a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-weniger-ungleich/">Timm Bönke et al.</a> haben 2016 (spätere Veröffentlichung 2019) die wohl erste Analyse für Deutschland vorgelegt, die das Rentenvermögen in einer Analyse der Vermögensungleichheiten für die gesamte deutsche Bevölkerung im Ruhestand und im Nicht-Ruhestand berücksichtigt (<a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/roiw.12371" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The joint distribution of net worth and pension wealth in Germany</a>, SOEPpapers 853-2016). Zur Vermögensverteilung kommen die Autoren zu folgendem Ergebnis: „Consistent with previous studies for Germany, the distribution of net worth is very unequal. Here the Gini coefficient is 0.785. The inclusion of pension wealth leads to a <strong>marked reduction of the Gini coefficient of roughly 25%</strong> to 0.594 for augmented wealth.”</p>



<h4 class="wp-block-heading">Bönke et al. 2017 (2020)</h4>



<p>Anfang 2017 (spätere Veröffentlichung 2020) legten <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-weniger-ungleich/">Timm Bönke et al. eine Folgeuntersuchung</a> vor (<a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/sjoe.12364" target="_blank" rel="noreferrer noopener">A Head-to-Head Comparison of Augmented Wealth in Germany and the United States</a>, SOEPpapers 899-2017), die Zahlen zum Vermögen nicht (wie 2016/2019) auf individueller Ebene, sondern auf Haushaltsebene bereitstellt. Dort heißt es: „The addition of <strong>pension wealth also reduces measured wealth inequalities</strong>: In the United States, the Gini coefficient drops from 0.892 for net worth to 0.701 for augmented wealth; in Germany from 0.765 to 0.511.” Das entspricht einem Rückgang um gut 33 Prozent.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Peichl et al. 2018</h4>



<p><a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-weniger-ungleich/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Andreas Peichl et al.</a>, ifo Zentrum für Makroökonomik und Befragungen, schreiben in ihrer 2018 vorgelegten Untersuchung „<a href="https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/pwp-2018-0028/html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ökonomische Ungleichheit in Deutschland – ein Überblick</a>”, es zeige sich, „dass durch die Berücksichtigung von Rentenansprüchen die Ungleichheit der Nettovermögen (Gini von 0,73) spürbar sinkt (auf 0,53)”. Die Berücksichtigung der Rentenansprüche führe „zu einer <strong>erheblichen Reduktion der gemessenen Vermögensungleichheit in Deutschland</strong>“, so das Fazit.</p>



<h4 class="wp-block-heading">vbw 2021</h4>



<p>Die <a href="https://vermoegensperspektiven.de/rentenansprueche-reduzieren-vermoegensungleichheit/">Studie der vbw</a> – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. „<a href="https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Gutachten/PDF/Gutachten_Gerechtes-Deutschland.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gerechtes Deutschland – Die Rolle der Vermögen</a>“, die im Auftrag der vbw vom Institut der deutschen Wirtschaft, Köln, erstellt wurde, kommt 2021 zu dem Ergebnis: In Deutschland sinkt der Gini-Koeffizient durch die Erweiterung um die Vermögensäquivalente aus der Altersvorsorge im Jahr 2017 um 22 Prozent von knapp 0,8 auf rund 0,6. Die Vermögensungleichheit in Deutschland werde durch Anwartschaften aus gesetzlichen, privaten und betrieblichen Altersvorsorgesystemen somit um 22 Prozent reduziert.</p>



<h4 class="wp-block-heading">DIW-Wochenbericht 50/2021</h4>



<p>Im <a href="https://www.diw.de/de/diw_01.c.831678.de/publikationen/wochenberichte/2021_50_1/grunderbe_und_vermoegensteuern_koennen_die_vermoegensungleichheit_verringern.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">DIW-Wochenbericht 50/2021</a> beschäftigt sich Stefan Bach mit der Frage, inwiefern ein Grunderbe und Vermögensteuern die Vermögensungleichheit verringern können. Sein einleitender Satz „Die Nettovermögen der privaten Haushalte sind in Deutschland besonders ungleich verteilt” ist mit folgender Fußnote versehen:</p>



<p>„Die Nettovermögen in konventioneller Abgrenzung bestehen aus Immobilien, Finanzvermögen und Versicherungsguthaben, Unternehmen und Unternehmensbeteiligungen, abzüglich Schulden. Dabei werden bestimmte Vermögenskomponenten ausgeschlossen, insbesondere das ‚Sozialvermögen’ in Form von Ansprüchen an die sozialen Sicherungssysteme, also vor allem die quantitativ bedeutsamen Anwartschaften an die Alterssicherungssysteme der Gesetzlichen Rentenversicherung, der Beamtenversorgung oder der betrieblichen Altersversorgung. Berücksichtigt man diese Vermögen durch Kapitalisierung der Versorgungsansprüche, <strong>reduziert sich die Vermögensungleichheit in Deutschland massiv</strong> – der Gini-Koeffizient sinkt um 24 Prozent.”</p>



<p>Seit mehr als zehn Jahren gibt es immer wieder Hinweise darauf, dass die Rentenvermögen die Vermögensverteilung deutlich verändern: „massive Dämpfung der Ungleichheit”, „marked reduction of the Gini coefficient”, „erhebliche Reduktion der gemessenen Vermögensungleichheit”, „reduziert sich die Vermögensungleichheit in Deutschland massiv”. Es wäre wünschenswert, wenn sich diese Erkenntnisse auf breiter Front durchsetzten und bei der Beschreibung der Vermögensverteilung und Vermögensungleichheit in Deutschland die Rentenvermögen grundsätzlich berücksichtigt würden.</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/rentenvermoegen-reduzieren-vermoegensungleichheit/">Rentenvermögen reduzieren Vermögensungleichheit</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a> und wurde geschrieben von <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/author/nicolaihammersen/">Dr. Nicolai Hammersen</a>.</p>
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		<title>Erben und Erbschaftsteuer (Teil 2)</title>
		<link>https://vermoegensperspektiven.de/erben-und-erbschaftsteuer-teil-2/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. Nicolai Hammersen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 May 2023 17:29:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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<a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven - Journal für die Diskussion der gesellschaftlichen Aspekte von Vermögen.</a></p>
<p>Geht es um Erben und Erbschaftsteuer ist der Hinweis auf die Vermögensungleichheit nicht weit. So beschäftigt sich beispielsweise in dem Wikipedia-Artikel zur Erbschaftsteuer in Deutschland ein ganzer Abschnitt mit dem Thema „Wachsende Vermögensungleichheit”, um eine „Ausweitung der Erbschaftsteuer als ‚effizienteste [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/erben-und-erbschaftsteuer-teil-2/">Erben und Erbschaftsteuer (Teil 2)</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a> und wurde geschrieben von <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/author/nicolaihammersen/">Dr. Nicolai Hammersen</a>.</p>
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<p>Geht es um Erben und Erbschaftsteuer ist der Hinweis auf die Vermögensungleichheit nicht weit. So beschäftigt sich beispielsweise in dem Wikipedia-Artikel zur Erbschaftsteuer in Deutschland ein ganzer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Erbschaftsteuer_in_Deutschland#Wachsende_Vermögensungleichheit" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Abschnitt mit dem Thema „Wachsende Vermögensungleichheit”</a>, um eine „Ausweitung der Erbschaftsteuer als ‚effizienteste Besteuerung’ (Stefan Bach, DIW; NH) von Vermögen” zu legitimieren. In diesem Abschnitt heißt es u.a.: „Bereits im Jahr 2010/11 stammten beim reichsten Prozent der Deutschen etwa 4/5 des Vermögens aus Erbschaften.” Als Quelle wird die Untersuchung <a href="https://web.archive.org/web/20150419135823/http://www.wiwiss.fu-berlin.de/fachbereich/vwl/boenke/forschung/publikationen/discpaper2015_10.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Erbschaft und Eigenleistung im Vermögen der Deutschen: Eine Verteilungsanalyse” von Timm Bönke, Giacomo Corneo und Christian Westermeier</a> angeben. Das Zitat soll belegen, dass die Reichsten ihr Vermögen zum überwiegenden Teil nicht selbst erarbeitet, sondern geerbt haben. Aber stimmt das auch?</p>



<p>So fassen Bönke/Corneo/Westermeier ihre Ergebnisse zusammen:</p>



<p>„Die PHF‐Daten (Bundesbank-Studie Private Haushalte und ihre Finanzen; NH) legen nahe, dass die Vermögen der deutschen Privathaushalte zu etwa ein Drittel auf Erbschaften und Schenkungen zurückgehen. Dieser Anteil verändert sich entlang der Vermögensverteilung wenig. Insbesondere <strong>nimmt die relative Bedeutung von Erbschaften mit zunehmendem Privatvermögen nicht systematisch zu</strong>. In unserem Basisszenario mit gemeinsamer Kapitalisierung ist eher der gegenteilige Zusammenhang zu beobachten: Während in der Mittelschicht gut 36 % des Vermögens auf Erbschaften zurückgeführt wird, <strong>beträgt dieser Wert in der Oberschicht nur 27 %</strong>. Trotz (…) Einschränkungen sind zumindest die Größenordnungen unserer Schätzergebnisse für die unteren 99 % der Vermögensverteilung solide empirisch untermauert. Für diesen überwiegenden Anteil der Bevölkerung zeigt unsere Untersuchung, dass <strong>Erbschaften im Schnitt keine dominierende Ursache der Vermögensbildung sind und dass die Rolle von Erbschaften mit dem Vermögen der Haushalte nicht an Bedeutung gewinnt. Wesentlich weniger gesichert sind unsere Ergebnisse für das oberste Perzentil der Vermögensverteilung</strong>.” (S. 32ff.; Hervorhebungen NH)</p>



<p>Genau auf dieses Perzentil aber hebt das Zitat in Wikipedia ab. Dass Erben für den weit überwiegenden Anteil der deutschen Bevölkerung (99 Prozent) keinen dominanten Einfluss auf die Vermögensbildung hat, und dass das Ergebnis für das oberste Perzentil „wesentlich weniger gesichert” ist – das wird nicht erwähnt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Behauptungen zur Vermögensungleichheit</h3>



<p>Von der Vermögensungleichheit wird regelmäßig behauptet, dass sie „ständig weiter wächst”, und dass Erben einen wesentlichen Anteil an der Vermögenskonzentration hat. Dazu ist folgendes festzuhalten:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Die Behauptung, die Vermögensungleichheit in Deutschland würde „ständig weiter wachsen” ist falsch. Die Vermögensungleichheit ist in Deutschland seit Jahren sogar leicht rückläufig (siehe <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensungleichheit-geht-zurueck/">hier</a>, <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensungleichheit-gesunken/">hier</a> und <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensungleichheit-ruecklaeufig/">hier</a>).</li>



<li>Regelmäßig lassen die Betrachtungen zur Vermögensungleichheit die Vermögensaquivalente aus den Altersvorsorgevermögen außer Betracht. Wird die Vermögensverteilung unter Berücksichtigung der Altersvorsorgevermögen untersucht, sinkt die Vermögensungleichheit deutlich (siehe <a href="https://vermoegensperspektiven.de/rentenansprueche-reduzieren-vermoegensungleichheit/">hier</a>, <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-weniger-ungleich/">hier</a> und <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-schief-dargestellt/">hier</a>).</li>



<li>Erben hat – wie wir oben gesehen keinen – für den weit überwiegenden Teil der deutschen Bevölkerung keinen dominanten Einfluss auf ihre Vermögensposition.</li>
</ul>



<p>Gleichwohl schreibt <a href="https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-07/erbschaft-vermoegensverteilung-ungleichheit-millionaere-soziale-gerechtigkeit" target="_blank" rel="noreferrer noopener">DIW-Präsident Fratzscher in einer ZEIT-Kolumne im Juli 2020</a>: „Aber der wichtigste Grund für die großen Unterschiede in den Vermögen in Deutschland ist ein anderer: Erbschaften. Über die Hälfte aller privaten Vermögen in Deutschland heute wurde nicht durch der eigenen Hände Arbeit, sondern durch Erbschaften und Schenkungen erzielt. Dies widerspricht dem Leistungsprinzip.” Und Jens Beckert und H. Lukas R. Arndt halten in ihrer Untersuchung „<a href="https://pure.mpg.de/rest/items/item_2327661/component/file_2327659/content" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Unverdientes Vermögen oder illegitimer Eingriff in das Eigentumsrecht? Der öffentliche Diskurs um die Erbschaftssteuer in Deutschland und Österreich</a>” fest: „Der von den Befürwortern der Steuer am zweithäufigsten angeführte Themenbereich ist der Umgang mit sozialer Ungleichheit und die Auswirkungen einer Erbschaftssteuer auf die Sozialstruktur (15 Prozent). Der bedeutendste Punkt dürfte hier die Forderung nach Umverteilung und Ausgleich von zu stark ausgeprägter Vermögensungleichheit sein. Die Erbschaftssteuer soll makrosozial zur Korrektur von sozialer Ungleichheit beitragen.” (S. 16)</p>



<p>Doch wie sieht es in Sachen Vermögensungleichheit und Erbschaften tatsächlich aus? Der <a href="https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.809822.de/21-5.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">DIW-Wochenbericht 5/2021</a> weist darauf hin, die Wirkung von Erbschaften und Schenkungen auf die Vermögensungleichheit sei wiederholt Gegenstand wissenschaftlicher Debatten. Dabei werde einerseits argumentiert, „dass Erbschaften und Schenkungen ungleich verteilt sind und hierbei vor allem einkommensstarke oder bereits vermögende Personen häufiger und auch höhere Summen erben oder geschenkt bekommen”. Dem werde andererseits entgegengehalten, „dass intergenerationale Transfers eine dämpfende Wirkung auf die Vermögensungleichheit haben, etwa wenn hohe Vermögen von wenigen – vorwiegend älteren – Menschen durch Erbschaften und Schenkungen an mehrere junge Menschen mit geringeren Vermögen verteilt werden”. (<a href="https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.809822.de/21-5.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">DIW-Wochenbericht 5/2021</a>, S. 68)</p>



<h3 class="wp-block-heading">Erben: Relative versus absolute Vermögensungleichheit</h3>



<p>Um diese unterschiedlichen Befunde nachvollziehen zu können, muss man den Unterschied zwischen relativer und absoluter Vermögensungleichheit betrachten. Grundsätzlich gilt hier: Mit Erhalt von intergenerationalen Transfers nimmt die relative Ungleichheit (gemessen am Gini-Koeffizienten) ab. Die absolute Vermögensungleichheit (gemessen an Vermögensdifferenzen in Euro) nimmt dagegen &#8211; je nach Ausgangsvermögen und Höhe der Erbschaft &#8211; zu.</p>



<p>Zu letzterem folgendes (adaptiertes) Beispiel des DIW: Eine Erbschaft in Höhe von beispielsweise 10.000 Euro bei einem Ausgangsvermögen von 20.000 Euro bedeute eine relative Vermögensveränderung von 50 Prozent; bei einer Erbschaft in Höhe von 40.000 Euro bei einen Ausgangsvermögen von 200.000 Euro mache die relative Bedeutung des Transfers nur 20 Prozent aus. Die relative Bedeutung selbst von kleinen Transfers sei damit am unteren Ende der Vermögensverteilung vergleichsweise groß, was insgesamt die relative Ungleichheit sinken lasse. Gleichzeitig nehme aber die absolute Ungleichheit zwischen den beiden Personen zu, da die Vermögensdifferenz um 30.000 Euro steige. (<a href="https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.809822.de/21-5.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">DIW Wochenbericht 5/2021</a>, S. 69)</p>



<p>Wenn man wie in diesem Beispiel jeweils einen Erben am unteren und am oberen Ende der Vermögensverteilung vergleicht, dann stimmt die Rechnung natürlich. Allerdings verschiebt sich die Vermögensmasse nicht nur zwischen den Generationen, sondern in der Regel auch von wenigen zu vielen. Der Grund: Viele Erbschaften gehen nicht nur an einen Erben, sondern verteilen sich auf mehrere. Erbschaften und Schenkungen führen daher nicht grundsätzlich zu einer höheren Konzentration der Vermögen, sondern sie sorgen sogar dafür, dass die Ungleichheit abnimmt, wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) herausgearbeitet hat. „Rechnet man die Erbschaften und Schenkungen aus dem Nettovermögen heraus, steigt der Gini-Koeffizient um 0,02 Punkte – das heißt, die Ungleichheit steigt”, <a href="https://www.iwd.de/artikel/erbschaften-reduzieren-ungleichheit-472930/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">schreibt das Institut</a>.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="1000" height="526" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/05/iwd_7_6-7-Erbschaft_Gini_D.webp" alt="Erben und Erbschaftsteuer: Erbschaften reduzieren Vermögensungleichheit" class="wp-image-2238" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/05/iwd_7_6-7-Erbschaft_Gini_D.webp 1000w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/05/iwd_7_6-7-Erbschaft_Gini_D-300x158.webp 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/05/iwd_7_6-7-Erbschaft_Gini_D-768x404.webp 768w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></figure>



<p>Die Grafik zeigt, dass dieser Effekt auch in anderen europäischen Ländern auftritt: Überall steige der Gini-Koeffizient ohne Erbschaften und Schenkungen um 0,02 bis 0,04 Punkte, so das IW. Diese Werte scheinen winzig und damit vernachlässigbar zu sein, tatsächlich aber gelte eine Veränderung des Gini-Koeffizienten um 0,03 Punkte als ein gesellschaftlich relevanter Effekt, der nur mit umfangreichen Änderungen im Steuer- und Transfersystem eintrete. (<a href="https://www.iwd.de/artikel/erbschaften-reduzieren-ungleichheit-472930/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">IWD, Juni 2020</a>)</p>



<p>Die Reduzierung der Ungleichheit durch Erbschaften und Schenkungen habe vor allem einen Grund: Für die Verteilungswirkung zähle zumeist nicht die absolute Höhe der Erbschaften, die für wohlhabende Haushalte meist höher ausfalle, sondern ihr relatives Gewicht zu bereits vorhandenen Vermögenswerten. „Dieses Gewicht ist für ärmere Haushalte in der Regel größer, sodass Erbschaften und Schenkungen zu einer Reduzierung der Nettovermögensungleichheit führen.” (<a href="https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Kurzberichte/PDF/2020/IW-Kurzbericht_2020_Erbschaften_und_Schenkungen.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">IW Kurzbericht, Juni 2020</a>)</p>



<p>Den gleichen Effekt haben auch Timm Bönke, Marten v. Werder und Christian Westermeier in ihrer Untersuchung „<a href="https://refubium.fu-berlin.de/bitstream/handle/fub188/22066/discpaper2016_26.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">How inheritances shape wealth distributions: An international comparison</a>” (Nov. 2016) beschrieben. Auf Basis der Daten des European Household Finance and Consumption Survey haben sie den Verteilungseffekt von intergenerationalen Vermögenstransfers auf die Vermögensverteilung in acht europäischen Ländern untersucht und mit aktuellen Ergebnissen für die USA verglichen. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, so die Autoren, dass Erbschaften und Schenkungen in allen acht Ländern eine stark ausgleichende Wirkung auf die Ungleichheit des Haushaltsvermögens haben. Die Vermögenstransfers in Prozent des Nettovermögens nähmen im Allgemeinen mit steigendem Haushaltsnettovermögen ab. Vermögenstransfers erhöhetn also den gesamten Vermögensanteil der ärmeren Haushalte und führten zu einer Verringerung der relativen Ungleichheit. (vgl. S. 4)</p>



<p>Eine jüngere <a href="https://vermoegensperspektiven.de/erbschaften-verringern-ungleichheit/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Untersuchungen zur Wirkung von Erbschaften und Schenkungen auf die Vermögensverteilung in Australien</a> kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Vermögenstransfers zwar eindeutig zu einem Anstieg des Vermögens der reicheren Australier führen. Gemessen an dem Vermögen, das sie bereits besitzen, haben die weniger wohlhabenden Australier jedoch einen viel größeren Zuwachs durch Vermögenstransfers erhalten. Das heißt: Vermögenstransfers erhöhen den Anteil des Vermögens der ärmeren Australier und verringerten die relative Vermögensungleichheit.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Erben: Relative oder absolute Ungleichheit – was ist „entscheidender”?</h3>



<p>Reduktion der Ungleichheit und Erhöhung der Ungleichheit – beide Effekte sind durch Erbschaften und Schenkungen gleichzeitig möglich, je nach Betrachtung der relativen oder der absoluten Ungleichheit, resümiert das DIW (<a href="https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.809822.de/21-5.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wochenbericht 5/2021</a>, S. 69). Und fügt folgende Wertung hinzu: „Doch im täglichen Leben ist für den einzelnen die Höhe der Transfers und damit die absolute Ungleichheit aussagekräftiger und entscheidender.” (ebd.) Ist es für den weniger Wohlhabenden wirklich „entscheidender” – um auf das obige Beispiel zurückzukommen –, dass die Vermögensdifferenz durch die beiden Erbfälle um 30.000 Euro gestiegen ist? Ist es für ihn nicht viel wichtiger, dass sich seine eigene Vermögensposition um 50 Prozent verbessert hat? Ist es nicht seltsam, dass immer dann gerne der Gini-Koeffizient, der die relative Vermögensungleichheit angibt, herangezogen wird, wenn er – wie gerne behauptet wird – steigt und steigt (s. oben)? Sinkt aber der Gini-Koeffizient für die Vermögensungleichheit durch Erbschaften und Schenkungen – ein Effekt, der in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen für diverse Länder nachgewiesen worden ist –, dann sucht man sich ein anderes Maß für die Ungleichheit (in unserem Fall die absolute Ungleichheit) und erklärt dieses für „aussagekräftiger und entscheidender”.</p>



<p>Martin Kohli et al. haben in ihrem Beitrag „<a href="https://www.eui.eu/documents/departmentscentres/sps/profiles/kohli/mkoerbschaften.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Erbschaften und ihr Einfluss auf die Vermögensverteilung</a>” (2006) darauf hingewiesen, „im überwiegenden Teil der Literatur zur Einkommens- und Vermögensverteilung und zu Armut und Reichtum” werde das relative Ungleichheitskonzept verwendet (S. 74). Auch Kohli und seine Koautoren kamen schon 2006 zu dem Ergebnis, „dass eine Zunahme der Ungleichheit der Vermögensverteilung aufgrund des Erbschaftsgeschehens mit der in der Armuts- und Reichtumsforschung üblichen Methode relativer Ungleichheitsmaße nicht nachgewiesen werden kann” (S. 58). Die Ergebnisse wiesen stattdessen darauf hin, dass Erbschaften auf die bestehende Vermögensverteilung tendenziell nivellierend wirkten, weil Haushalte, die ohne Erbschaften über keinerlei Vermögen verfügen würden, erst dadurch überhaupt in die Lage versetzt würden, ein (wenn auch vielleicht geringes) Vermögen aufzubauen. Der Vermögenszuwachs durch Erbschaften bei der Gruppe der ohnehin bereits vermögenden Haushalte sei hingegen von relativ geringem Gewicht und führe daher auch nicht zu einer höheren Konzentration des Gesamtvermögens (ebd.).</p>



<p>Dieser Befund ist seitdem vielfach bestätigt worden. Da aber wohl für manche nicht sein kann, was nicht sein darf, wird der durch Vermögenstransfers sinkenden relativen Ungleichheit die steigende absolute Ungleichheit an die Seite gestellt. Was man für wichtiger hält, mag jeder selbst entscheiden. Tatsächlich ist es eher so, wie es das IW beschrieben hat: Für die Verteilungswirkung zählt nicht die absolute Höhe des Erbes, sondern das relative Gewicht zum bereits vorhandenen Vermögen (<a href="https://www.iwd.de/artikel/erbschaften-reduzieren-ungleichheit-472930/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">IWD, Juni 2020</a>).</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>Zu Teil 1 der Serie „Erben und Erbschaftsteuer&#8220; geht es <a href="https://vermoegensperspektiven.de/erben-und-erbschaftsteuer-teil-1/" data-type="post" data-id="2217">hier</a>, zu Teil 3 <a href="https://vermoegensperspektiven.de/erben-und-erbschaftsteuer-teil-3/" data-type="post" data-id="2261">hier</a>.</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/erben-und-erbschaftsteuer-teil-2/">Erben und Erbschaftsteuer (Teil 2)</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a> und wurde geschrieben von <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/author/nicolaihammersen/">Dr. Nicolai Hammersen</a>.</p>
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		<title>Die Oxfam-Obsession</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. Nicolai Hammersen]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Feb 2023 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Studien]]></category>
		<category><![CDATA[Oxfam]]></category>
		<category><![CDATA[Umverteilung]]></category>
		<category><![CDATA[Ungleichheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a><br />
<img src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/02/arno-senoner-JSjdBEAJnCc-unsplash_1920x1280px.jpg" style="display: block; margin: 1em auto"><br />
<a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven - Journal für die Diskussion der gesellschaftlichen Aspekte von Vermögen.</a></p>
<p>Alle Jahre wieder dasselbe Ritual: Anlässlich des World Economic Forum (WEF) in Davos veröffentlicht die Entwicklungsorganisation Oxfam ihren „Ungleichheitsbericht”. Nach unseren Recherchen geschieht das in dieser Form seit 2014. Vereinfacht lässt sich die Kernbotschaft dieser Berichte mit „Die Reichen werden [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/die-oxfam-obsession/">Die Oxfam-Obsession</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a> und wurde geschrieben von <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/author/nicolaihammersen/">Dr. Nicolai Hammersen</a>.</p>
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<a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven - Journal für die Diskussion der gesellschaftlichen Aspekte von Vermögen.</a></p>

<p>Alle Jahre wieder dasselbe Ritual: Anlässlich des World Economic Forum (WEF) in Davos veröffentlicht die Entwicklungsorganisation Oxfam ihren „Ungleichheitsbericht”. Nach unseren Recherchen geschieht das in dieser Form seit 2014. Vereinfacht lässt sich die Kernbotschaft dieser Berichte mit „Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer” zusammenfassen. Für Oxfam ist die Lösung für diese von ihr diagnostizierte Entwicklung klar: deutlich mehr Umverteilung durch Vermögensteuern, Erbschaftsteuern etc. Die mediale Berichterstattung zu den Oxfam-Berichten folgt Jahr für Jahr auf dem Fuße. Illustriert werden die Artikel üblicherweise mit Bildern großer Yachten, die in irgendeinem Hafen auf ihre „superreichen” Besitzer warten.</p>



<p>Das „Wörterbuch der Soziologie” von Hartfiel/Hillmann (3. Aufl. 1982) definiert „Ritual” wie folgt: „‚Übung’, ‚Brauchtum’, expressiv betonte Haltung mit großer Regelmäßigkeit des Auftretens in gleicher Situation u. mit gleichem Ablauf. R.e sind zumeist traditionell ‚festgefahren’. Beim Auftreten oder bei der Annäherung entspr. Situationen tendieren die Verhaltenspartner spontan bzw. ohne bes. Entscheidung u. ohne Nachdenken über Funktion u. damit ‚Sinn’ ihres Tuns zum R.”</p>



<p>Eine sehr treffende Beschreibung für das, was alljährlich im Januar mit dem „Ungleichheitsbericht” von Oxfam abläuft. Dabei ist es nicht so, dass es über Ungleichheit und Verteilung nichts zu diskutieren gäbe. Im Gegenteil. Nur zeigt die Art und Weise, wie Oxfam das Thema behandelt, „zunehmend obsessive Züge”, <a href="https://www.nzz.ch/meinung/oxfam-studie-beschaeftigung-mit-reichsten-zeigt-obsessive-zuege-ld.1721461" target="_blank" rel="noreferrer noopener">wie Christoph Eisenring in seinem Kommentar in der <em>NZZ </em>anlässlich der Vorlage des jüngsten Oxfam-Berichts angemerkt hat</a>.</p>



<p>Eine Tour d’Horizon durch die Berichte der letzten zehn Jahre zeigt dies.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Oxfam-Berichte 2014-2023</h3>



<p>Schon <a href="https://www-cdn.oxfam.org/s3fs-public/file_attachments/bp-working-for-few-political-capture-economic-inequality-200114-en_3.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>2014</strong> spricht Oxfam</a> von einer „growing tide of inequality” und „extreme economic inequality” sowie von „extreme levels of wealth concentration”. Zu den Empfehlungen an das WEF gehört unter anderem „(to) support progressive taxation on wealth and income”. Außerdem sei die Eindämmung der „power of the rich to influence political processes and policies that best suit their interests” erforderlich.</p>



<p>„Global wealth is becoming increasing concentrated among a small wealthy elite”, heißt es in dem <a href="https://www-cdn.oxfam.org/s3fs-public/file_attachments/ib-wealth-having-all-wanting-more-190115-en.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Oxfam-Bericht im Januar <strong>2015</strong></a>. Hier taucht auch die Berechnung auf, nach der die 80 reichsten Personen der Welt genauso viel Vermögen besitzen, wie die untere Hälfte der Weltbevölkerung. Auch wenn der 2015er-Bericht von einer „inequality explosion” und „extreme inequality” spricht, ist der Ton (ähnlich wie 2014) insgesamt noch moderat. Für eine gerechte Verteilung der Steuerlast, um gleiche Ausgangsbedingungen zu schaffen, fordert Oxfam: „shifting the tax burden away from labour and consumption and towards wealth, capital and income from these assets; (…) national wealth taxes and exploration of a global wealth tax”. Das ist aber nur eine von insgesamt neun Forderungen zur Bekämpfung der Ungleichheit.</p>



<p><strong>2016</strong> gibt es erstmals eine deutsche Kurzfassung des umfangreicheren englischen Berichts. Sie trägt den Titel <a href="https://www.oxfam.de/system/files/20170116-oxfam-factsheet-wirtschaftssystem-fuer-alle.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Ein Wirtschaftssystem für die Superreichen. Wie ein unfaires Steuersystem und Steueroasen die soziale Ungleichheit verschärfen”</a>. Die Spirale der wachsenden sozialen Ungleichheit drehe sich weiter, heißt es einleitend, und werde weltweit zu einem „immer größeren Problem”: Mittlerweile besitze ein Prozent der Weltbevölkerung mehr Vermögen als der Rest der Welt zusammen. Nur 62 Menschen besäßen genauso viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Ein wesentlicher Grund für die zunehmende Konzentration und Ungleichverteilung von Vermögen und Einkommen seien die hohen Renditen, die durch Kapitalanlagen erzielt würden und der geringe Lohnzuwachs bei Angestellten und Arbeitern. Oxfam fordert ein Ende der Steueroasen und mehr Steuergerechtigkeit. Hierzu müssten unter anderem „Vermögen, Kapitalgewinne und hohe Einkommen deutlich stärker besteuert werden”.</p>



<p>Laut dem Oxfam-Bericht von <strong>2017</strong> <a href="https://www.oxfam.de/system/files/20170116-oxfam-factsheet-wirtschaftssystem-fuer-alle.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Ein Wirtschaftssystem für alle. Auswege aus der Ungleichheitskrise”</a> besitzen inzwischen die acht reichsten Personen zusammenen genauso viel Vermögen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung (die Zahl wurde ein Jahr später aufgrund aktuellerer Daten auf 61 korrigiert, 2019 auf 49). Es gebe ein „ungekanntes Maß sozialer Ungleichheit”. Daher brauchten wir ein Wirtschaftsystem, „in dem Menschen wichtiger sind als Profite”, fordert Oxfam. Zu den Ursachen von Ungleicheit gehörten die „falschen” Annahmen, der Markt könne Probleme grundsätzlich besser lösen als der Staat und Wirtschaftswachstum solle das Hauptziel politischen Handelns sein. Diese Fehlannahmen hätten Anreize für eine Unternehmenspolitik mit „verheerenden Auswirkungen” gesetzt, darunter Shareholder-Value-Orientierung und „aggressive Steuervermeidung”. Neben fairen Löhnen und höheren Investitionen in Bildung, Gesundheit und soziale Sicherung fordert Oxfam Steuergerechtigkeit als weiteres Kernelement einer humaneren, soziale Ungleichheit reduzierenden Wirt­ schaftsordnung: „Multinationale Kon­zerne und reiche Einzelpersonen müssen sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen und ihren fairen Beitrag zum Gemeinwohl leisten.”</p>



<p>„Die globale Ungleichheit spitzt sich zu”, schreibt Oxfam im Januar <strong>2018</strong> in seinem Bericht <a href="https://www.oxfam.de/system/files/factsheet_deutsch_-_der_preis_der_profite_-_zeit_die_ungleichheitskrise_zu_beenden.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Der Preis der Profite. Zeit, die Ungleichheitskrise zu beenden”</a>. 82 Prozent des globalen Vermögenswachstums seien 2017 an das reichste Prozent der Weltbevölkerung gegangen, während das Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltb­evölkerung stagniert habe. Das reichste Prozent der Weltbevölkerung besitze über die Hälfte des globalen Vermögens – mehr als die übrigen 99 Prozent zusammengenommen. Mehr und mehr wird die Ungleichheit laut Oxfam zu einem Geschlechterphänomen, denn: Die großen Gewinner seien „vorrangig Männer des globalen Nordens. Die Verliererinnen sind hauptsächlich Frauen, insbesondere im globalen Süden.” Zwar weist Oxfam darauf hin, dass die Einkommensungleichheit global gesehen abnimmt, insgesamt sei sie „jedoch nach wie vor extrem hoch”. Die Vermögensungleichheit habe sich auf globaler Ebene „drastisch verschärft”. Auch die nationale Vermögensungleichheit habe „vielerorts weiter zugenommen” (auch in Deutschland).</p>



<p>Die strukturellen Ursachen für die wachsende Ungleichheit seien weltweit ähnlich: „Unser Wirtschaftssystem stellt die Profitinteressen einer kleinen Gruppe über das Wohl der großen Mehrheit.” Das zeige sich insbesondere an der Fixierung auf Aktiengewinne, an Steuervermeidung, einer „überzogenen Sparpolitik” und Privatisierungen sowie in der „Beschränkung der Rechte von Zivilgesellschaft” und Arbeitnehmern. Drei Politikfelder sind für Oxfam „zentral, um die weltweite Einkommens- und Vermögensungleichheit zu verringern: Änderungen in der Steuerpolitik (u.a. Trockenlegung der Steueroasen, Einführung einer Finanztransaktionssteuer), eine gerechte Einkommensp­olitik sowie Investitionen in öffentliche Bildungs- und Gesundheitssysteme.</p>



<p>Auch laut dem Bericht von Januar <strong>2019</strong> <a href="https://www.oxfam.de/system/files/oxfam_factsheet_deutsch_im-oeffentlichen-interesse-ungleichheit-bekaempfen-in-soziale-gerechtigkeit-investieren.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Im öffentlichen Interesse. Ungleichheit bekämpfen, in soziale Gerechtigkeit investieren”</a> „boomt” Ungleichheit. In den zehn Jahren seit dem Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise seien die Vermögen der Reichsten drastisch gestiegen. Die Zahl der Milliardäre habe sich in dieser Zeit fast verdoppelt. „Dramatisch zurückgegangen” sei dagegen das Tempo, in dem „extreme Armut” reduziert worden sei: Es habe sich seit 2013 halbiert. Um Steuern „gerecht und sozial” zu gestalten fordert Oxfam die Bundesregierung und Deutschlands Repräsentanten in den EU-Institutionen auf, die Steuervermeidung zu stoppen, den „ruinösen Wettbewerb um die geringste Unternehmens­besteuerung innerhalb und außerhalb der EU” zu beenden, um so Konzerne „angemessen” zu besteuern, und schließlich „Superreiche stärker in die Verantwortung (zu) nehmen” durch eine „weltweite Vermögenssteuer”. Erbschaft- und Vermögensteuern seien von zentraler Bedeutung, um Chancengleichheit zu fördern sowie „ererbte Macht und Privilegien” zu verringern.</p>



<p>Der Oxfam-Report <a href="https://www.oxfam.de/system/files/2020_oxfam_ungleichheit_studie_deutsch_schatten-der-profite.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Im Schatten der Profite. Wie die systematische Abwertung der Hausarbeit, Pflege und Fürsorge Ungleichheit schafft und vertieft”</a> stellt im Januar <strong>2020</strong> fest: „Die soziale Ungleichheit ist unerträglich hoch. Die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung besitzt gemeinsam nicht einmal ein Prozent des globalen Vermögens.” Einem Prozent der Menschheit gehörten 45 Prozent des globalen Vermögens. An der Spitze der Vermögensverteilung stünden 2.153 Personen, die jeweils über mehr als eine Milliarde US-Dollar Privatvermögen verfügten. Nach Angaben der Weltbank habe 2015 etwa jeder Zehnte von weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag gelebt – insgesamt seien das 736 Millionen Menschen.</p>



<p>In einer Fußnote erläutert Oxfam, die Zahl der Menschen in extremer Armut weltweit sei von 1,9 Milliarden im Jahr 1990 auf 736 Millionen im Jahr 2015 gesunken. Anstatt diesen bemerkenswerten Rückgang um 158 Prozent positiv hervorzuheben, schreibt Oxfam: „Zwar ist diese Zahl (der Menschen in extremer Armut; N.H.) in den vergangenen Jahren gesunken, doch die Geschwindigkeit, in der extreme Armut abnimmt, hat sich zugleich halbiert.” Und zwar seit 2013 von zuvor ca. 1 Prozent pro Jahr auf etwa 0,6 Prozent pro Jahr (was keine Halbierung ist).</p>



<p>Für eine „verteilungs- und geschlechtergerechte Steuerpolitik” fordert Oxfam, dass „Vermögende durch progressive Vermögens-, Erbschafts- und Kapitalertragssteuern sowie eine umfassende Finanztransaktionssteuer ihren gerechten Beitrag zum Allgemeinwohl leisten”. Darüber hinaus müsse die Bundesregierung Steuervermeidung stoppen und für eine gerechte Besteuerung von Konzernen weltweit sorgen.</p>



<p>Im Januar <strong>2021</strong> erschien der erste Oxfam-Bericht seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Titel: <a href="https://www.oxfam.de/system/files/documents/oxfam_factsheet_ungleichheitsvirus_062021.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Das Ungleichheitsvirus. Wie die Corona-Pandemie Ungleichheit verschärft und warum wir unsere Wirtschaft gerechter gestalten müssen”</a>. Als Folge der Corona-Pande­mie drohe die Ungleichheit erstmals in fast allen Ländern gleichzeitig anzusteigen, bemerkt Oxfam. Diese Krise verschärfe die vorher schon „dramatischen Unterschiede zwischen Arm und Reich”. Bereits neun Monate nach Ausbruch der Pandemie hätten die 1.000 reichsten Milliardäre – „hauptsächlich weiße Männer” – wieder so viel Vermögen wie in der Zeit vor COVID-19. Für die ärmsten Menschen der Welt könnte die Erholung dagegen 14-mal länger dauern, also länger als ein Jahrzehnt.</p>



<p>Wie unter einem Brennglas zeigten sich in der Pandemie die „vielfältigen Formen der Unterdrückung und Marginalisierung, denen Menschen unter anderem aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Sexualität, ihres Alters, einer Behinderung sowie im Zuge von Rassismus und Klassismus ausgesetzt sind”. Diese „Diskriminierungen” seien wiederum „in Strukturen von Privilegien und Unterdrückung verwurzelt, die durch Jahrhunderte von Patriarchat, Kolonialismus und strukturellem Rassismus (…) geformt wurden”. Mehr und mehr wird deutlich, dass die Narrative der <a href="https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/APuZ_2019-09-11_online_v2.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Identitätspolitik</a> und der sogenannten <a href="https://www.britannica.com/topic/critical-race-theory" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Critical Race Theory”</a> Eingang in die Argumentation von Oxfam finden. Extreme Ungleichheit sei letztendlich das Produkt eines „nicht funktionierenden Wirtschaftssystems, das seine Wurzeln in neoliberalen Denkansätzen hat und einige wenige Reiche und Mächtige durch Vereinnahmung von Politik und Wirtschaft begünstigt. In den Händen einer weißen, zumeist männlichen Gruppe häufen sich so riesige Profite an, auf Kosten von Menschen in prekären Situationen sowie Frauen, BIPoC (das Kürzel soll für „Black, Indigenous, People of Color” stehen; N.H.) und anderen historisch marginalisierten und unterdrückten Gruppen.”</p>



<p>Der „unverhältnismäßige Ein­fluss von Großk­onzernen auf politische Entscheidungen” sei einer der Hauptgründe dafür, dass ihre Gewinne und Vermögen weiter stiegen und die gegenwärtigen ungleichen Strukturen fortbestünden. Ein Grundproblem sei, „dass einige wenige Konzerne immer mehr Macht an sich reißen, den Markt sowie die Politik beherrschen und extrem hohe Profite erzielen. Die Folge: Superreiche gewinnen, Menschen in Lohnarbeit verlieren. Die Schere zwischen Arm und Reich wird so immer größer. Eine Hauptursache der sozialen Ungleichheit liegt damit im Marktgeschehen selbst.” Auch der 2021-er Bericht von Oxfam enthält die sattsam bekannten Forderungen nach einer stärken Besteuerung großer Vermögen und einer „umfassenden Finanztransaktionssteuer”, ergänzt um eine „einm­­alige Steuer auf in der Corona-­Krise ent­stehende außergewöhnliche Ge­win­ne von Konzernen”.</p>



<p><a href="https://www.oxfam.de/system/files/documents/oxfam_factsheet_gewaltige_ungleichheit.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Gewaltige Ungleichheit. Warum unser Wirtschaftssystem von struktureller Gewalt geprägt ist und wie wir es gerechter gestalten können”</a>, so betitelte Oxfam seinen Bericht im Januar <strong>2022</strong>. Einmal mehr liegen die Ursachen der „sich verschärfenden Ungleichheitskrise” – „Rekordgewinne” für Konzerne und Milliardäre einerseits und „zunehmende Armut” andererseits – in unserem Wirtschaftssystem, das von „struktureller wirtschaftlicher Gewalt” geprägt sei. Gefordert wird daher ein „grundlegend anderes Wirtschaftssystem”, „in dem wirtschaftliche Entscheidungen demokratisch gefällt werden und dessen handlungsleitendes Prinzip nicht der Profit, sondern das Gemeinwohl ist”. Stattdessen habe das reichste Prozent der Weltbevölkerung seit 1995 fast 20-mal mehr Vermögen angehäuft als die ärmsten 50 Prozent der Menschheit zusammen (zur globalen Ungleichheit siehe auch das <a href="https://www.capital.de/wirtschaft-politik/globale-ungleichheit-die-datenlage-zur-vermoegensverteilung-ist-katastrophal" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><em>Capital-</em>Interview mit Andreas Peichl</a>, Leiter des ifo Zentrums für Makroökonomik und Befragungen und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München, über die Datenlage zur Vermögensverteilung und die selektive Methodik von Oxfam). Als die Corona-Pandemie begann, habe fast die Hälfte der Menschheit – 3,2 Milliarden Menschen – unterhalb der von der Weltbank definierten erweiterten Armutsgrenze von 5,50 Dollar pro Tag gelebt. Heute seien es aufgrund der Pandemie weltweit 163 Millionen Menschen zusätzlich.</p>



<p>Interessant ist hier die Erläuterung zur Armutsgrenze in einer Fußnote: Die Weltbank definiere drei Armutsgrenzen: 1,95 Dollar für extreme Armut, 3,20 Dollar und 5,50 Dollar, heißt es dort. „Oxfam verwendet hauptsächlich die Grenze von 5,50 Dollar, weil wir davon überzeugt sind, dass diese das genaueste Bild von Armut vermittelt. Eine ausschließliche Konzentration auf extreme Armut ist nicht hilfreich, da sie Milliarden von Menschen, die tagtäglich mit Armut konfrontiert und die nur einen Schritt vom Elend entfernt sind, übersieht.” Die Verwendung der Armutsgrenze von 5,50 Dollar hat natürlich nicht zuletzt taktische Gründe. Da Oxfam im Januar 2020 (ebenfalls in einer Fußnote) konstatieren musste, die Zahl der Menschen in extremer Armut sei weltweit von 1,9 Milliarden im Jahr 1990 auf 736 Millionen im Jahr 2015 zurückgegangen (s. oben), schadet das der eigenen Argumentation, nach der Armut ständig zunimmt. Da bietet es sich an, die „erweiterte Armutsgrenze” von 5,50 Dollar zu verwenden, da sich so viel mehr Menschen wenn nicht als arm, so doch aber als „mit Armut konfrontiert” oder „nur einen Schritt vom Elend entfernt” bezeichnen lassen.</p>



<p>Als Kern des Systems „struktureller wirtschaftlicher Gewalt” hat Oxfam die „Doktrin des Shareholder Value” ausgemacht. Für ein gerechteres Wirtschaftssystem, „in dem alle ihren fairen Beitrag leisten und das Gemeinwohl mehr zählt als Profitmaximierung um jeden Preis”, gelte es, „Konzerne und ihre sehr vermögenden Besitzer national und international durch eine progressive Steuerpolitik stärker in die Verantwortung zu nehmen”. Daher solle die Bundesregierung die Vermögensteuer für sehr hohe Vermögen wieder einführen und eine Abgabe auf Vermögen über einer Million Euro prüfen.</p>



<p>In seinem jüngsten Bericht <a href="https://www.oxfam.de/system/files/documents/oxfam_factsheet_davos-2023_umsteuern.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Umsteuern für soziale Gerechtigkeit”</a>, veröffentlicht im Januar <strong>2023</strong>, konstatiert Oxfam eine „Explosion der sozialen Ungleichheit”, die „immer extremere Ausmaße” annehme. Ein zentraler Baustein für ein Wirtschaftssystem, „in dem das Gemeinwohl aller über dem Profit einiger Weniger steht”, sei die Besteuerung der „reichsten Bevölkerungsteile”, insbesondere des reichsten Prozents, das 45,6 Prozent des weltweiten Vermögens besitze.</p>



<p>„Zum ersten Mal seit 25 Jahren haben extremer Reichtum und extreme Armut gleichzeitig stark zugenommen”, heißt es in dem Bericht. Nach Angaben der Weltbank seien im Jahr 2020 über 70 Millionen Menschen zusätzlich in die extreme Armut gedrängt worden und müssten mit weniger als 2,15 Dollar pro Tag auskommen (die Weltbank hat die Grenze für extreme Armut von 1,90 Dollar auf 2,15 Dollar erhöht). Was Oxfam weglässt, ist der Zusatz „increasing the global total to over 700 million”, der im <a href="https://openknowledge.worldbank.org/bitstream/handle/10986/37739/9781464818936.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weltbank-Bericht</a> steht (der Anstieg beläuft sich von 648 auf 719 Millionen). Die Weltbank nennt dies einen „historic setback in the fight against global poverty”. Einerseits stimmt das, da erstmals seit 30 Jahren die Anzahl der Menschen, die in extremer Armut leben, durch die Covid-Pandemie wieder angestiegen ist (s. folgende Abb.).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="955" height="569" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/02/Flossbach-von-Storch_Entwicklung-der-extremen-Armut-1990-2020.png" alt="Was Oxfam übersieht oder relativiert: Entwicklung der extremen Armut in der Welt seit 1990" class="wp-image-2180" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/02/Flossbach-von-Storch_Entwicklung-der-extremen-Armut-1990-2020.png 955w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/02/Flossbach-von-Storch_Entwicklung-der-extremen-Armut-1990-2020-300x179.png 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2023/02/Flossbach-von-Storch_Entwicklung-der-extremen-Armut-1990-2020-768x458.png 768w" sizes="(max-width: 955px) 100vw, 955px" /></figure>



<p>Andererseits zeigt die absolute Zahl (719 Millionen) verglichen mit der Zahl von 1990 (1,9 Milliarden) immer noch eine bemerkenswerte Entwicklung (siehe dazu auch unseren <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegen-wachsen-armut-ruecklaeufig/">Beitrag „Vermögen wachsen weltweit, aber auch die Armut geht zurück”</a>). Beides sollte man im Auge haben.</p>



<p>Bei der „direkten Verringerung von Armut und Ungleichheit” spielt das Steuersystem eine „Schlüsselrolle”, so Oxfam: Eine „progressive Besteuerung” könne mit einer „ambitionierten Ausgestaltung, d.h. z.B. einer sehr hohen Besteuerung des reichsten Prozents einer Gesellschaft”, extreme Vermögensungleichheit „tatsächlich verringern” und die Zahl der Milliardäre reduzieren. Darüber hinaus „(befördert) die Besteuerung großer Vermögen (…) Geschlechtergerechtigkeit und verringert rassistische Ungleichheit”; Steuern für Reiche zu erhöhen sei zudem ein „Beitrag für Klimagerechtigkeit”.</p>



<p>Um die „grassierende Armut und Ungleichheit” zu bekämpfen seien „verschiedene sich ergänzende Arten von Einkommens- und Vermögenssteuern” notwendig. Ziel müsse es sein, durch einen „auf den jeweiligen Länderkontext angepassten Mix von Steuern Reichtum so stark zu besteuern, dass Ungleichheit tatsächlich abgebaut wird”. In Deutschland, Europa und weltweit sollten daher Übergewinne besteuert, die Vermögensteuer wieder eingeführt, Ausnahmen bei der Erbschaftsteuer beendet und eine einmalige „Solidaritätsabgabe” auf Milliarden- und Millionenvermögen erhoben werden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung</h3>



<p>„Growing tide of inequality” (2014), „inequality explosion” und „extreme inequality” (2015), „Spirale der wachsenden sozialen Ungleichheit” (2016), „ungekanntes Maß sozialer Ungleichheit” (2017), „globale Ungleichheit spitzt sich zu” (2018), „Ungleichheit boomt” (2019), „soziale Ungleichheit ist unerträglich hoch” (2020), „dramatische Unterschiede zwischen Arm und Reich” (2021), „gewaltige Ungleichheit” und „sich verschärfende Ungleichheitskrise” (2022), „Explosion der sozialen Ungleichheit” (2023) – seit zehn Jahren der immer gleiche Alarmismus. Seit zehn Jahren die immer gleiche Verantwortungszuschreibung. Und seit zehn Jahren die immer gleichen Vorschläge, wie das Problem zu lösen sei.</p>



<p>Ist es übertrieben, wenn Christoph Eisenring in der NZZ festhält, die Beschäftigung von Oxfam mit den „Superreichen” zeige „zunehmend obsessive Züge”? Keineswegs!</p>



<p>Dabei ist es nicht so, dass es in den Oxfam-Berichten nicht Punkte gibt, die zurecht angesprochen werden (wie beispielsweise die Praxis einiger großer internationaler Unternehmen, sich der Pflicht zu entziehen, Steuern zu zahlen), über die diskutiert werden muss und für die Lösungen gefunden werden müssen. Auch steht völlig außer Frage, dass die fortgesetzte Bekämpfung extremer Armut weltweit zu den wichtigten Aufgaben gehört. Nur ist die, vorsichtig ausgedrückt, kapitalismuskritische Ursachenbeschreibung von Oxfam, nach der ein von „struktureller wirtschaftlicher Gewalt” geprägtes Wirtschaftssystem, die „kurzfristigen Profitinteressen” der „Großkonzerne” und ihrer Eigentümer, „neoliberale Prinzipien der Gewinnmaximierung”, das Vermögen der „Superreichen” sowie „patriarchale Machtstrukturen” und die „Vorherrschaft” der „weißen Männer” die Ursache allen Übels seien, derart einseitig und ideologiebehaftet, dass eine Verständigung in weite Ferne rückt.</p>



<p>Hinzu kommt: Die Oxfam-Autoren können sich das Wirtschaftsgeschehen offensichtlich nur als Nullsummenspiel vorstellen, bei dem die Summe der Gewinne und Verluste aller Spieler zusammengenommen gleich null ist. Das heißt also, die einen – die Reichen – können nur gewinnen, was die anderen – die Armen – verlieren. Die von Oxfam propagierte Lösung liegt bei dieser Betrachtung natürlich nahe: Nehmt das Geld von den Reichen und gebt es den Armen. Das klingt zwar nach Robin Hood und nach Gerechtigkeit, funktioniert so aber nicht, wie unzählige Beispiele sozialistischer Gesellschaftsversuche gezeigt haben.</p>



<p>Marius Kleinheyer, Senior Research Analyst bei Flossbach von Storch Research Institute, schreibt dazu in seinem <a href="https://www.flossbachvonstorch-researchinstitute.com/de/kommentare/das-politische-geschaeft-mit-der-armut/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Beitrag „Das politische Geschäft mit der Armut”</a>:</p>



<p>„Der expliziten Forderung für Umverteilung liegt die implizite Annahme zu Grunde, dass eine gegebene Menge an Wohlstand ‚gerechter’ verteilt werden müsste. Stattdessen hat die Geschichte und die ökonomische Theorie gezeigt, dass es innerhalb von marktwirtschaftlichen Institutionen keine Grenzen des Wohlstandes gibt. Stattdessen kann durch unternehmerisches Handeln und technologische Innovationen immer mehr Wachstum erzeugt werden. Eine wichtige Grundbedingung dafür ist die Möglichkeit der Kapitalakkumulation. Wenn Oxfam das Schicksal der ärmsten Menschen am Herzen liegt, müssen sie zu Anwälten für mehr Marktwirtschaft insbesondere in Afrika werden. Die Herstellung von Gleichheit dadurch, dass alle gleich arm werden, nützt niemandem.”</p>



<p>Es sind ja gerade die durch die Globalisierung wirkenden marktwirtschaftlichen Prinzipien, die seit 1990 rund 1,2 Milliarden Menschen aus extremer Armut herausgeführt haben (s. dazu auch den Artikel <a href="https://www.welt.de/wirtschaft/article236291245/Die-einen-verdienen-die-anderen-sterben-Oxfams-grosser-Umverteilungs-Irrtum.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Der Irrtum vom ‚Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich‘“</a> von Dorothea Siems in der <em>Welt</em>). Allerdings hat Oxfam, betrachtet man die förmliche Besessenheit, mit der die Organisation den Kapitalismus als Ursache allen Übels bekämpft, offensichtlich „die effektive Armutsbekämpfung aus den Augen verloren”, wie Christoph Eisenring in der <em>NZZ </em>schreibt.</p>



<p>Wie kann es weitergehen? Jedenfalls nicht so, wie die Debatte aktuell läuft. <a href="https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/steuerpopulismus-die-debatte-ueber-ungleichheit-ist-vergiftet-18603969.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Johannes Pennekamp weist in der </a><em><a href="https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/steuerpopulismus-die-debatte-ueber-ungleichheit-ist-vergiftet-18603969.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">F.A.Z.</a> </em>mit Blick auf die Diskussion über Ungleichheit auf einen „toxischen Hang zur Einseitigkeit” hin – auf beiden Seiten der Kontrahenten. Oxfam halte niedrige Steuern für ein Übel der Menschheit, die Familienunternehmer wollten keinen Cent zu viel an den Staat zahlen. „Das Problem ist – wenn es um Steuern, Ungleichheit und Umverteilung geht, reden die beiden Interessengruppen kaum miteinander”, so Pennekamp. Es ergebe keinen Sinn, „die immer selben Satzbausteine zu wiederholen, ohne sich mit den Argumenten der Gegenseite zu befassen”. Das möge den eigenen Anhängern, deren Interessen man vertrete, ein wohliges Gefühl im Bauch verursachen – die Debatte bringe man so aber nicht voran.</p>



<p>Da ist sicher etwas dran. Allerdings ist es schon ein qualitativer Unterschied, wenn einerseits die Familienunternehmer nicht zuletzt aus der berechtigten Sorge um die Attraktivität des Standortes Deutschland heraus (<a href="https://www.familienunternehmen.de/de/pressebereich/meldungen/2023/2023-01-16/deutschland-ist-der-grosse-verlierer-im-standortwettbewerb" target="_blank" rel="noreferrer noopener">aktuell laut ZEW Platz 18 unter 21 Industrienationen</a>) niedrigere Unternehmenssteuern fordern, während sich andererseits Oxfam in seinem betriebsblinden Kampf gegen den Kapitalismus zu Aussagen versteigt wie „Every billionaire is a policy failure” und fordert, die reichsten 1 Prozent müssten dauerhaft mindestens 60 Prozent ihres gesamten Arbeits- und Kapitaleinkommens an Steuern zahlen und Multimillionäre und Milliardäre noch höhere Steuersätze. Da sind die Antipoden schon sehr weit auseinander.</p>



<p>Dennoch wäre es wünschenswert, wenn es gelänge, die Debatte um Ungleichheit und Umverteilung, und wer wie viel Steuern zahlen sollte, zu versachlichen. Dazu müsste wohl vor allem Oxfam aus seinem ideologischen Schützengraben herauskommen und anerkennen, dass es gerade der Kapitalismus ist, der die grundlegenden Mechanismen schafft, um Menschen aus extremer Armut zu befreien. Gelingt Oxfam das nicht, womit nach den Einlassungen der vergangenen zehn Jahre leider zu rechnen ist, wird es auch in den kommenden Jahren zu dem üblichen, „traditionell festgefahrenen” Ritual kommen. Geholfen ist damit niemandem, am wenigsten den Ärmsten weltweit.</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/die-oxfam-obsession/">Die Oxfam-Obsession</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a> und wurde geschrieben von <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/author/nicolaihammersen/">Dr. Nicolai Hammersen</a>.</p>
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		<title>Vermögensverteilung: Globale Mittelklasse wächst</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. Nicolai Hammersen]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Sep 2022 07:35:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Studien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a><br />
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<a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven - Journal für die Diskussion der gesellschaftlichen Aspekte von Vermögen.</a></p>
<p>In der weltweiten Vermögensverteilung ist in diesem Jahrhundert ein deutlicher Anstieg der globalen Mittelklasse zu verzeichnen. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse des aktuellen Global Wealth Reports der Credit Suisse, der die Vermögen der privaten Haushalte von 5,3 Milliarden Menschen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-globale-mittelklasse-waechst/">Vermögensverteilung: Globale Mittelklasse wächst</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a> und wurde geschrieben von <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/author/nicolaihammersen/">Dr. Nicolai Hammersen</a>.</p>
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<p>In der weltweiten Vermögensverteilung ist in diesem Jahrhundert ein deutlicher Anstieg der globalen Mittelklasse zu verzeichnen. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse des aktuellen <a href="https://www.credit-suisse.com/about-us/en/reports-research/global-wealth-report.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Global Wealth Reports der Credit Suisse</a>, der die Vermögen der privaten Haushalte von 5,3 Milliarden Menschen weltweit analysiert. Das globale Gesamtvermögen sei um 9,8 Prozent gewachsen, das durchschnittliche Vermögen pro Erwachsenem habe rund 87.500 Dollar erreicht so die Bank. Lasse man Wechselkursschwankungen außer Acht, so sei das globale Gesamtvermögen im Jahr 2021 um 12,7 Prozent gewachsen, die höchste jemals verzeichnete Jahresrate.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vermögensverteilung: Aufstieg der globalen Mittelklasse</h3>



<p>Folgende Trends in der globalen Vermögensverteilung sind laut Credit Suisse zu beobachten:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-global-wealth-pyramid-2021-vs-2011-1024x1024.png" alt="Vermögensverteilung: Global Wealth Pyramid 2021 vs. 2011" class="wp-image-2064" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-global-wealth-pyramid-2021-vs-2011-1024x1024.png 1024w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-global-wealth-pyramid-2021-vs-2011-300x300.png 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-global-wealth-pyramid-2021-vs-2011-150x150.png 150w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-global-wealth-pyramid-2021-vs-2011-768x768.png 768w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-global-wealth-pyramid-2021-vs-2011-1536x1536.png 1536w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-global-wealth-pyramid-2021-vs-2011.png 1920w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<ul class="wp-block-list"><li>Der Sockel der Pyramide schrumpfe. Die Anzahl der Erwachsenen mit einem Vermögen von weniger als 10.000 sei von 2011 bis 2021 um knapp 8 Prozent zurückgegangen. Besaßen 2011 noch 67,6 Prozent aller Erwachsenen weltweit weniger als 10.000 Dollar, seien es 2021 nur noch 53,2 Prozent gewesen.</li><li>Das nächste Segment, das Personen mit einem Vermögen zwischen 10.000 und 100.000 Dollar umfasse, habe in diesem Jahrhundert den größten Zuwachs zu verzeichnen, nachdem sich seine Größe von 504 Millionen im Jahr 2000 über knapp 1,1 Milliarden 2011 auf 1,8 Milliarden Mitte 2021 mehr als verdreifacht habe (s. folgende Abbildung). Darin spiegelten sich der wachsende Wohlstand der Schwellenländer, insbesondere Chinas, und die Ausweitung der Mittelschicht in den Entwicklungsländern wider.</li><li>Die obere Mittelschicht mit einem Vermögen zwischen 100.000 und 1 Million Dollar habe sich in diesem Jahrhundert ebenfalls verdreifacht und sei von 208 Millionen 2000 über 369 Millionen 2011 auf 627 Millionen 2021 angewachsen.</li><li>Die oberste Schicht der vermögenden Privatpersonen (High Net Worth Individuals), d.h. die Dollar-Millionäre, sei nach wie vor relativ klein. Diese Gruppe habe sich jedoch in den letzten Jahren rasch vergrößert und umfasse nun 62,5 Millionen, d.h. 1,2 Prozent aller Erwachsenen. Im Jahr 2020 überstieg die Zahl der globalen Millionäre zum ersten Mal 1 Prozent der Erwachsenen; dies bedeute, dass die Gruppe in letzter Zeit schnell gewachsen sei.</li></ul>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-rise-of-the-global-middle-class-1024x1024.png" alt="Vermögensverteilung: Aufstieg der globalen Mittelklasse" class="wp-image-2065" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-rise-of-the-global-middle-class-1024x1024.png 1024w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-rise-of-the-global-middle-class-300x300.png 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-rise-of-the-global-middle-class-150x150.png 150w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-rise-of-the-global-middle-class-768x768.png 768w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-rise-of-the-global-middle-class-1536x1536.png 1536w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/The-rise-of-the-global-middle-class.png 1920w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Vermögensverteilung 2021 weltweit: Globales Medianvermögen steigt</h3>



<p>Der Vermögensanteil der obersten 1 Prozent der Weltbevölkerung sei das zweite Jahr in Folge gestiegen und habe 2021 45,6 Prozent erreicht, gegenüber 43,9 Prozent im Jahr 2019. Im Jahr 2021 sei zwar ein Anstieg der Vermögensungleichheit zu beobachten (eine wahrscheinliche Ursache dafür sei der starke Anstieg des Finanzvermögens während der COVID-19-Pandemie); eine Analyse des Medianvermögens innerhalb der Länder und weltweit zeige jedoch: Längerfristig sei die globale Vermögensungleichheit in diesem Jahrhundert aufgrund des schnelleren Wachstums in den Schwellenländern zurückgegangen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="997" height="617" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/Credit-Suisse_Global-trends-in-median-wealth.jpg" alt="Entwicklung des globalen Medianvermögens" class="wp-image-2068" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/Credit-Suisse_Global-trends-in-median-wealth.jpg 997w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/Credit-Suisse_Global-trends-in-median-wealth-300x186.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/09/Credit-Suisse_Global-trends-in-median-wealth-768x475.jpg 768w" sizes="(max-width: 997px) 100vw, 997px" /></figure>



<p>Das globale Medianvermögen sei seit dem Jahr 2000 etwa doppelt so schnell gestiegen wie das globale mittlere Vermögen pro Erwachsenem und viel schneller als das globale BIP. Der durchschnittliche Haushalt konnte also in den letzten zwei Jahrzehnten Vermögen aufbauen.</p>



<p>Solange der mittlere Teil der globalen Vermögensverteilung überproportional von Einwohnern von Ländern (in der Regel Schwellenländer) eingenommen werde, in denen das Vermögen der Haushalte schneller wachse als im weltweiten Durchschnitt, werde das globale Medianvermögen schneller wachsen als das globale Durchschnittsvermögen. Darüber hinaus sei das rasche Vermögenswachstum in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen der Grund, warum die globale Vermögensungleichheit in diesem Jahrhundert durch die Verringerung der Ungleichheit zwischen den Ländern zurückgegangen sei. Ein schnellerer Anstieg des Medianvermögens als des Durchschnittsvermögens stehe also in engem Zusammenhang mit einem Rückgang der Vermögensungleichheit.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vermögensverteilung in Österreich, Deutschland und der Schweiz</h3>



<p>Die Vermögensungleichheit sei in Österreich mit einem Gini-Koeffizienten von 74,2 im Jahr 2021 geringer als in Deutschland und der Schweiz, die Gini-Koeffizienten von 78,8 bzw. 77,2 aufwiesen. In allen drei Ländern sei die <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensungleichheit-geht-zurueck/">Vermögensungleichheit seit 2000 zurückgegangen</a>, als der Gini-Koeffizient in Österreich 78,1, in Deutschland 81,2 und in der Schweiz 81,0 betragen habe (<a href="https://vermoegensperspektiven.de/vbw-studie-altersvorsorgeanwartschaften-reduzieren-vermoegensungleichheit-um-ueber-22-prozent/">die Vermögensungleichheit liegt unter Berücksichtigung der Altersvorsorgeanwartschaften allerdings deutlich niedriger</a>). Während der Rückgang in Österreich schrittweise über den Zeitraum von 2000 bis 2015 erfolgt sei, habe der Rückgang in Deutschland nach der globalen Finanzkrise 2008 stattgefunden und in der Schweiz größtenteils nach 2017.</p>



<p>Der Anteil der obersten 1 Prozent sei seit 2000 in Österreich von 27,0 Prozent auf 25,8 Prozent und in der Schweiz von 32,2 Prozent auf 26,5 Prozent gesunken. In Deutschland hingegen sei er zwar von 29,1 Prozent im Jahr 2000 auf 27,2 Prozent im Jahr 2008 zurückgegangen, sei aber seitdem auf 31,7 Prozent gestiegen. Der Anstieg dieses Spitzenanteils in Deutschland seit 2008 in Verbindung mit einem Rückgang der gesamten Vermögensungleichheit, gemessen am Gini-Koeffizienten, spiegele eine Verringerung der Ungleichheit im unteren Bereich der Verteilung wider. Die Anteile der untersten sechs Dezile seien alle von insgesamt 3,4 Prozent im Jahr 2000 auf 5,7 Prozent im Jahr 2021 gestiegen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">2021 Rekordjahr für Vermögen der Privathaushalte</h3>



<p>Laut Credit Suisse hat sich das globale Vermögen Ende 2021 auf schätzungsweise 463,6 Billionen Dollar belaufen, was einem Anstieg von 9,8 Prozent gegenüber 2020 entspricht und weit über dem durchschnittlichen jährlichen Anstieg von 6,6 Prozent seit Beginn des Jahrhunderts liegt. Lasse man die Wechselkursschwankungen außer Acht, so sei das globale Gesamtvermögen 2021 um 12,7 Prozent gewachsen und damit so schnell wie noch nie zuvor pro Jahr.</p>



<p>Die Zahl der US-Dollar-Millionäre sei im Jahr 2021 um 5,2 Millionen gestiegen und habe sich zum Jahresende weltweit auf 62,5 Millionen belaufen. Dieses Wachstum von 9 Prozent habe leicht über dem Anstieg des Vermögens pro Erwachsenem von 8,4 Prozent gelegen, sei aber hinter dem Anstieg des Medianvermögens von 9,5 Prozent zurückgeblieben. Die Zahl der Ultra-High-Net-Worth (UHNW)-Personen (Vermögen &gt; 50 Millionen Dollar) sei mit 21 Prozent im Jahr 2021 deutlich schneller gestiegen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>Berichterstattung zum Global Wealth Report der Credit Suisse: <a href="https://www.nzz.ch/finanzen/private-finanzen/die-welt-wurde-reicher-ungleicher-und-lebte-auf-pump-ld.1703569" target="_blank" rel="noreferrer noopener">NZZ</a>, <a href="https://www.faz.net/aktuell/finanzen/world-wealth-report-zahl-der-millionaere-steigt-um-5-2-millionen-18330270.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">F.A.Z.</a>, <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/global-wealth-report-zahl-der-dollar-millionaere-weltweit-gestiegen-a-fd2f389a-71b9-4a3f-ba8f-754b130ce8e7" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Spiegel</a>, <a href="https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/banken/global-wealth-report-2022-zahl-der-dollarmillionaere-nach-corona-gestiegen/28692564.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Handelsblatt</a>, <a href="https://www.wiwo.de/finanzen/geldanlage/global-wealth-report-die-europaeer-werden-aermer-die-japaner-reicher/14874144-all.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">WirtschaftsWoche</a>, <a href="https://www.forbes.com/sites/russellflannery/2022/09/21/world-will-have-nearly-40-more-millionaires-by-2026--credit-suisse/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Forbes</a> (Auswahl)</p>
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		<title>Bundesbank: Vermögensungleichheit gesunken &#8211; erhebliche Unterschiede bei Vermögensstruktur und Portfoliorendite</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. Nicolai Hammersen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Aug 2022 10:08:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Studien]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Bundesbank]]></category>
		<category><![CDATA[Portfoliorendite]]></category>
		<category><![CDATA[Portfoliostruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Vermögensungleichheit]]></category>
		<category><![CDATA[Vermögensverteilung]]></category>
		<category><![CDATA[verteilungsbasierte Vermögensbilanz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a><br />
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<a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven - Journal für die Diskussion der gesellschaftlichen Aspekte von Vermögen.</a></p>
<p>Dass die Vermögensungleichheit in Deutschland besonders hoch sei und zudem noch ständig weiter wachse, ist eines der häufig gehörten Narrative, wenn es um die sozialen Verhältnisse in Deutschland geht. Richtig ist, dass die Vermögensungleichheit deutlich höher ist als die Einkommensungleichheit; [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensungleichheit-gesunken/">Bundesbank: Vermögensungleichheit gesunken &#8211; erhebliche Unterschiede bei Vermögensstruktur und Portfoliorendite</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a> und wurde geschrieben von <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/author/nicolaihammersen/">Dr. Nicolai Hammersen</a>.</p>
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<p>Dass die Vermögensungleichheit in Deutschland besonders hoch sei und zudem noch ständig weiter wachse, ist eines der häufig gehörten Narrative, wenn es um die sozialen Verhältnisse in Deutschland geht. Richtig ist, dass die Vermögensungleichheit deutlich höher ist als die Einkommensungleichheit; allerdings ist sie auch nicht so hoch, wie &#8211; unter regelmäßiger Auslassung der Vermögensäquivalente aus den Altersvorsorgevermögen &#8211; in der Regel behauptet wird (siehe bspw. <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-weniger-ungleich/">hier</a>).</p>



<p>Nun zeigt eine aktuelle Untersuchung der Deutschen Bundesbank, dass die Vermögensungleichheit in den letzten Jahren nicht gestiegen, sondern leicht gesunken ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entwicklung der Vermögensungleichheit</h3>



<p>Laut der Studie „Eine verteilungsbasierte Vermögensbilanz der privaten Haushalte in Deutschland – Ergebnisse und Anwendungen” (Deutsche Bundesbank, Monatsbericht Juli 2022, S. 15ff.) hat dies zwei Gründe:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Zum einen sei der der Nettovermögenszuwachs für die Haushalte in der unteren Hälfte der Verteilung besonders kräftig ausgefallen. Hierbei hätten die weniger vermögenden Haushalte in deutlichem Umfang risikoarme Anlagen wie Einlagen und Versicherungsansprüche aufgebaut und gleichzeitig merklich ihre Verschuldung reduziert.</li><li>Zum anderen sei die Ungleichheit auch deshalb gesunken, weil die obere Mitte der Verteilung spürbar von einem steigenden Wert des Immobilienvermögens profitiert habe (vgl. S. 15, 16, 22f., 34f.). Der Nettovermögensanstieg des obersten Prozents der Verteilung sei schließlich zentral auf Zuwächse beim Betriebsv­ermögen zurückzuführen (vgl. S. 23).</li></ul>



<p>Die verteilungsbasierte Vermögensbilanz vereint laut Bundesbank zwei Datenperspektiven: Sie verknüpfe die Haushaltsbefragung der Bundesbank „Private Haushalte und ihre Finanzen“ (PHF) mit den gesamtwirtschaftlichen Vermögensbilanzen. Die verteilungsbasierte Vermögensbilanz berücksichtige somit die Verteilungsinformationen aus der Haushaltsstudie und spiegele gleichzeitig die vierteljährliche Dynamik und die Niveauangaben der gesamtwirtschaftlichen Statistiken in konsistenter Weise wider (vgl. S. 15).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="381" height="895" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Nettovermoegensverteilung.jpg" alt="Nettovermögensverteilung" class="wp-image-1864" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Nettovermoegensverteilung.jpg 381w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Nettovermoegensverteilung-128x300.jpg 128w" sizes="(max-width: 381px) 100vw, 381px" /></figure>



<p>Die verteilungsbasierte Vermögensbilanz des Haushaltssektors verdeutliche eine insgesamt hohe Vermögensungleichheit, die über die Laufzeit des Datensatzes, das heißt ab 2009, jedoch leicht rückläufig gewesen sei. Während die obersten 10 Prozent der Vermögensverteilung über den betrachteten Zeitraum mehr als 50 Prozent des gesamten Nettovermögens der Haushalte in Deutschland hielten, entfalle auf die untere Hälfte der Vermögensverteilung mit durchschnittlich 0,6 Prozent ein äußerst geringer Anteil. Allerdings habe sich im Beobachtungszeitraum die Verteilung leicht zugunsten der unteren Hälfte verschoben. Der Anteil der vermögensärmeren 50 Prozent der Haushalte am gesamten Nettovermögen stieg von 0,2 Prozent im Jahr 2009 auf mehr als 1,2 Prozent im Jahr 2021 (vgl. S. 22).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Portfoliostruktur entlang der Vermögensverteilung</h3>



<p>Die verteilungsbasierte Vermögensbilanz offenbare darüber hinaus eine erhebliche Heterogenität in der Vermögenszusammensetzung der privaten Haushalte. So bestünden die Vermögen der unteren Hälfte der Verteilung nahezu ausschließlich aus risikoarmen Anlageformen wie Einlagen und<br>Versicherungsansprüchen. Dahingegen umfasse die Vermögensstruktur der vermögenderen Haushalte in einem deutlich größeren Umfang Kapitalmarktinstrumente und vor allem Immobilien- und Betriebsvermögen (vgl. S. 15, 16)</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="498" height="588" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Vermoegensstruktur.jpg" alt="Vermögensstruktur entlang der Nettovermögensverteilung" class="wp-image-1866" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Vermoegensstruktur.jpg 498w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Vermoegensstruktur-254x300.jpg 254w" sizes="(max-width: 498px) 100vw, 498px" /></figure>



<p>Die abweichenden Nettovermögensentwicklungen gingen unter anderem auf ungleich verteilte Vermögensformen zurück, die sich in erkennbaren Unterschieden in der Vermögensstruktur entlang der Vermögensverteilung niederschlügen. Ein Blick auf die durchschnittliche Struktur des Gesamtvermö­gens (brutto) der vier Vermögensgruppierungen (0-50 Prozent, 50-90 Prozent, 90-99 Prozent, Top 1 Prozent) für den Zeitraum 2009 bis 2021 zeige: In der unteren Hälfte der Vermögensverteilung dominiere vor allem das Finanzportfolio die Vermögensstruktur. Hier sei zudem die Immobilienbesitzquote vergleichsweise gering. Dahingegen setze sich das Gesamtvermögen der folgenden 49 Prozent zu mehr als der Hälfte aus Immobilien zusammen. Beim oberen Prozent spiele zudem das Betriebsvermögen eine bedeutende Rolle (vgl. S. 23, 29f.)</p>



<h3 class="wp-block-heading">Portfoliorendite entlang der Vermögensverteilung</h3>



<p>Natürlich schlägt sich die Heterogenität in der Vermögenszusammensetzung der privaten Haushalte in merklichen Unterschieden in der Höhe der Rendite des Gesamtvermögens entlang der Vermögensverteilung nieder.</p>



<p>Da nahezu ausschließlich risikoarme Anlagen in Form von Einlagen und Versicherungsansprüchen die Gesamtrendite der unteren Hälfte der Vermögensverteilung bestimme, deren Verzinsung in den letzten Jahren vergleichsweise gering ausgefallen sei, liege ihre durchschnittliche reale Rendite im Mittel bei 0 Prozent (vgl. S. 28, 29). Die reale Rendite berücksichtigt neben inflationsbedingten Kaufkraftverlusten auch andere Ertragskomponenten wie Bewertungseffekte (Kursänderungen) und Dividenden (vgl. Deutsche Bundesbank: Das Spar- und Anlageverhalten privater Haushalte in Deutschland vor dem Hintergrund des Niedrigzinsumfelds, Monatsbericht Oktober 2015)</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="922" height="534" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Reale-Vermoegensrendite.jpg" alt="Reale Vermögensrendite entlang der Nettovermögensverteilung" class="wp-image-1867" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Reale-Vermoegensrendite.jpg 922w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Reale-Vermoegensrendite-300x174.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Reale-Vermoegensrendite-768x445.jpg 768w" sizes="(max-width: 922px) 100vw, 922px" /></figure>



<p>Gegenüber der realen Rendite des Finanzportfolios falle vor allem für die Haushalte in der oberen Hälfte der Vermögensverteilung die reale Vermögensrendite spürbar höher aus. Hauptgrund für die Unterschiede sei das im Vergleich zur oberen Hälfte der Vermögensverteilung geringe Immobilien- und Sachvermögen der unteren Hälfte. Die reale Vermögensrendite der Haushalte im Sektor 50 bis 99 Prozent der Verteilung habe in etwa zu 90 Prozent auf den Beiträgen des Immobilienvermögens basiert.</p>



<p>Da das Immobilienvermögen im Beobachtungszeitraum neben Aktien im Durchschnitt die höchste reale Rendite aller Vermögenskomponenten aufgewiesen habe, hätten die Haushalte in der oberen Verteilungshälfte eine deutlich höhere Gesamtrendite erzielt. Die reale Rendite von Immobilien sei durchgängig positiv gewesen und von gut drei Prozent im Jahr 2009 auf etwa elf Prozent zu Beginn des Jahres 2022 gestiegen. Die realen Renditen des finanziellen sowie des nichtfinanziellen Betriebsvermögens seien im Vergleich hierzu volatiler und im Mittel auch niedriger ausgefallen (vgl. S. 31, 32, 37) .</p>



<p>Die Rendite der oberen zehn Prozent der Vermögensverteilung sei im Betrachtungszeitraum maßgeblich durch die Rendite von Kapitalmarktinstrumenten geprägt worden. Insbesondere positive Kursentwicklungen hätten hier zu hohen Renditen beigetragen, die sich in einer entsprechenden Gesamtrendite niederschlügen (vgl. S. 29).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="452" height="800" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Durchschnittl.-Rendite-u.-Inflationskomponente.jpg" alt="Durchschnittliche Rendite und Inflationskomponente" class="wp-image-1868" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Durchschnittl.-Rendite-u.-Inflationskomponente.jpg 452w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Durchschnittl.-Rendite-u.-Inflationskomponente-170x300.jpg 170w" sizes="(max-width: 452px) 100vw, 452px" /></figure>



<p>Auch für das obere Prozent der Vermögensverteilung leistete das Immobilienvermögen einen spürbaren Beitrag zur Gesamtrendite. Diese wurde jedoch zusätzlich durch einen merklichen Beitrag des Betriebsvermögens gesteigert (vgl. S. 32). Die durchschnittliche reale Rendite habe für das oberste Prozent etwa 1,5 Prozent betragen (vgl. S. 28).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vermögensverteilung und Portfoliostruktur im internationalen Vergleich</h3>



<p>Die Betrachtung der Nettovermögensverteilung und Portfoliostruktur der privaten Haushalte in Deutschland im internationalen Vergleich zeigt laut Bundesbank, dass sich das Nettovermögen in Deutschland ungleicher als im Euroraum verteile, aber weniger konzentriert sei als in den USA. Demnach sei der Anteil der vermögendsten zehn Prozent der Haushalte im Euroraum zum Jahresende 2021 im Vergleich zu Deutschland etwas geringer gewesen, in den USA aber erkennbar höher.</p>



<p>Der Anteil der nächsten 40 Prozent sei in Deutschland in etwa so hoch wie im Euroraum, aber deutlich größer als in den USA. Ähnlich gering wie in den USA sei in Deutschland der Anteil der vermögensärmeren 50 Prozent der Haushalte am gesamten Nettovermögen. Im Euroraum liege dieser hingegen erkennbar höher. Die Nettovermögensverteilung habe sich in Deutschland gegenüber dem ersten Vierteljahr 2011 nur leicht geändert (vgl. S. 24)</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="943" height="537" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Verteilung-Vermoegenswerte-u.-Verbindlichkeiten.jpg" alt="Verteilung von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten" class="wp-image-1870" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Verteilung-Vermoegenswerte-u.-Verbindlichkeiten.jpg 943w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Verteilung-Vermoegenswerte-u.-Verbindlichkeiten-300x171.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Verteilung-Vermoegenswerte-u.-Verbindlichkeiten-768x437.jpg 768w" sizes="(max-width: 943px) 100vw, 943px" /></figure>



<p>Die Verteilung verschiedener Vermögenskomponenten zwischen den Vermögensgruppen unterscheide sich nur unwesentlich. So gehöre fast das gesamte Immobilienvermögen in etwa je zur Hälfte den oberen zehn Prozent und den nächsten 40 Prozent der Verteilung. Anteilsrechte und Betriebsvermögen befänden sich fast ausschließlich im Besitz der oberen zehn Prozent der Verteilung. (vgl. S. 24f.)</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>Mit den Ergebnissen der Bundesbank-Studie beschäftigt sich unter anderem Daniel Stelter in der 149. Folge seines Podcasts „bto 2.0”.</p>



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<p>Die <a href="https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/vermoegen-der-deutschen-warum-die-ungleichheit-sinkt-18208542.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">F.A.Z.</a> (Paywall) hat das Thema ebenso aufgegriffen wie die <a href="https://www.welt.de/wirtschaft/plus240067525/Vermoegensentwicklung-Der-truegerische-Wohlstand-der-Deutschen.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Welt</a> (Paywall).</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensungleichheit-gesunken/">Bundesbank: Vermögensungleichheit gesunken &#8211; erhebliche Unterschiede bei Vermögensstruktur und Portfoliorendite</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a> und wurde geschrieben von <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/author/nicolaihammersen/">Dr. Nicolai Hammersen</a>.</p>
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		<title>Vermögensverteilung in Deutschland 1895 bis 1918</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. Nicolai Hammersen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Aug 2022 12:05:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Wealth and its Distribution in Germany]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a><br />
<img src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/02/justice-gecb830231_1920.jpg" style="display: block; margin: 1em auto"><br />
<a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven - Journal für die Diskussion der gesellschaftlichen Aspekte von Vermögen.</a></p>
<p>Thilo N. H. Albers (Humboldt Universität Berlin), Charlotte Bartels (DIW Berlin) und Moritz Schularick (Universität Bonn) haben mit dem Beitrag „Wealth and its Distribution in Germany, 1895-2018“ die erste umfassende Studie über die Vermögensverteilung in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-in-deutschland/">Vermögensverteilung in Deutschland 1895 bis 1918</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a> und wurde geschrieben von <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/author/nicolaihammersen/">Dr. Nicolai Hammersen</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a><br />
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<a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven - Journal für die Diskussion der gesellschaftlichen Aspekte von Vermögen.</a></p>

<p>Thilo N. H. Albers (Humboldt Universität Berlin), Charlotte Bartels (DIW Berlin) und Moritz Schularick (Universität Bonn) haben mit dem Beitrag <strong><a href="https://wid.world/wp-content/uploads/2022/06/WorldInequalityLab_WP2022_09_WealthDistributionGermany.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Wealth and its Distribution in Germany, 1895-2018“</a></strong> die erste umfassende Studie über die Vermögensverteilung in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert vorgelegt. Sie kombinieren Steuer- und Archivdaten, Haushaltsbefragungen, historische volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen und Vermögenslisten, um die Entwicklung der deutschen Vermögensverteilung auf lange Sicht zu analysieren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vermögen und seine Verteilung: die wesentlichen Ergebnisse</h3>



<p>(1) <strong>Die Vermögenskonzentration in den Händen der obersten 1 Prozent in Deutschland sei langfristig um fast die Hälfte zurückgegangen, von fast 50 Prozent im Jahr 1895 auf heute 27 Prozent.</strong> Fast der gesamte Rückgang des Vermögensanteils der obersten 1 Prozent erfolgte in weniger als 40 Jahren, zwischen dem Ersten Weltkrieg und den ersten Jahren der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Zwischenkriegszeit und die Vermögensbesteuerung nach dem Zweiten Weltkrieg zeichneten sich als die großen Gleichmacher in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts aus. Seit den frühen 1950er Jahren bewege sich der Anteil der obersten 1 Prozent innerhalb einer engen Spanne. (Abbildung 1)</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1025" height="606" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-1.jpg" alt="Vermögensverteilung: Vermögensanteil der Top-1% und Bottom-50% in Deutschland, 1895-2018" class="wp-image-1832" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-1.jpg 1025w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-1-300x177.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-1-768x454.jpg 768w" sizes="(max-width: 1025px) 100vw, 1025px" /></figure>



<p><strong>„Ein klarer Trend hin zu einem immer größeren Anteil der reichsten ein Prozent am Gesamtvermögen lässt sich nicht beobachten“</strong>, schreiben Albers, Bartels und Schularick in einem aktuellen Beitrag für die F.A.Z. („Der Reichtum der Deutschen“, F.A.Z., 1. August 2022, S. 16). Hinter dieser oberflächlichen Stabilität würden sich jedoch erhebliche Bewegungen in der Gesamtverteilung des Vermögens verbergen, insbesondere in den letzten Jahrzehnten.</p>



<p>(2) <strong>Seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990 habe sich das durchschnittliche Vermögen der 50-90 Prozent fast verdoppelt und das der obersten 10 Prozent mehr als verdoppelt, während das durchschnittliche Vermögen der unteren 50 Prozent fast unverändert geblieben sei</strong> (Abbildung 8a). Diese Trends spiegelten sich in der Entwicklung des Medianvermögens für die verschiedenen Gruppen wider (Abbildung 8b). Das mediane Vermögen der 50-90 Prozent (70. Perzentil) stieg von etwa 200.000 Euro im Jahr 1993 auf fast 400.000 Euro im Jahr 2018. Das Medianvermögen der obersten 10 Prozent (95. Perzentil) stieg von etwa 600.000 Euro im Jahr 1993 auf fast 1,4 Millionen Euro im Jahr 2018.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="941" height="427" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-8.jpg" alt="Vermögenswachstum nach Gruppen, 1993-2018" class="wp-image-1834" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-8.jpg 941w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-8-300x136.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-8-768x348.jpg 768w" sizes="(max-width: 941px) 100vw, 941px" /></figure>



<p>(3) Die Bewertung von Vermögenswerten habe dabei eine wichtige Rolle gespielt. Nach der Wiedervereinigung im Jahr 1990 hätten zwei Trends die deutsche Vermögensverteilung geprägt: <strong>Die Haushalte an der Spitze der Verteilung erzielten beträchtliche Kapitalgewinne aufgrund des steigenden Unternehmensvermögens</strong> (Das Unternehmensvermögen ist die Summe des Eigenkapitals in (1) Aktiengesellschaften, (2) Gesellschaften mit beschränkter Haftung und Quasi-Kapitalgesellschaften und (3) Unternehmen ohne eigene Rechtspersönlichkeit.). <strong>Gleichzeitig verzeichnete die Mittelschicht große Wertzuwächse bei Wohnimmobilien</strong>, so dass sich der Abstand zwischen den Inhabern von Vermögenswerten der Ober- und der Mittelschicht nur mäßig vergrößerte. (Abbildung 10)</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="950" height="527" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-10.jpg" alt="Vermögenswachstum durch Veränderung der Kapitalrenditen, 1993-2018 und 2008-2018" class="wp-image-1836" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-10.jpg 950w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-10-300x166.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Figure-10-768x426.jpg 768w" sizes="(max-width: 950px) 100vw, 950px" /></figure>



<p><strong>Das reale Vermögen des Durchschnittshaushalts der unteren 50 Prozent stagnierte jedoch in den vergangenen vier Jahrzehnten.</strong> Das durchschnittliche Vermögen der ärmeren 50 Prozent der deutschen Gesellschaft habe Ende der 1970er Jahre bei rund 20.000 Euro gelegen. 40 Jahre später liege es inflationsbereinigt immer noch auf demselben Wert, führen Albers, Bartels und Schularick in der F.A.Z. dazu aus. Ohne Berücksichtigung der Sozialversicherungsansprüche habe sich <strong>der Anteil der unteren 50 Prozent am Gesamtvermögen von 5 Prozent im Jahr 1978 auf 2,8 Prozent im Jahr 2018 fast halbiert</strong>.</p>



<p>Ergänzend zu der Darstellung von Albers, Bartels und Schularick zeigt die nachfolgende Grafik der Wealth Distribution Database die Entwicklung der Vermögensungleichheit in Deutschland von 1896 bis 2021.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="761" height="606" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Image-1.jpg" alt="Vermögensungleichheit, Deutschland, 1896-2021" class="wp-image-1838" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Image-1.jpg 761w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/08/Image-1-300x239.jpg 300w" sizes="(max-width: 761px) 100vw, 761px" /></figure>



<p>Die prozentualen Anteile am Gesamtvermögen seit 1993 (weiter geht die Wealth Distribution Database bei den Bottom-50 % nicht zurück) sehen wie folgt aus:</p>



<figure class="wp-block-table"><table><tbody><tr><td></td><td class="has-text-align-center" data-align="center"><strong>1993</strong></td><td class="has-text-align-center" data-align="center"><strong>2001</strong></td><td class="has-text-align-center" data-align="center"><strong>2011</strong></td><td class="has-text-align-center" data-align="center"><strong>2021</strong></td></tr><tr><td><strong>Top-1 %</strong></td><td class="has-text-align-center" data-align="center">22,9</td><td class="has-text-align-center" data-align="center">26,1</td><td class="has-text-align-center" data-align="center">27,1</td><td class="has-text-align-center" data-align="center">29,7</td></tr><tr><td><strong>Top-10 %</strong></td><td class="has-text-align-center" data-align="center">53,2</td><td class="has-text-align-center" data-align="center">57,1</td><td class="has-text-align-center" data-align="center">58,8</td><td class="has-text-align-center" data-align="center">59,6</td></tr><tr><td><strong>Bottom-50 %</strong></td><td class="has-text-align-center" data-align="center">5,7</td><td class="has-text-align-center" data-align="center">3,9</td><td class="has-text-align-center" data-align="center">3,1</td><td class="has-text-align-center" data-align="center">3,4</td></tr></tbody></table><figcaption>Quelle: Wealth Distribution Database, <a href="https://wid.world/country/germany/" target="_blank" rel="noopener">https://wid.world/country/germany/</a></figcaption></figure>



<p>Danach ist der <strong>Anteil der Bottom-50 % seit 1993 um 40 Prozent von 5,7 auf 3,4 Prozent zurückgegangen</strong>.</p>



<p>Um diesen Rückgang zu verstehen, muss man sich darüber klar werden, dass <strong>die Kapitalrenditen zu unterschiedlichem Vermögenswachstum führten, da sich die Portfolios über die Vermögensverteilung hinweg systematisch und anhaltend unterschieden</strong>, so Albers, Bartels und Schularick (s. oben Abbildung 10). Sie weisen darauf hin, dass <strong>das Portfolio der Haushalte in der unteren Hälfte der Verteilung hauptsächlich aus Spareinlagen und anderen Finanzanlagen wie Lebensversicherungen mit niedrigen Renditen bestehe</strong>, die nicht an Wert gewonnen hätten. Für die deutsche Mittelschicht (50-90 Prozent) und die obere Mittelschicht sei dagegen das <strong>Wohneigentum</strong> mit einem Portfolioanteil von fast 60 Prozent bzw. 55 Prozent der wichtigste Vermögenswert. Schließlich werde <strong>Unternehmensvermögen</strong> zur dominierenden Vermögensklasse, wenn man zum obersten Perzentil der deutschen Vermögensverteilung aufsteige, und mache 50 Prozent des Vermögens aus.</p>



<p>Das Problem der divergierenden Kapitalrenditen bringen die Autoren folgendermaßen auf den Punkt: <strong>„Real estate wealth is the most important form of wealth for most households. In 2018, about 53% of total gross wealth is residential real estate.”</strong> Die <a href="https://vermoegensperspektiven.de/je-hoeher-die-wohneigentumsquote-desto-niedriger-die-vermoegensungleichheit/">viel zu geringe Wohneigentumsquote in Deutschland erweist sich einmal mehr als Problem – nicht zuletzt bei der Vermögensverteilung</a> mit Blick (auch) auf die untere Hälfte der Verteilung. Auch in der F.A.Z. legen die Autoren den Finger in die Wunde: <strong>„Ein breiterer Zugang auch ärmerer Haushalte zu Anlageklassen mit höheren langfristigen Renditen als Sparbücher bleibt ein Desiderat der Vermögensbildung in Deutschland.“</strong></p>



<h3 class="wp-block-heading">Vermögen und seine Verteilung: die Schlussfolgerungen</h3>



<p>Eine zentrale Erkenntnis sei, dass in Deutschland, wie auch in anderen Ländern, <strong>Veränderungen in der Bewertung des vorhandenen Vermögens eine wichtige Rolle für Veränderungen in der Vermögensverteilung über längere Zeiträume spielten</strong>. Die Portfolios der Haushalte unterschieden sich innerhalb der Verteilung, so dass relative Preisänderungen auf den Aktien- und Immobilienmärkten den gesamten Vermögensbestand neu bewerteten und damit die gesamte Vermögensverteilung in quantitativ bedeutsamer Weise beeinflussten.</p>



<p>In den letzten 70 Jahren habe der Vermögensanteil der obersten 1 Prozent um das Nachkriegsniveau geschwankt. Seit der Wiedervereinigung sei die <strong>Vermögenskonzentration an der Spitze nur mäßig angestiegen</strong>. Der Hauptgrund für diese Stabilität liege darin, dass die Mittelschicht erhebliche Zuwächse bei den Immobilienvermögen erzielt habe, wodurch die Konzentration an der Spitze abgeschwächt worden sei. <strong>Ein erheblicher Teil der Bevölkerung besitze jedoch kein Vermögen und habe daher nicht in vollem Umfang von den steigenden Aktien- oder Immobilienpreisen profitiert.</strong></p>



<p>Schließlich: <strong>Zwischen 1993 und 2018 habe sich die Kluft zwischen den „Besitzenden“ und den „Habenichtsen“ deutlich vergrößert.</strong> In der unteren Hälfte der Verteilung sei das Vermögen kaum gewachsen, während sowohl die oberen 10 Prozent als auch die 50-90 Prozent der Haushalte ihr Vermögen in etwa verdoppelt hätten. Infolgedessen sei ein Haushalt in den obersten 10 Prozent der Vermögensverteilung heute im Durchschnitt 100 Mal reicher als ein Haushalt in der unteren Hälfte. Vor 25 Jahren habe der Unterschied noch das 50-fache betragen.</p>



<p>In ihrem Beitrag für die F.A.Z. gelangen Albers, Bartels und Schularick zu einem Resümee, von dem man sich wünschte, dass es in politischen Kreisen nicht nur gehört, sondern befolgt wird. Sie schreiben:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Für die gegenwärtige Debatte um die Vermögensverteilung liefert die historische Perspektive keine Argumente im Sinne einer zunehmenden Konzentration der Vermögen an der Spitze. Signifikant ist allerdings die wachsende Lücke zwischen Vermögen der oberen Hälfte der Gesellschaft, wo der Wert von Aktien- und Immobilienvermögen in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen ist, und der unteren Hälfte, wo die Vermögen in den letzten 40 Jahren stagnierten. Der fallende Anteil der unteren 50 Prozent am Gesamtvermögen und entsprechende <strong>Konzepte zum Vermögensaufbau für einkommensschwächere Haushalte verdienen aus diesem Blickwinkel mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit als weitgehend unbegründete Sorgen um eine wachsende Vermögenskonzentration an der Spitze.</strong>“</p><cite>Albers/Bartels/Schularick, F.A.Z., 1. August 2022, S. 16</cite></blockquote>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-in-deutschland/">Vermögensverteilung in Deutschland 1895 bis 1918</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a> und wurde geschrieben von <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/author/nicolaihammersen/">Dr. Nicolai Hammersen</a>.</p>
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		<title>Schiefe Darstellung der Vermögensverteilung in Deutschland hat Methode</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. Nicolai Hammersen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Apr 2022 15:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Altersvorsorgevermögen]]></category>
		<category><![CDATA[Vermögensungleichheit]]></category>
		<category><![CDATA[Vermögensverteilung]]></category>
		<category><![CDATA[WSI]]></category>
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<p>Es steht außer Frage: Vermögen sind in Deutschland ungleich verteilt, jedenfalls deutlich ungleicher als die Einkommen. Die Vermögensverteilung ist in Deutschland aber nicht so ungleich, wie es regelmäßig dargestellt wird. Wir haben das schon in zwei Beiträgen beleuchtet (nämlich hier [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-schief-dargestellt/">Schiefe Darstellung der Vermögensverteilung in Deutschland hat Methode</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a> und wurde geschrieben von <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/author/nicolaihammersen/">Dr. Nicolai Hammersen</a>.</p>
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<p>Es steht außer Frage: Vermögen sind in Deutschland ungleich verteilt, jedenfalls deutlich ungleicher als die Einkommen. Die Vermögensverteilung ist in Deutschland aber nicht so ungleich, wie es regelmäßig dargestellt wird. Wir haben das schon in zwei Beiträgen beleuchtet (nämlich <a href="https://vermoegensperspektiven.de/rentenansprueche-reduzieren-vermoegensungleichheit-um-ueber-20-prozent/">hier</a> und <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-in-deutschland-weniger-ungleich-als-gewoehnlich-behauptet/">hier</a>), möchten gleichwohl aber noch einmal darauf zurückkommen.</p>



<p>Bei einer Recherche zu neuen Veröffentlichungen in Sachen „Vermögen“ stießen wir auf der Webseite des <a href="https://www.wsi.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI)</a> der Hans Böckler Stiftung auf folgende Darstellung der Vermögensverteilung.</p>



<p>Die Antwort auf die Frage, wie ungleich Vermögen in Deutschland verteilt seien, hänge stark davon ab, welche Daten herangezogen würden, heißt es beim WSI. „Auf Basis des SOEP lag der Gini-Koeffizient bei 0,78 im Jahr 2019 (<a href="https://www.diw.de/de/diw_01.c.793802.de/publikationen/wochenberichte/2020_29_1/millionaerinnen_unter_dem_mikroskop__datenluecke_bei_sehr_ho___geschlossen______konzentration_hoeher_als_bisher_ausgewiesen.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schröder et al. 2020</a>). Allerdings weisen eine Vielzahl von Studien (z.B. <a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/roiw.12279" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Vermeulen 2018</a>, <a href="https://link.springer.com/article/10.1007/s10797-019-09578-1" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bach et al. 2019</a>) darauf hin, dass Befragungsdaten die Vermögensungleichheit unterschätzen, da (Super-)Reiche in den Daten unterrepräsentiert sind. Unter Einbeziehung einer gesonderten Reichenstichprobe steigt der Gini-Koeffizient im SOEP auf 0,81 an; werden zusätzlich die Vermögensinformationen aus dem Managermagazin herangezogen, liegt der Gini-Koeffizient sogar bei 0,83.“</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="790" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/04/WSI_Vermoegensverteilung-2021-1024x790.png" alt="Vermögensverteilung: Anteil des Nettovermögens der reichsten 10 %, 1 % und 0,1 % am Gesamtvermögen" class="wp-image-1725" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/04/WSI_Vermoegensverteilung-2021-1024x790.png 1024w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/04/WSI_Vermoegensverteilung-2021-300x231.png 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/04/WSI_Vermoegensverteilung-2021-768x593.png 768w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/04/WSI_Vermoegensverteilung-2021-1536x1185.png 1536w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/04/WSI_Vermoegensverteilung-2021.png 1920w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p>Diese starke Konzentration der Vermögen zeige sich auch bei der Verteilung, insbesondere bei der Betrachtung der Vermögensanteile, die auf die reichsten 10 Prozent, 1 Prozent bzw. 0,1 Prozent entfielen (siehe Abbildung). Demnach besäßen die Top 10 Prozent je nach Datengrundlage zwischen 59 und 67 Prozent des Gesamtvermögens, die Top 1 Prozent zwischen 22 und 35 Prozent des Gesamtvermögens und die reichsten 0,1 Prozent sogar zwischen sieben und 20 Prozent (<a href="https://www.diw.de/de/diw_01.c.793802.de/publikationen/wochenberichte/2020_29_1/millionaerinnen_unter_dem_mikroskop__datenluecke_bei_sehr_ho___geschlossen______konzentration_hoeher_als_bisher_ausgewiesen.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schröder et al. 2020</a>). Im Vergleich dazu besitze die untere Hälfte der Vermögensverteilung lediglich 2,5 Prozent des Gesamtvermögens (<a href="https://link.springer.com/article/10.1007/s10797-019-09578-1" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bach et al. 2019</a>), so das WSI.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vermögensverteilung: Hinzugerechnet wird nur, was „nützt&#8220;</h3>



<p>Was diese Darstellung verschweigt, das sind die Altersvorsorgevermögen. Es liegen mehrere Studien dazu vor, wie sich die Vermögensäquivalente aus den Ansprüchen an die Altersvorsorgesysteme auf die Vermögensverteilung auswirken (<a href="https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.538110.de/diw_sp0853.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bönke et al. 2016</a>, <a href="https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.554238.de/diw_sp0899.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bönke et al. 2017</a>, <a href="https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/pwp-2018-0028/html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Peichl et al. 2019</a>, <a href="https://www.vbw-bayern.de/Redaktion/Frei-zugaengliche-Medien/Abteilungen-GS/Sozialpolitik/2021/Downloads/Studie_Gerechtes-Deutschland_final.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">vbw/IfO 2021</a>). Sie alle kommen zu dem gleichen Ergebnis: Die Berücksichtigung der Altersvorsorgevermögen reduziert die Vermögensungleichheit deutlich. Je nach Studie sinkt der Gini-Koeffizient für die Vermögensverteilung um 22 bis 33 Prozent.</p>



<p>Konnte das WSI dies bei Veröffentlichung der oben zitierten Erkenntnisse zu Vermögensverteilung wissen? Sicher, die Autoren hätten das wissen können. Mindestens die beiden Studien von Bönke et al. (2016, 2017) und die Studie von Peichl et al. (2019) sind <em>vor</em> den vom WSI als Quellen herangezogenen Studien (s. oben) erschienen. Erkennbar geben sich die Darstellungen beim WSI wie auch die dort verwendeten Quellen alle Mühe, durch Hinzurechnung von Vermögen aus einer Zusatzstichprobe für hohe Vermögen und aus sog. „Reichenlisten“ (in diesem Fall Manager Magazin) eine immer höhere Vermögensungleichheit darzustellen.</p>



<p>Diese Hinzurechnung kann man ja machen – nur müsste man dann eben auch die Altersvorsorgevermögen mitberücksichtigen. Das unterbleibt. Der Grund ist offensichtlich: In die Berechnungen einbezogen wird, was der eigenen politischen Agenda nützt. Was ihr schadet, wird nicht erwähnt.</p>



<p>P.S.: Übrigens: Der auch vom WSI als Quelle angegebene Stefan Bach, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Staat am DIW Berlin, stellte in einer <a href="https://www.diw.de/de/diw_01.c.831678.de/publikationen/wochenberichte/2021_50_1/grunderbe_und_vermoegensteuern_koennen_die_vermoegensungleichheit_verringern.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">im Dezember 2021 veröffentlichten Untersuchung</a> fest, die Nettovermögen der privaten Haushalte seien in Deutschland „<strong>besonders ungleich verteilt</strong>“ (Hervorhebung N.H.). In einer Fußnote zu dieser Aussage heißt es aber dann: Berücksichtige man die „Sozialvermögen“ in Form von Ansprüchen an die sozialen Sicherungssysteme – also vor allem die „quantitativ bedeutsamen Anwartschaften an die Alterssicherungssysteme der Gesetzlichen Rentenversicherung, der Beamtenversorgung oder der betrieblichen Altersversorgung“ – durch Kapitalisierung der Versorgungsansprüche, <strong><a href="https://vermoegensperspektiven.de/diw-grunderbe-wuerde-vermoegensungleichheit-senken/">reduziere „sich die Vermögensungleichheit in Deutschland massiv</a></strong> – der Gini-Koeffizient sinkt um 24 Prozent“. (Hervorhebung N.H.)</p>
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		<title>Erbschaften verringern relative Vermögensungleichheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. Nicolai Hammersen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Mar 2022 09:32:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Studien]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Erbschaften]]></category>
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		<category><![CDATA[Vermögensungleichheit]]></category>
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<p>Mit Blick auf Vermögensverteilung und Vermögensungleichheit spielt regelmäßig auch das Thema Erbschaften (und Schenkungen) eine wichtige Rolle. Eine gängige These hierzu lautet, dass Erbschaften die soziale Ungleichheit verstärken. Vereinfacht ausgedrückt: Durch Erbschaften werden die Reichen immer reicher, die Vermögensungleichheit wächst. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/erbschaften-verringern-ungleichheit/">Erbschaften verringern relative Vermögensungleichheit</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a> und wurde geschrieben von <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/author/nicolaihammersen/">Dr. Nicolai Hammersen</a>.</p>
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<p>Mit Blick auf <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-in-deutschland/">Vermögensverteilung</a> und Vermögensungleichheit spielt regelmäßig auch das Thema Erbschaften (und Schenkungen) eine wichtige Rolle. Eine gängige These hierzu lautet, dass Erbschaften die soziale Ungleichheit verstärken. Vereinfacht ausgedrückt: Durch Erbschaften werden die Reichen immer reicher, die Vermögensungleichheit wächst. Daher plädieren manche für eine deutlich höhere Erbschaftsteuer. Oder überhaupt für eine Erbschaftsteuer in Ländern, wo es diese nicht gibt, wie etwa in Österreich, Norwegen oder Australien. Zwei neuere Untersuchungen zur Bedeutung von Erbschaften in den beiden letztgenannten Ländern zeigen, dass das Thema differenzierter betrachtet werden muss.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ökonomische Effekte von Vermögenstransfers</h3>



<p>In der längeren Studie „<a href="https://www.pc.gov.au/research/completed/wealth-transfers/wealth-transfers.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wealth transfers and their economic effects</a>“ der „Productivity Commission“ der australischen Regierung kommen die Autoren zu dem Ergebnis, Vermögenstransfers führten zwar eindeutig zu einem Anstieg des Vermögens der reicheren Australier. Gemessen an dem Vermögen, das sie bereits besäßen, hätten die weniger wohlhabenden Australier jedoch einen viel größeren Zuwachs durch Vermögenstransfers erhalten. Das heiße, Vermögenstransfers erhöhten den Anteil des Vermögens der ärmeren Australier und verringerten die relative Vermögensungleichheit.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="930" height="576" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/04/Australian-Government-Productivity-Commission_Wealth-transfer-2021.jpg" alt="Australien: Erbschaften erhöhen die absolute Vermögensungleichheit, aber reduzieren die relative Vermögensungleichheit" class="wp-image-1709" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/04/Australian-Government-Productivity-Commission_Wealth-transfer-2021.jpg 930w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/04/Australian-Government-Productivity-Commission_Wealth-transfer-2021-300x186.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/04/Australian-Government-Productivity-Commission_Wealth-transfer-2021-768x476.jpg 768w" sizes="(max-width: 930px) 100vw, 930px" /><figcaption>Quelle: Australian Government | Productivity Commission, Wealth transfers and their economic effects, S. 6</figcaption></figure>



<p>In den vergangenen zwei Jahrzehnten erhielten wohlhabendere Menschen in der Regel mehr Vermögenstransfers als ärmere Menschen, wodurch die absolute Vermögensungleichheit zugenommen habe (Abbildung 4, Feld a; <em>absolute </em>Vermögensungleichheit ist die Ungleichheit des Dollarwerts des von jeder Person in der Gesellschaft gehaltenen Vermögens). Das sei leicht nachvollziehbar, da wohlhabendere Eltern mehr Vermögen an ihre Kinder übertragen könnten und ihre Kinder auch ohne diese Transfers tendenziell wohlhabender seien.</p>



<p>Ein weniger offensichtliches Ergebnis – <strong>das sich jedoch in der Forschung für alle anderen Länder, für die Informationen verfügbar waren (Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und die Vereinigten Staaten), wiederfinde</strong> (siehe unten) – sei, dass Vermögenstransfers die relative Vermögensungleichheit verringerten. Der Grund: Wohlhabendere Menschen erhielten im Verhältnis zu ihrem vorhandenen Vermögen weniger Vermögenstransfers als ärmere Menschen (Abbildung 4, Feld b; <em>relative </em>Vermögensungleichheit ist die Ungleichheit des Anteils am Vermögen, den jede Person besitzt). Beispielsweise erhöhten die Transfers das Vermögen der untersten 20 Prozent (Quintil 1) der Vermögensverteilung im Verhältnis zu ihrem vorhandenen Vermögen um etwa das 30-fache im Vergleich zu den obersten 20 Prozent (Quintil 5).</p>



<p>Zwar treffe es zu, so die australische Kommission, dass reichere Australier im Durchschnitt höhere Transfers erhielten und daher durch Vermögensübertragungen noch bessergestellt würden. Aber wenn die Menschen eine Erbschaft erhielten, seien sie schon weit im mittleren Alter – im Durchschnitt etwa 50 Jahre alt –, und viele stünden möglicherweise selbst kurz vor dem Ruhestand. Erbschaften wirkten sich zwar auf die wirtschaftliche Mobilität aus, da sie die Wahrscheinlichkeit erhöhten, dass wohlhabende Eltern wohlhabende Kinder haben, doch werde dieser Effekt durch den späten Zeitpunkt, zu dem sie empfangen werden, abgeschwächt.</p>



<p>In den meisten Szenarien werde davon ausgegangen, dass Vermögenstransfers die absolute Vermögensungleichheit erhöhten, aber die relative Vermögensungleichheit verringerten. Der Mechanismus sei derselbe wie oben beschrieben: Auch wenn wohlhabendere Menschen im Durchschnitt größere Vermögenstransfers erhielten, erhielten weniger wohlhabende Menschen Vermögenstransfers, die einen größeren Anteil ihres vorhandenen Vermögens ausmachten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vermögenstransfers haben die relative Vermögensungleichheit auch in anderen Ländern verringert, und zwar stärker als in Australien</h3>



<p>Die folgende Grafik unterstreicht die oben getroffene Feststellung, dass Vermögenstransfers die relative Vermögensungleichheit auch in anderen Ländern verringern, darunter in Deutschland.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="934" height="684" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/04/Australian-Government-Productivity-Commission_Wealth-transfer-and-inequality.jpg" alt="Erbschaften reduzieren die relative Vermögensungleichheit auch in anderen Ländern, darunter in Deutschland." class="wp-image-1718" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/04/Australian-Government-Productivity-Commission_Wealth-transfer-and-inequality.jpg 934w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/04/Australian-Government-Productivity-Commission_Wealth-transfer-and-inequality-300x220.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/04/Australian-Government-Productivity-Commission_Wealth-transfer-and-inequality-768x562.jpg 768w" sizes="(max-width: 934px) 100vw, 934px" /><figcaption>Quelle: Australian Government | Productivity Commission, Wealth transfers and their economic effects, S. 50</figcaption></figure>



<p>Als Quelle für (u.a.) Deutschland wird genannt: <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0165176520304614" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nolan, Brian/Palomino, Juan C./Van Kerm, Philippe/Morelli, Salvatore (2021): Intergenerational wealth transfers and wealth inequality in rich countries: What do we learn from Gini decomposition? Economics Letters, vol. 199, p. 109701</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die (Un)Wichtigkeit von Erbschaften</h3>



<p>In dem Arbeitspapier „<a href="https://www.nber.org/papers/w29693" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The (un)importance of inheritance</a>“ (Working Paper 29693, National Bureau of Economic Research) hat die Columbia-Ökonomin Sandra Black mit ihren Ko-Autoren Paul Deveraux (University College Dublin), Fanny Landaud und Kjell Salvanes (beide Norwegian School of Economics) für die 19-jährige Periode von 1995 bis 2013 für die norwegische Bevölkerung untersucht, welchen Anteil kapitalisierte Schenkungen und Erbschaften an den Gesamtzuflüssen haben, die einer Person zur Verfügung stehen (definiert als kapitalisierte Summe des Nettoarbeitseinkommens, der staatlichen Transfers und der während des Zeitraums erhaltenen Schenkungen und Erbschaften).</p>



<p>Die Ausgangsfrage der Autoren lautet: Bekommen die reichsten Schichten der Gesellschaft ihr Geld hauptsächlich durch Erbschaften und Schenkungen, oder stammen ihre Mittel überwiegend aus Arbeit, ohne Erbschaften oder Schenkungen unter Lebenden?</p>



<p>Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Schenkungen und Erbschaften nur einen geringen Anteil an den Gesamtzuflüssen haben, nämlich etwa drei bis sechs Prozent je nach Alter (vgl. S. 18; an einer anderen Stelle heißt es, sei seien zwei bis fünf Prozent, vgl. S. 4); ihr Beitrag werde von dem der Arbeitseinkommen und der staatlichen Transfers dominiert. Schenkungen und Erbschaften hätten einen etwas größeren Anteil an den Gesamtzuflüssen für Personen, die bei den Gesamtzuflüssen oder beim Nettovermögen zu dem obersten ein Prozent gehörten, mit einem Verhältnis von Schenkungen und Erbschaften zu den Gesamtzuflüssen (GI-Verhältnis) von sechs bzw. zehn Prozent.</p>



<p>Dies deute darauf hin, dass Erbschaften und Schenkungen nicht die Hauptquelle des Vermögens seien, auch nicht bei den sehr Wohlhabenden. Darüber hinaus sei die GI-Quote im Durchschnitt an allen Punkten der Verteilung des Arbeitseinkommens niedrig, was darauf hindeute, dass Arbeitseinkommen und Erbschaften keine Substitute seien. Allerdings machten Schenkungen und Erbschaften bei einer kleinen Zahl von Personen, die vermögende Eltern haben, einen großen Teil der Ressourcen aus; die GI-Quote betrage etwa 40 Prozent für Personen, deren Eltern zu den obersten 0,1 Prozent der Nettovermögensverteilung im Jahr 1994 gehörten.</p>



<p>Wichtig sei, so die Autoren weiter, dass Schenkungen und Erbschaften nur sehr geringe Auswirkungen auf die Verteilung der Gesamtzuflüsse hätten; rechnete man die tatsächlichen Schenkungen und Erbschaften heraus, sei die Verteilung der Gesamtzuflüsse recht ähnlich. Da sich Erbschaften kaum auf die Verteilung der gesamten Lebenszeitressourcen oder auf Ungleichheitsmaße auswirkten, seien Maßnahmen, die auf Erbschaftsteuern zur Reduzierung der Ungleichheit setzten, wahrscheinlich nicht wirksam.</p>



<p>Der Umstand, dass das Arbeitseinkommen ein Hauptfaktor für die Ungleichheit bei den Gesamtzuflüssen sei, deute darauf hin, dass eine größere Chancengleichheit ab der frühen Kindheit eine wichtige Rolle bei der Angleichung der Vermögensverteilung spielen könnte. Humankapital – eine Schlüsseldeterminante des Arbeitseinkommens – könnte ein entscheidender Faktor für das Verständnis der großen Wohlstandsunterschiede in der modernen Welt sein, schreiben Black et al. abschließend.</p>
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		<title>Vermögensverteilung in Deutschland weniger ungleich als gewöhnlich behauptet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. Nicolai Hammersen]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Feb 2022 14:55:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Altersvorsorgevermögen]]></category>
		<category><![CDATA[Ungleichheit]]></category>
		<category><![CDATA[Vermögensungleichheit]]></category>
		<category><![CDATA[Vermögensverteilung]]></category>
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<p>Geht es um die Vermögensverteilung in Deutschland wird regelmäßig beklagt, sie sei besonders ungleich. Richtig ist: Vermögen sind hierzulande deutlich ungleicher verteilt als Einkommen. Richtig ist aber auch, dass die Vermögensungleichheit nicht so ausgeprägt ist, wie von bestimmter politischer Seite [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-weniger-ungleich/">Vermögensverteilung in Deutschland weniger ungleich als gewöhnlich behauptet</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a> und wurde geschrieben von <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/author/nicolaihammersen/">Dr. Nicolai Hammersen</a>.</p>
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<p>Geht es um die Vermögensverteilung in Deutschland wird regelmäßig beklagt, sie sei besonders ungleich. Richtig ist: Vermögen sind hierzulande deutlich ungleicher verteilt als Einkommen. Richtig ist aber auch, dass die Vermögensungleichheit nicht so ausgeprägt ist, wie von bestimmter politischer Seite immer wieder behauptet wird. Das liegt wesentlich daran, dass die üblichen Betrachtungen zum Nettovermögen eine Komponente überhaupt nicht berücksichtigen: die Vermögensäquivalente aus den Ansprüchen an die Altersvorsorgesysteme. Dabei gibt es nicht erst seit gestern Untersuchungen dazu, wie sich die Hinzuziehung von Rentenansprüchen auf die Vermögensverteilung auswirkt. Um es vorweg zu nehmen: Sie reduziert die Vermögensungleichheit deutlich.</p>



<p>Zuletzt hat darauf im vergangenen Jahr die vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft erstellte Studie <a href="https://www.vbw-bayern.de/Redaktion/Frei-zugaengliche-Medien/Abteilungen-GS/Sozialpolitik/2021/Downloads/Studie_Gerechtes-Deutschland_final.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Gerechtes Deutschland – Die Rolle der Vermögen”</a> hingewiesen, <a href="https://vermoegensperspektiven.de/rentenansprueche-reduzieren-vermoegensungleichheit-um-ueber-20-prozent/">die wir in einem früheren Beitrag bereits behandelt haben</a>. Ergebnis: Die Vermögensungleichheit in Deutschland wird durch Anwartschaften&nbsp;aus gesetzlichen, privaten und betrieblichen&nbsp;Altersvorsorgesystemen um mehr als 20 Prozent reduziert. Der&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gini-Koeffizient" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gini-Koeffizient</a>&nbsp;sinkt durch die Erweiterung um die Vermögensäquivalente aus der Altersvorsorge im Jahr 2017 von knapp 0,8 auf rund 0,6.</p>



<p>Nun werden Kritiker möglicherweise einwenden, dieser Befund sei erwartbar, schließlich stamme die Untersuchung vom „arbeitgebernahen” Institut der deutschen Wirtschaft und sei im Auftrag der bayerischen Wirtschaftslobby erstellt worden. Diesem möglichen Einwand kann allerdings der Wind aus den Segeln genommen werden. Denn: Die vbw-Studie des IW bestätigt Erkenntnisse aus früheren Forschungen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bönke et al. 2016</h3>



<p>So haben Bönke et al. 2016 die wohl erste Analyse für Deutschland vorgelegt, die das Rentenvermögen in einer Analyse der Vermögensungleichheiten für die gesamte deutsche Bevölkerung im Ruhestand und im Nicht-Ruhestand berücksichtigt (<a href="https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.538110.de/diw_sp0853.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The joint distribution of net worth and pension wealth in Germany, SOEPpapers 853-2016</a>). Bönke et al. schreiben: „Research on wealth inequality usually focuses on real and financial assets, while pension wealth – the present value of future pension entitlements from public and company pension schemes – receives little attention. This is astonishing, given that pension plans play an important role for material security and well‐being for an overwhelming part of the population and, thus, should be accounted for in peoples’ wealth portfolios.” (S. 1)</p>



<p>Zur Vermögensverteilung kommen die Autoren zu folgendem Ergebnis: „Consistent with previous studies for Germany, the distribution of net worth is very unequal. Here the Gini coefficient is 0.785. The inclusion of pension wealth leads to a marked reduction of the Gini coefficient of roughly 25% to 0.594 for augmented wealth.” (S. 25, siehe folgende Tabelle)</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="925" height="388" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/03/SOEPpapers_Inequality-of-wealth-aggregates-2016.jpg" alt="Vermögensverteilung, Vermögensungleichheit (Gini) | Inequality of wealth aggregates" class="wp-image-1577" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/03/SOEPpapers_Inequality-of-wealth-aggregates-2016.jpg 925w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/03/SOEPpapers_Inequality-of-wealth-aggregates-2016-300x126.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/03/SOEPpapers_Inequality-of-wealth-aggregates-2016-768x322.jpg 768w" sizes="(max-width: 925px) 100vw, 925px" /><figcaption>Source: SOEPv30, persons living in private households age 18 and above in 2013 and respondents of the 2012 and 2013 waves.</figcaption></figure>



<p>Es zeigt sich, so Bönke et al., dass die Berücksichtigung des Rentenvermögens wichtige Auswirkungen auf die Verteilung und das Niveau des Vermögens habe. In Deutschland sei die durch den Gini-Koeffizienten gemessene Ungleichheit des erweiterten Vermögens um etwa ein Viertel geringer als die des Nettovermögens. Darüber hinaus sei der Median des erweiterten Vermögens etwa sechsmal so groß wie der Median des Nettovermögens, während der Mittelwert nur doppelt so hoch ist, was auf die hohe Konzentration des Rentenvermögens in der unteren Hälfte der Vermögensverteilung zurückzuführen sei.</p>



<p>Die Untersuchung von Bönke et al. (2016) stütze sich ausschließlich auf Umfragedaten – das deutsche SOEP – um zu zeigen, dass das Rentenvermögen eine wichtige Komponente des individuellen Vermögens in Deutschland sei und dass seine Einbeziehung in die individuelle Vermögensverteilung eine beträchtliche Verringerung der gemessenen Ungleichheit mit sich bringe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bönke et al. 2017</h3>



<p>Anfang 2017 legten Bönke et al. eine Folgeuntersuchung vor (<a href="https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.554238.de/diw_sp0899.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">A Head-to-Head Comparison of Augmented Wealth in Germany and the United States, SOEPpapers 899-2017</a>), die Zahlen zum Vermögen nicht (wie 2016) auf individueller Ebene, sondern auf Haushaltsebene bereitstellt. Das Konzept auf Haushaltsebene spiegele wider, dass Haushalte in der Regel Ressourcen zusammenlegten. Darüber hinaus sei die aktuelle Messung des Rentenvermögens breiter angelegt als die von Bönke et al. (2016), da auch tatsächliche und erwartete Ansprüche auf Hinterbliebenenrenten einbezogen würden. In der Untersuchung von 2017 stellen Bönke et al. die Höhe, die Zusammensetzung und die Ungleichheiten des erweiterten Vermögens der privaten Haushalte – definiert als die Summe aus Nettovermögen und Rentenvermögen – für zwei Länder dar: die Vereinigten Staaten und Deutschland.</p>



<p>„Our results are as follows: The inclusion of pension wealth adds about 48% to average net worth in the United States and 61% in Germany. This reduces the wealth gap between the two countries: While the ratio of average net worth is about 1.8 in favor of the United States (average for United States: US$337,000; Germany: US$182,000), it is considerably lower, 1.4, for augmented wealth (average for United States: US$651,000; Germany: US$473,000). The addition of pension wealth also reduces measured wealth inequalities: In the United States, the Gini coefficient drops from 0.892 for net worth to 0.701 for augmented wealth; in Germany from 0.765 to 0.511.” (S. 3)</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="867" height="839" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/03/SOEPpapers_Gini-coefficient-by-wealth-aggregate-2017.jpg" alt="Gini-coefficient of wealth aggregate" class="wp-image-1584" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/03/SOEPpapers_Gini-coefficient-by-wealth-aggregate-2017.jpg 867w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/03/SOEPpapers_Gini-coefficient-by-wealth-aggregate-2017-300x290.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/03/SOEPpapers_Gini-coefficient-by-wealth-aggregate-2017-768x743.jpg 768w" sizes="(max-width: 867px) 100vw, 867px" /></figure>



<p>In beiden Ländern verringere die Einbeziehung von Rentenvermögen in die Portfoliopositionen der Haushalte die gemessene Vermögensungleichheit; in Deutschland werde die Vermögensungleichheit durch die Hinzufügung von Rentenvermögen allerdings stärker reduziert als in den Vereinigten Staaten. In Bezug auf das Nettovermögen bestätigten die Ergebnisse den früheren Befund einer deutlich höheren Ungleichheit in den Vereinigten Staaten. Der Gini-Index betrage 0,892 im Gegensatz zu 0,765 in Deutschland. Die Hinzufügung von Sozialversicherungsrenten zum Nettovermögen verringere die Ungleichheit. Der Gini-Index sinke in den Vereinigten Staaten um 21 Prozent (auf 0,704), in Deutschland ist die Verringerung sogar noch größer (33 Prozent auf 0,512), was auf die höhere Bedeutung der Sozialversicherungsrenten zurückzuführen sei.</p>



<p>Die Hinzufügung von Vermögen aus betrieblicher und privater Altersvorsorge zum Nettovermögen verringere die Ungleichheit ebenfalls, allerdings sei der Effekt geringer. In beiden Ländern sinke der Gini-Index um etwa sieben Prozent. Wenn man das Vermögen der Sozialversicherung und der betrieblichen und privaten Altersvorsorge zum Nettovermögen hinzufüge, erhalte man ein erweitertes Vermögen. Der entsprechende Gini-Index sinke in den Vereinigten Staaten um 0,191 Punkte von 0,892 auf 0,701 und in Deutschland um 0,254 Punkte (33 Prozent) auf 0,511. Die Umverteilungswirkung des Rentenvermögens sei also in Deutschland größer, so Bönke et al. 2017 in ihrer „Conclusion”.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Peichl et al. 2018</h3>



<p>Eine weitere Veröffentlichung, die im Zusammenhang mit der Einbeziehung der Altersvorsorgevermögen bei der Betrachtung der Vermögensverteilung erwähnenswert ist, ist die Untersuchung <a href="https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/pwp-2018-0028/html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Ökonomische Ungleichheit in Deutschland – ein Überblick”</a> von Peichl et al. 2018. Methodisch orientieren sich die Autoren vom ifo Zentrum für Makroökonomik und Befragungen an Bönke et al. (2017) und berücksichtigen neben den Nettovermögen zusätzlich explizit die individuellen Rentenansprüche.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="348" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/03/Peichl-et-al.-2018_Zerlegung-der-Vermoegensungleichheit-1024x348.jpg" alt="Zerlegung der Vermögensungleichheit" class="wp-image-1590" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/03/Peichl-et-al.-2018_Zerlegung-der-Vermoegensungleichheit-1024x348.jpg 1024w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/03/Peichl-et-al.-2018_Zerlegung-der-Vermoegensungleichheit-300x102.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/03/Peichl-et-al.-2018_Zerlegung-der-Vermoegensungleichheit-768x261.jpg 768w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/03/Peichl-et-al.-2018_Zerlegung-der-Vermoegensungleichheit.jpg 1135w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p>Die Tabelle „zeigt die Ungleichheit der Vermögensverteilung in Deutschland im Jahr 2012, unterteilt nach verschiedenen Vermögenskomponenten. In der ersten Spalte findet sich der Gini-Koeffizient für die jeweilige Vermögenskomponente. Es zeigt sich, dass durch die Berücksichtigung von Rentenansprüchen die Ungleichheit der Nettovermögen (Gini von 0,73) spürbar sinkt (auf 0,53)”, so Peichl et al. (S. 194).</p>



<p>Die zweite Spalte zeige den Anteil der jeweiligen Vermögenskomponente am erweiterten Gesamtvermögen. Die privaten Nettovermögen wiesen mit 40 Prozent zwar den größten Einzelanteil der betrachteten Komponenten auf; eine Vernachlässigung von individuellen Rentenansprüchen jedoch würde die Bewertung der Vermögensverteilung massiv verzerren. 60 Prozent des im SOEP gemessenen erweiterten Gesamtvermögens gingen auf Rentenansprüche und insbesondere auf Ansprüche aus den staatlichen Vorsorgeinstitutionen zurück.</p>



<p>In der vierten Spalte sei jeder der betrachteten Komponenten ein relativer Beitrag zur Gesamtheit der Ungleichheit der erweiterten Vermögen zugewiesen. Insgesamt könne beinahe die Hälfte der gemessenen Vermögensungleichheit in Deutschland (0,53 Gini-Indexpunkte) auf die ungleiche Verteilung von Nettoprivatvermögen zurückgeführt werden. Ein weiteres Drittel sei den privaten Vorsorgeinstitutionen, also den privaten und betrieblichen Rentenvermögen zuzuweisen. Lediglich 19 Prozent gingen auf Unterschiede der staatlichen Rentenansprüche zurück.</p>



<p>„Die Berücksichtigung dieser Rentenansprüche führt also zu einer erheblichen Reduktion der gemessenen Vermögensungleichheit in Deutschland“, so das Fazit (S. 195).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Schlussbemerkung</h3>



<p>Die hier dargestellten wissenschaftlichen Untersuchungen, die allesamt zeigen, dass durch die Hinzuziehung der Altersvorsorgevermögen die Vermögensungleichheit in Deutschland deutlich sinkt, sollen nicht zum Anlass genommen werden, das Thema Vermögensungleichheit vom Tisch zu wischen. Das ist und bleibt ein Thema. Nur sollte der Versuch unternommen werden, ein möglichst realistisches und vollständiges Bild der tatsächlichen Verhältnisse zu zeichnen und kein verzerrtes, das hauptsächlich der Unterfütterung politischer Agenden dient.</p>
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		<title>DIW: Grunderbe würde Vermögensungleichheit senken</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. Nicolai Hammersen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Dec 2021 09:45:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Altersvorsorgevermögen]]></category>
		<category><![CDATA[DIW]]></category>
		<category><![CDATA[Grunderbe]]></category>
		<category><![CDATA[Vermögensungleichheit]]></category>
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<a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven - Journal für die Diskussion der gesellschaftlichen Aspekte von Vermögen.</a></p>
<p>Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schlägt in einer aktuellen Untersuchung vor, durch ein Grunderbe, das durch Erbschaft- oder Vermögensteuer finanziert werden soll, die Vermögensungleichheit in Deutschland zu reduzieren. Ein Grunderbe von 20.000 Euro je volljährige Person würde die Vermögensungleichheit [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/grunderbe-und-vermoegensungleichheit/">DIW: Grunderbe würde Vermögensungleichheit senken</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de">Vermögensperspektiven</a> und wurde geschrieben von <a rel="nofollow" href="https://vermoegensperspektiven.de/author/nicolaihammersen/">Dr. Nicolai Hammersen</a>.</p>
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<p>Das <a href="https://www.diw.de/de/diw_01.c.831664.de/wohlstand_fuer_alle_____durch_grunderbe_und_vermoegensteuern.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schlägt in einer aktuellen Untersuchung vor</a>, durch ein Grunderbe, das durch Erbschaft- oder Vermögensteuer finanziert werden soll, die Vermögensungleichheit in Deutschland zu reduzieren. Ein Grunderbe von 20.000 Euro je volljährige Person würde die Vermögensungleichheit schneller und deutlicher senken als Vermögensbildung durch die Förderung von Wohneigentum (<a href="https://vermoegensperspektiven.de/je-hoeher-die-wohneigentumsquote-desto-niedriger-die-vermoegensungleichheit/">zum Zusammenhang zwischen Wohneigentumsquote und Vermögensungleichheit</a>), privater Altersvorsorge und sonstigem Vorsorgesparen. Vermögensbildung wirke nur langfristig und „lediglich moderat auf die Vermögensverteilung. (…) Sollen schneller Ergebnisse erzielt werden, müssten die Vermögen direkter und spürbarer umverteilt werden“, <a href="https://www.diw.de/de/diw_01.c.831678.de/publikationen/wochenberichte/2021_50_1/grunderbe_und_vermoegensteuern_koennen_die_vermoegensungleichheit_verringern.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">heißt es in dem DIW-Papier</a>.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="512" src="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/03/Grafik-Vermoegensbildung-mit-Grunderbe-1024x512.jpg" alt="Mehrausgaben zur Förderung der Vermögensbildung (inkl. Grunderbe) und Mehreinnahmen aus vermögensbezogenen Steuern" class="wp-image-1693" srcset="https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/03/Grafik-Vermoegensbildung-mit-Grunderbe-1024x512.jpg 1024w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/03/Grafik-Vermoegensbildung-mit-Grunderbe-300x150.jpg 300w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/03/Grafik-Vermoegensbildung-mit-Grunderbe-768x384.jpg 768w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/03/Grafik-Vermoegensbildung-mit-Grunderbe-1536x768.jpg 1536w, https://vermoegensperspektiven.de/wp-content/uploads/2022/03/Grafik-Vermoegensbildung-mit-Grunderbe-2048x1024.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p>Und so kommt Studien-Autor Stefan Bach, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Staat am DIW Berlin, zu der Feststellung: „Die hohe Vermögensungleichheit in Deutschland lässt sich schnell und effektiv nur durch Umverteilung reduzieren: indem die besitzlose Hälfte ein Grunderbe zum Vermögensaufbau erhält, das über Steuern auf hohe Vermögen finanziert wird.“ Das Grunderbe soll an bestimmte Zwecke gebunden werden: „Ausbildungsfinanzierung, Erwerb von Wohneigentum, Selbstständigkeit und Unternehmensgründungen, Weiterbildung oder für Einkommenseinbußen bei Arbeitslosigkeit oder Krankheit. Gefördert werden könnte auch die Betreuung von Kindern, Alten oder Behinderten.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Besonders ungleich verteilte“ Nettovermögen?</h3>



<p>„Die Nettovermögen der privaten Haushalte sind in Deutschland <strong>besonders ungleich verteilt</strong>.“ (Hervorhebung N.H.) So lautet der erste Satz der Studie. In einer Fußnote dazu wird darauf hingewiesen, dass hier „Nettovermögen in konventioneller Abgrenzung“ betrachtet werden:</p>



<p>„Die Nettovermögen in konventioneller Abgrenzung bestehen aus Immobilien, Finanzvermögen und Versicherungsguthaben, Unternehmen und Unternehmensbeteiligungen, abzüglich Schulden. Dabei werden bestimmte Vermögenskomponenten ausgeschlossen, insbesondere das ‚Sozialvermögen‘ in Form von Ansprüchen an die sozialen Sicherungssysteme, also vor allem die quantitativ bedeutsamen Anwartschaften an die Alterssicherungssysteme der Gesetzlichen Rentenversicherung, der Beamtenversorgung oder der betrieblichen Altersversorgung. Berücksichtigt man diese Vermögen durch Kapitalisierung der Versorgungsansprüche, <a href="https://vermoegensperspektiven.de/vermoegensverteilung-in-deutschland-weniger-ungleich-als-gewoehnlich-behauptet/"><strong>reduziert sich die Vermögensungleichheit in Deutschland massiv</strong> – der Gini-Koeffizient sinkt um 24 Prozent</a>.“ (Hervorhebung N.H.)</p>



<p>Das ist ein wesentlicher Punkt, der bei der Beurteilung der Vermögensungleichheit in Deutschland nicht unberücksichtigt bleiben darf. Bach erwähnt diesen Punkt, allerdings in einer Fußnote, damit er nicht ganz so auffällt. Hängen bleiben soll beim Leser die Feststellung im eigentlichen Text: Die Nettovermögen der privaten Haushalte sind „besonders ungleich verteilt“. Dass diese Feststellung deutlich relativiert werden muss, <a href="https://vermoegensperspektiven.de/rentenansprueche-reduzieren-vermoegensungleichheit-um-ueber-20-prozent/">wenn man die Anwartschaften an die Alterssicherungssysteme hinzunimmt</a>, erfährt nur derjenige Leser, der auch die Fußnote liest. Die im Haupttext und auch im Abstract gleich zu Beginn herausgestellten „besonders ungleich verteilt(en)“ Nettovermögen sind der Ansatzpunkt für die Forderung nach – Umverteilung. Im vorliegenden Fall durch ein „Grunderbe“.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Narrativ von der „sehr ungleichen Vermögensverteilung“ setzt sich durch</h2>



<p>Ob ein Grunderbe eine gute Idee ist oder nicht, soll hier nicht weiter diskutiert werden. Problematisch ist, dass diese Idee mit einer Feststellung begründet wird, die bei genauerem Hinsehen nicht stimmt.</p>



<p>Wie wichtig das öffentliche Narrativ von den „besonders ungleich verteilt(en)“ Nettovermögen ist, zeigt sich auch in einem <a href="https://www.capital.de/wirtschaft-politik/grunderbe-so-viel-geld-haben-wir-nicht-einfach-zur-verfuegung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Interview, das Stefan Bach der Zeitschrift <em>Capital </em>gegeben hat</a>. Auch hier betont er gleich an zwei Stellen die „sehr ungleiche Vermögensverteilung in Deutschland“. Dass sich die Vermögensungleichheit „massiv reduziert“ (wie Bach in seiner zitierten Fußnote selbst schreibt), wenn die Altersvorsorgevermögen mitberücksichtigt werden, erwähnt Bach in dem Gespräch mit Capital nicht. Kein Wunder, denn eine „massiv reduzierte“ Vermögensungleichheit ist für die Forderung nach höheren Steuern auf Erbschaften und Vermögen natürlich hinderlich.</p>



<p>Die „sehr ungleiche Vermögensverteilung“ in Deutschland zieht sich auch durch die weitere Medienberichterstattung (Beispiele: <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/diw-forscher-schlagen-20-000-euro-grunderbe-fuer-jugendliche-vor-a-37a5f7a2-7f1d-45d0-a832-36e4a9522e40" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Spiegel</a>, <a href="https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/wirtschaft/diw-vorschlag-grunderbe-startkapital-junge-erwachsene-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">MDR</a>, <a href="https://www.stern.de/wirtschaft/geld/grunderbe--20-000-euro-fuer-jeden-buerger-soll-das-land-gerechter-machen-31461994.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Stern</a>, <a href="https://www.wiwo.de/finanzen/steuern-recht/fuer-alle-18-jaehrigen-diw-schlaegt-ein-grunderbe-von-20-000-euro-vor/27892252.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wirtschaftswoche</a>, <a href="https://www.zeit.de/zett/politik/2021-12/grunderbe-chancengleichheit-vermoegen-startkapital" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Zeit</a>). Dass ein Grunderbe dieses Problem lindern hilft, möchten alle wohl zu gern glauben. Dabei ist das Problem zwar vorhanden, aber eben nicht so groß, wie es dargestellt wird.</p>



<p>Dazu müsste man – zumindest bei Bach – allerdings das Kleingedruckte lesen.</p>
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